aktuell
26.08.2010
Jahre im Koma?
Vom  Medizinaltourismus will auch die Schweiz profitieren. Vor zwei Jahren wurde dafür die Dachmarke «Swiss Health» gegründet.
Vom Medizinaltourismus will auch die Schweiz profitieren. Vor zwei Jahren wurde dafür die Dachmarke «Swiss Health» gegründet. (© Fotolia)
Medizinaltourismus lässt die Kassen klingeln. Vor zwei Jahren wurde deswegen die Dachmarke «Swiss Health» gegründet. Was ist seither, ausser Diskussionen, passiert?
Simone Leitner

Das Potenzial ist unbestritten gross, die Schweizer Kompetenz auf höchstem Niveau und das Instrument schon seit zwei Jahren auf dem Markt: Um sich vom internationalen Kuchen des Medizinaltourismus ein grosses Stück abzuschneiden, gründeten Schweiz Tourismus und die Osec vor rund zwei Jahren die Dachmarke «Swiss Health». Dies mit dem Ziel, die Gesundheitsdestination Schweiz global stärker zu positionieren und mehr selbstzahlende Patienten aus dem Ausland zu generieren. Als operativer Partner wurde die Firma Swixmed AG gewählt. Swixmed bringt seit langem reiche Patienten aus dem Ausland in die Schweiz.

Das war vor zwei Jahren. Heute ist Swixmed nicht mehr an Bord. Gregor Frei heisst der brandneue Geschäftsführer von Swiss Health, der «künftig in den Zielmärkten Russland und den Golfstaaten die Gesundheitsdestination Schweiz propagieren will». Was aber bewirkte Swiss Health bisher? Die Meinungen gehen diesbezüglich weit auseinander. Während die Verantwortlichen Markus Wyss von Osec und Martin Nydegger von Schweiz Tourismus vehement betonen, dass sie effiziente Marketingaktionen in den Zielmärkten lanciert hätten, bemängeln ihre Kritiker, dass es an jeglichen Aktivitäten gefehlt habe. Das glaubt Gregor Frei von Swiss Health nicht: «Es hat vielleicht politische Verzögerungen gegeben, aber keine Untätigkeit».

Sehr unterschiedlich wird auch die finanzielle Situation beurteilt: Jan Sobhani, Mitgründer von Swixmed und bis vor wenigen Tagen noch Partner von Swiss Health, sagte Anfang dieses Jahres in einem Fachinterview, Swiss Health habe «bis jetzt eine Million Schweizer Franken erhalten». Das hingegen bezweifelt Gregor Frei, er sei nicht sicher, dass dieses Geld wirklich geflossen sei. Heute scheint die finanzielle Situation klarer zu sein: «Durch die Tatsache, dass der Bund die Anstossfinanzierung übernimmt, wird das unternehmerische Risiko minimiert», schreibt Swiss Health in einem Dokument. Bei einer internen Ausschreibung von Swiss Health im September 2009 wird ein Gesamtbudget von 4 Millionen Franken bis Ende 2011 genannt. Dieses hänge aber von den Beratungen im Parlament ab. Ausserdem sei das Budget durch weitere Mitgliedschaften und Sponsoringbeiträge erweiterbar.

Eine Chance für die Schweiz: Mit der Lancierung der Dachmarke Swiss Health profitieren nicht nur Spitäler und Kliniken, sondern auch der Tourismus und die Luxushotellerie. Hier kommt Schweiz Tourismus mit seinem internationalen Netzwerk ins Spiel.

Um dieses lukrative Geschäft nun voranzubringen, würde es gute Partner brauchen, sprich renommierte Spitäler, vor allem Universitätsspitäler. An denen habe es noch bis vor Kurzem gefehlt, wissen Branchenkenner. «Stimmt nicht, wir zählen bereits 20 Spitäler als Mitglieder», kontert Martin Nydegger von Schweiz Tourismus am Dienstag. Er habe habe zwar erst eine mündliche, aber noch keine schriftliche Zusage von den Universitätsspitälern Zürich und Basel. Dies wäre für den Verein ein wichtiger Meilenstein. Denn reiche Patienten aus dem Ausland setzen auf international renommierte Professoren. Diese Mitglieder sind auch für das ambitionierte Budget willkommene Gäste: Ein Universitätsspital bezahlt 50000 Franken Jahresbeitrag, ein Kantonsspital 40000 Franken.

  
Werbung
ihr kommentar zum artikel
Was denken Sie zu diesem Thema? Schreiben Sie einen kurzen Kommentar, Ihre Meinung interessiert uns!


Betreff
Text
Hinweis: Es sind max. 400 Zeichen erlaubt.
   
Name
Email
   
Code
   * Bitte obenstehenden Code eingeben
   
   Ich bin mit den Spielregeln einverstanden


Weitere Artikel zum Thema
Weitere Artikel aus diesem Ressort