Nach über eineinhalb Jahren Stillstand sollen im Dezember die Wintersportanlagen von Airolo-Pesciüm wieder in Betrieb genommen werden. Das kündigten die Tessiner Gemeinden Airolo und Quinto an, welche die Anlagen im Herbst 2009 bei einer Zwangsversteigerung erwarben und jetzt eine Erhöhung des Aktienkapitals planen. Der Rechtsstreit mit dem Vorbesitzer gilt als überwunden, ebenso wie der Zweifel darüber, ob sich die immer neuen Investitionen in den Tessiner Wintersport überhaupt noch lohnen.
Rund 1 Mio. Franken soll es kosten, die Luftseilbahn und Skilifte im Gebiet Airolo-Pesciüm technisch wieder auf Vordermann zu bringen. Der heutige Zustand der Infrastruktur sei schlechter als erwartet, hiess an einer Pressekonferenz der neuen Betreibergesellschaft Valbianca SA. Die Verwaltungsratsmitglieder, bei denen es sich unter anderem um die Gemeindepräsidenten von Airolo und Quinto handelt, äusserten sich dennoch optimistisch zur Zukunft des kleinen Skigebiets. Die finanzielle Seite sei abgesichert: Das Grundkapital von 100000 Franken, das beide Gemeinden im vergangenen Jahr gemeinsam aufgebracht haben, um bei der Zwangsversteigerung im Herbst 2009 mitbieten zu können, soll um eine Million Franken aufgestockt werden, 700000 Franken würde Airolo beitragen, 300000 Quinto. Mit rechtlichen Hindernissen wird nicht gerechnet
Die Gemeinderäte der beiden Ortschaften müssen diese Investitionen allerdings noch absegnen. Gesichert dagegen ist bereits der Zuschuss seitens des Kantons in Höhe von rund 700000 Franken, der aus dem Rahmenkredit für Tessiner Skigebiete stammt. Rechtlich seien keine Hindernisse mehr zu befürchten, betonen die Vertreter der Valbianca SA. Abschliessende Verhandlungen, bei denen es sich unter anderem um einen Eigentumsvorbehalt bezüglich der Luftseilbahn dreht, seien im Gang.
Dass Airolo als Wintersportdestination eine neue Chance bekommt, ist dem Einsatz der anliegenden Gemeinden zu verdanken. Diese haben am meisten unter der Schliessung der Anlagen gelitten, da ihren Hotels und Restaurants die Gäste fehlten. Allerdings gab es bereits in den Vorjahren im Tessin regelmässig Diskussionen, inwieweit es Sinn macht, die kleinen Skigebiete immer wieder mit öffentlichen Geldern am Leben zu erhalten.
Wichtige Rolle für den gesamten Südkanton
Der Tourismusdirektor des Tessins, Tiziano Gagliardi, ist trotzdem überzeugt, dass in Airolo der richtige Weg eingeschlagen wurde. Zwar sei der Ort nicht mit den grossen Wintersportregionen der Zentralschweiz zu vergleichen, spiele aber dennoch durch seine Lage, die Sportangebote und die Schneesicherheit für die Gotthard-Region und den gesamten Südkanton eine wichtige Rolle.
Gagliardi verweist dabei auf eine Studie, die vor zwei Jahren alle Tessiner Skigebiete unter die Lupe genommen hat, und zu dem Schluss kam, dass zumindest Airolo über zukunftsträchtiges Potenzial verfüge. «Natürlich bedeutet es auch, dass wir qualitativ in die Region des oberen Leventinatals investieren müssen», ergänzt der Tourismusdirektor. «Wir können das Potenzial nur nutzen, wenn wir auch zusätzliche touristische Angebote entwickeln.»
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