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09.02.2012
Deutsche kehren dem Tessin zunehmend den Rücken
In 20 Jahren ist die Zahl der Logiernächte deutscher Gäste in der Südschweiz um fast 57% zurückgegangen.
Gerhard Lob

Einst war das Tessin für Deutsche die sommerliche Sehnsuchtsdestination schlechthin. Tempi passati! In zwei Jahrzehnten ging die Zahl der Logiernächte deutscher Gäste dramatisch zurück: Von 610331 im Jahr 1992 auf 263770 im Jahr 2011. Ein Minus von 56,8% wie das Observatorium für den Tourismus an der Uni Lugano festhält. Es handelt sich um die erste umfassende wissenschaftliche Studie zu den quantitativen Entwicklungen im Tessiner Sommertourismus seit Gründung des Observatoriums vor einem Jahr.

Lago Maggiore bei Deutschschweizern beliebter

Die Studie zeigt, dass vor allem das Luganese und die dortige Hotellerie unter dem touristischen Aderlass gelitten hat. Denn neben den Deutschen blieben vermehrt auch die Deutschschweizer fern, so dass ein globales Minus von 40% bei den Hotelübernachtungen in den letzten 20 Jahren resultiert. Die Zahl der Hotels schrumpfte allein seit 2005 von 152 auf 124.

Besser kommt die Region Lago Maggiore mitsamt angrenzenden Tälern weg. Die Gäste aus der Deutschschweiz blieben dieser Region einigermassen treu und konnten den Einbruch im deutschen Markt etwas abdämpfen. Gleichwohl resultiert ein Minus von 17% an Logiernächten in 20 Jahren. Das Luganese und Locarnese generieren zusammen im Übrigen fast 90% der Logiernächte in den vier Tessiner Destinationen. Die Bedeutung von Bellinzona und Mendrisio ist folglich marginal.

Trotz des starken Rückgangs bleibt Deutschland für die Tessiner Hotels der wichtigste Quellmarkt unter den Ausländern. Im Sommer 2011 stellten die Deutschen 15,3% aller Gäste, gefolgt von Italienern mit 5,6%. Der Löwenanteil stammt aus der Schweiz (58,8%). Gegenüber der Troika aus Deutschschweiz, Deutschland und Italien nehmen sich alle andere Quellmärkte bescheiden aus, auch wenn bei den BRIC-Ländern auf tiefem Niveau grosse Zuwachsraten zu verzeichnen sind. Die Zahl der Gäste aus China hat sich seit 2000 versechsfacht.

Italiener reagieren weniger sensibel auf Währungsrelation

Die Studie zeigt auch, dass die Deutschen sehr sensibel auf die Währungsentwicklung Euro/Franken reagieren und die Preiserhöhungen in der Hotellerie schlecht verdauen. Für die italienischen Gäste sind diese Aspekte weniger wichtig. Erstaunlich ist, dass Italiener im Tourismus des Locarnese praktisch keine Rolle spielen und sich ihre Präsenz fast nur auf das Luganese konzentriert. «Dies sollte uns zu denken geben», kommentiert Charles Barras, Vizedirektor von Ticino Turismo den Befund. Wichtig findet er auch eine weitere Erkenntnis des Berichts: Die Parahotellerie - Ferienwohnungen, Campingplätze, Berghütten - generiert zirka 45% aller touristischen Übernachtungen, die Hotellerie ihrerseits 55%. «Dies zeigt, dass das Phänomen Tourismus weit über die monatliche Statistik der Logiernächte in Hotels hinaus reicht», so Barras.

www.otur.usi.ch

  
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