Sei es vom Bahnhof zum Büro oder vom Einkaufszentrum in die Badi – mit dem Velo gelangt man in der Stadt oft am schnellsten ans Ziel. Hier setzt das Bikesharing an: Öffentliche Leihvelos stehen rund um die Uhr zur Verfügung.
Im Unterschied zur klassischen Velovermietung kann man beim Bikesharing das Velo an einer Station ausleihen und an einer anderen wieder zurückgegeben. Zudem kann der Kunde das Velo selbständig ausleihen – man spricht daher auch von Veloselbstverleih.
Damit bietet Bikesharing mehr Flexibilität als die klassische Velovermietung. Und das scheint gefragt zu sein: In Paris beispielsweise können an über 1700 Stationen mehr als 20'000 Velos ausgeliehen werden.
Die Schweiz ist von solchen Zahlen weit entfernt. Momentan gibt es laut der Koordination Bikesharing Schweiz vier Anbieter von Veloverleihsystemen: Velopass, PubliBike, Velospot und Nextbike. Diese betreiben insgesamt rund 190 Verleihstationen an 22 Orten. Allerdings sind die verschiedenen Systeme untereinander nicht kompatibel.
Für die erste und letzte Meile
In der Schweiz sei der Besitz von privaten Velos zwar sehr weit verbreitet, sagt Sibylle Waltert von Koordination Bikesharing. Dennoch gebe es ein Marktpotenzial, insbesondere im Berufsverkehr. «Bikesharing bietet eine clevere Lösung für das Zurücklegen der ersten und letzten Meile zwischen Wohn- und Arbeitsort», sagt Waltert.
Dass Bikesharing auch in der Schweiz gefragt ist, zeigt das Beispiel der Stadt Biel. Nach einer erfolgreichen Testphase des Veloselbstverleihs Velospot baut Biel nach eigenen Angaben nun das dichteste Veloverleihnetz der Schweiz auf. Ab Ende August sollen an über 40 Stationen insgesamt 250 Leihvelos bereit stehen.
Und andere Städte könnten folgen: Es gebe bereits Anfragen aus Zürich, Bern oder Basel, die das System gern übernehmen würden, sagte François Kuonen, Leiter der Bieler Stadtplanung, dem «Bieler Tagblatt». «Wir sind in Kontakt mit diesen Städten», sagt Kuonen auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.
Zweikampf bahnt sich an
Damit tritt Velospot in Konkurrenz mit dem erst letztes Jahr lancierten Angebot PubliBike, das PostAuto, SBB und Rent a Bike gemeinsam betreiben. «Aktuell stellen wir unser System fast im Wochenrhythmus interessierten Gemeinden und Firmen vor», erklärt eine PostAuto-Sprecherin auf Anfrage.
Während PubliBike mit nationalen Partnern punkten kann, hat Velospot laut den Anbietern gegenüber der Konkurrenz in anderen Bereichen die Nase vorn. «Velospot ist platzsparend und braucht keine Infrastruktur», sagt Kuonen.
Die Strategien der beiden Anbieter könnten unterschiedlicher nicht sein: Velospot konzentrierte sich bisher auf Biel, PubliBike hingegen nahm in verschiedenen Städten Verleihstationen in Betrieb, meist nur eine pro Ortschaft. Aktuell verfügt PubliBike über rund zehn Stationen mit jeweils weniger als zehn Velos.
Schweizweites Netz als Ziel
Im April kaufte PostAuto jedoch das Westschweizer Unternehmen Velopass und katapultierte sich damit zur Nummer Eins des Schweizer Markts. Velopass verleiht als momentan grösste Bikesharing-Anbieterin über 900 Velos an mehr als 80 Stationen in der Westschweiz und im Tessin.
Mittelfristig sollen PubliBike und Velopass unter einer Marke zusammengeführt werden, wie die PostAuto-Sprecherin sagte. Ein genauer Zeitpunkt dafür sei aber noch nicht bestimmt.
Klar ist hingegen das Ziel: «Wir sind überzeugt, dass Bikesharing ähnlich wie Carsharing nur mit einem nationalen Ansatz erfolgreich ist», erklärte die PostAuto-Sprecherin. PubliBike strebe eine gesamtschweizerische Lösung mit städtischen Netzen an.
Das könnte das Bild auf den Schweizer Strassen ändern: In Paris ist die Zahl der Velofahrer nach Angaben des Veloselbstverleihs Vélib seit der Lancierung des Angebots vor fünf Jahren um rund 40 Prozent gestiegen. (Maja Briner/sda)
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