aktuell
08.07.2010
Ein Tool für Events
Das «St.Moritz Match Race» mit den besten Skippern der Welt gehört zu den Fixpunkten der Oberengadiner Sommerevents.
Das «St.Moritz Match Race» mit den besten Skippern der Welt gehört zu den Fixpunkten der Oberengadiner Sommerevents. (© Loris von Siebenthal)
Engadin St.Moritz hat mit der Hochschule Luzern ein Event-Management-System entwickelt. Das Ziel: Die Gelder sollen nur an Events fliessen, die zur Positionierung passen.
Theres Lagler

Im Engadin finden übers ganze Jahr verteilt hunderte von Events statt. Doch welche soll die Tourismusorganisation unterstützen? Und mit wie viel Geld? Diese Fragen ist die Destinations-Management-Organisation (DMO) Engadin St.Moritz professionell angegangen – mit Hilfe der Hochschule Luzern. Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft, und Heinz Rütter, Inhaber des Forschungsunternehmens Rütter und Partner, haben ein elektronisches Event-Management-System entwickelt, das kurz vor der Einführung steht. Bereits die Veranstaltungen im kommenden Winter werden mit dem neuen System bewertet. Die Engadiner sprechen in diesem Zusammenhang von der «Event Scorecard Engadin». Jürg Stettler betont aber, dass das neue Instrument nicht mit der bereits bestehenden Event Scorecard zu verwechseln sei, welche die volkswirtschaftliche Bedeutung von kulturellen und sportlichen Grossanlässen misst. «Das neue Tool deckt eine Vielzahl von Events ab und vermittelt der Destination eine Gesamtsicht. Es ermöglicht, die Daten der Veranstalter zu erheben, zu bewerten und anschliessend aufgrund der Event-Strategie die Mittelvergabe zu berechnen», führt Stettler aus. Das Tool zwingt die Destination zu einer Event-Strategie und zur Ableitung der entsprechenden Indikatoren. «Die Destination muss sich genau überlegen, welche Veranstaltungen zur strategischen Zielerreichung beitragen. Veranstaltungen unterstützt man ja nicht nur aus Spass», so Stettler.

Ariane Ehrat, CEO der DMO Engadin St. Moritz, verspricht sich viel vom neuen Event-Management-System. «Wir setzen jährlich eine Million Franken für Events ein. Deshalb ist mir die Nachvollziehbarkeit der Mittelvergabe sehr wichtig.» Die Veranstalter hat Ariane Ehrat von Anfang an miteinbezogen. «Die verschiedenen Sparten aus Sport und Kultur konnten Delegierte in die Workshops schicken. Wir erarbeiteten die Kriterien gemeinsam», so Ehrat. Ende Juli sollten die ersten Resultate vorliegen. Bis dann sollte das Event-Management-System die Verteilung der Gelder für die Winter-Events 2010/2011 berechnet haben. Ariane Ehrat geht nicht davon aus, dass die bisherige Förderung völlig auf den Kopf gestellt wird. Aber: «Es wird sicher Verschiebungen geben. Dort wo wir weniger Geld sprechen, werden wir Übergangslösungen suchen und finden.» Für neue Events, die das System noch nicht mit Daten füttern können, reserviert Ehrat jährlich 50000 bis 60000 Franken. Denn auch neue Anlässe können für die Region strategische Bedeutung erlangen.

Was im Engadin nun anläuft, könnte auch andernorts Realität werden. Teil des Projektes, welches von der Kommission für Technik und Innovation KTI finanziell unterstützt wird, ist eine breitere Umsetzung des Event-Management-Systems. Jürg Stettler und Heinz Rütter möchten das Instrument so weit standardisieren, dass es für andere Destinationen und Gemeinden interessant wird. «Etwas Vergleichbares gibt es derzeit nicht. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Tool auch in Deutschland oder Österreich auf Interesse stösst», betont Heinz Rütter. Die Installationskosten lassen sich zurzeit noch nicht genau beziffern, der Betrieb erfolgt aber zumindest im Engadin kostengünstig: «Wenn das Ganze einmal eingespielt ist, reichen 20 Stellenprozente aus, um das System zu betreuen. Davon bin ich überzeugt», führt Stettler aus.

  
Werbung
ihr kommentar zum artikel
Was denken Sie zu diesem Thema? Schreiben Sie einen kurzen Kommentar, Ihre Meinung interessiert uns!


Betreff
Text
Hinweis: Es sind max. 400 Zeichen erlaubt.
   
Name
Email
   
Code
   * Bitte obenstehenden Code eingeben
   
   Ich bin mit den Spielregeln einverstanden


Weitere Bilder zum Artikel
Jürg Stettler, Projektleiter der Event Scorecard Engadin. <nobr>   (© zvg)</nobr>
Weitere Artikel aus diesem Ressort