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11.03.2010
Hochstapler linkt Wirte
Wenn Hochstapler ihre Finger im Spiel haben, kann das einen Inhaber, der seinen Betrieb veräussern will, teuer zu stehen kommen.
Wenn Hochstapler ihre Finger im Spiel haben, kann das einen Inhaber, der seinen Betrieb veräussern will, teuer zu stehen kommen. (© Steve Cukrov Photography)
Obwohl hoch verschuldet, führt Andreas Jordi verkaufswillige Betriebe hinters Licht. Im Sommer droht ihm nun ein Strafverfahren.
Gudrun Schlenczek

Wer seinen Betrieb verkaufen will, sollte sich vor Andreas Jordi in Acht nehmen: Der Schweizer mit Heimatort Dürrenroth und aktuell wohnhaft in Buch bei Kümmertshausen im Thurgau hat schon einige gastgewerbliche Betriebe hinters Licht geführt. Schwerpunktmässig agierte er in Graubünden, aber auch im Berner Oberland streckte er seine Fühler aus. Die hotel revue stiess bei ihren Recherchen auf drei Betriebe, die zum Verkauf stehen und die von Andreas Jordi im letzten Jahr an der Nase herumgeführt wurden: Das Berghaus Golderli im Berner Oberland, das Restaurant Bellaluna in Filisur und die Berghütte Chesetta in Conters bei Klosters. Letztere steht inzwischen vor der Versteigerung.

Manche verlieren nur viel Zeit, andere auch noch eine Stange Geld
Seine Masche ist dabei immer die gleiche: Er gibt sich als sehr solventer Käufer aus, plant bereits alles bis ins Detail, begutachtet tagelang das Inventar, führt Mitarbeitergespräche und Lohnverhandlungen, involviert Architekten für aufwendige Umbauarbeiten, führt Gespräche mit der Bank – und erscheint schlussendlich nicht zum Verschreibungstermin. Kein Wunder, denn das Geld scheint Andreas Jordi zu fehlen: 10 Mio. Franken Schulden soll er haben. Allein am Betreibungsamt in Klosters sollen es Forderungen von gut 8 Mio. Franken sein.

Wer ihm begegnet, vermutet nicht, was hinter seiner Fassade steckt: Andreas Jordi trete äusserst sympathisch auf, wissen alle Betroffenen zu berichten. «Es war jedes Mal sehr angenehm, mit ihm zusammenzusitzen», so Immobilientreuhänder Marc Wyss aus Thun. «Ich merke normalerweise, wenn jemand hochstapelt.» Denn Jordi fuhr zu den Verkaufsgesprächen jeweils mit einem einfachen VW-Golf vor, er präsentierte sich als normaler Bürger ohne Allüren. Über Wyss wollte er zwei Eigentumswohnungen in Thun erstehen. Der Umzugstermin stand schon fest, und Wyss liess auf seine Kosten die Wohnungen bereits reinigen. Den Verschreibungstermin habe Jordi ein paar Mal verschoben und tauchte schliesslich beim Notar gar nicht auf.

Was Andreas Jordi hinterlässt, sind im besten Fall kleinere Kostenblöcke, wie die Notarkosten, und viel verlorene Zeit. Im schlechteren Fall geht es um deutlich mehr Geld. Das widerfuhr der Fleischtrocknerei Brügger in Parpan mit ihrem Feinkostladen «Bündner-Land» an der Promenade in Davos. Auch hier trat Jordi als interessierter Käufer auf, mietete den Laden aber dann übergangsweise. «Zum Verkauf ist es nie gekommen», blickt Marlene Brügger enttäuscht zurück. Die Verhandlungen begannen im Juni letzten Jahres, das ganze Prozedere zog sich bis Dezember hin. Dann kam es zum Eklat. Miete wurde nie gezahlt, alle Lebensmittel jedoch verkauft. Marlene Brügger: «Wir haben ziemlich viel Geld verloren.» Brüggers erstatteten Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Chur.

Andreas Jordi streckt nun seine Fühler nach Österreich aus
Der Laden in Davos passte sehr gut zu Jordis Strategie: Er gaukelt den verkaufswilligen Besitzern gastgewerblicher Immobilien nämlich vor, er plane den Aufbau einer Kette aus Food-Läden und Gastronomie-Betrieben. «Er präsentierte alles sehr glaubhaft», erzählt Beatrice Jost vom «Golderli».

Geschmack am Gastgewerbe hat Andreas Jordi scheinbar erst Anfang letzten Jahres gefunden. Inzwischen streckt er seine Fühler schon nach Österreich aus. Dort ist er beim internationalen Immobilienhändler Engel&Völkers in Seefeld auf jeden Fall kein Unbekannter. Vorher trieb Jordi in Branchen wie der Parfümerie und der Logistik sein Unwesen. Spätestens im Sommer soll es jedoch im Falle eines früheren Geschäfts zu einer Gerichtsverhandlung am zuständigen Bezirksgericht im Kanton Thurgau kommen. Das ist für Jordi nicht das erste Strafverfahren: Verwickelt war er schon 2006 in den Betrugsfall Andreas Hafen, der UBS-Gelder veruntreute.

  
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