Die negativen Auswirkungen könnten mit den vorgesehenen Ersatzmassnahmen hinreichend kompensiert werden, teilte der Regierungsrat am Donnerstag mit. Geplant sind insbesondere neue Schutzgebiete für Tiere und Pflanzen, Ersatzaufforstungen und die Renaturierung von Gewässern.
Auch der Eingriff in die Landschaft von nationaler Bedeutung «Berner Hochalpen und Aletsch-Bietschhorn-Gebiet» ist gemäss dem mehrheitlich rot-grünen Regierungsrat zulässig. Das Interesse an der Vergrösserung des Grimselsees sei von mindestens gleichwertiger nationaler Bedeutung wie das Interesse an der ungeschmälerten Erhaltung der geschützten Landschaft.
Erhöhung um 23 Meter
Die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) will die bestehenden Grimsel-Staumauern um 23 Meter erhöhen und so das Speichervolumen des Sees um 75 Prozent vergrössern. Damit kann im Sommer mehr Wasser zurückbehalten werden, das im Winter zur Stromproduktion genutzt wird.
Mit den zusätzlich erzeugten 240 Gigawattstunden kann der Winterbedarf von rund 90'000 Haushalten gedeckt werden, wie der Regierungsrat festhält. Das grössere Seevolumen ermögliche es zudem, die unregelmässig anfallende Stromproduktion aus den neuen erneuerbaren Energiequellen wie Sonne und Wind auszugleichen.
Mit dem zusätzlichen Volumen werde der Grimselsee der viertgrösste Energiespeicher der Schweiz. Schliesslich könne der Wasserstand der Aare und des Brienzersees besser reguliert und damit die Hochwassergefahr reduziert werden.
Ball beim Kantonsparlament
Die KWO plant schon lange die Erhöhung der Staumauern des Grimselsees. 2009 entschied das Bundesgericht aber, dass für dieses Bauvorhaben ein Baubewilligungsverfahren allein nicht ausreicht. Die KWO mussten deshalb ein Konzessionsgesuch beim Kanton einreichen.
Der Regierungsrat beantragt nun dem Kantonsparlament die entsprechende Anpassung der Konzession der KWO. Der Grosse Rat dürfte das Konzessionsgesuch für die Vergrösserung des Grimselsees in der Septembersession behandeln.
Widerstand der Umweltschützer
Gegen die Staumauer-Erhöhung stellten sich bisher vor allem Umweltverbände. Sie lehnen es ab, dass eine Moorlandschaft von nationaler Bedeutung geflutet werde. Wird die Konzession erteilt, können die Verbände dagegen Beschwerde erheben. Dann müssten die Gerichte darüber entscheiden, ob die KWO die Grimselstaumauern erhöhen darf.
Die beiden anderen Teile des Ausbauvorhabens KWOplus sind hingegen kaum bestritten. Dabei handelt es sich um den Bau eines neuen Pumpspeicherwerks und die Aufwertung zweier bestehender Kraftwerke. Diese Projekte haben das Kantonsparlament beziehungsweise das zuständige kantonale Amt für Wasser und Abfall bereits genehmigt. (npa/sda)
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