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18.11.2010
Keine Top-Saläre
Tourismusdirektoren haben weniger Lohn auf ihrem Konto als ihre Branchenkollegen in vergleichbaren Funktionen.
Tourismusdirektoren haben weniger Lohn auf ihrem Konto als ihre Branchenkollegen in vergleichbaren Funktionen. (© Fotolia)
Brisantes und Überraschendes bei der Lohnumfrage im Tourismus 2010: Männer verdienen nach wie vor wesentlich mehr als Frauen.
Christine Künzler

Am meisten zu reden gegeben hat die Lohnungleichheit bei Mann und Frau. Der Präsident des Verbands Schweizer Tourismusmanager (VSTM), Stefan Otz, stellte die Lohn-Studie Ende Woche an den VSTM-Managementtagen in Horn vor. Der mittlere Brutto-Jahreslohn (50% der Mitarbeitenden sind besser oder schlechter bezahlt) für «höchst anspruchsvolle und schwierigste Arbeit» im Tourismus beträgt bei Männern 128700 und bei Frauen 90000 Franken. Dies zeigt die Auswertung der Fragebögen von 444 Männern und 845 Frauen, welche in einem touristischen Betrieb tätig sind und sich anonym und freiwillig an der Lohnumfrage beteiligt haben.Der Branchenvergleich zeigt also: Tourismusdirektoren verdienen weniger als andere Touristiker in vergleichbarer Funktion. Der mittlere Brutto-Jahreslohn der befragten VSTM-Mitglieder mit Führungsaufgabe beträgt für Männer je nach Anzahl Jahre Berufserfahrung zwischen 80400 und 90000 Franken, für Frauen zwischen 74100 und 75400 Franken.

Frauen im Tourismus sollen sich besser verkaufen
«Das Auswahlverfahren der Stichprobe darf nicht als methodisch gesichert und statistisch repräsentativ bezeichnet werden», betont Manfred Ritschard von Ritschard & Partner, der die Studie realisiert hat. Weil mehr Frauen in weniger verantwortungsvollen Positionen – 28% der befragen Frauen haben keine Führungskompetenz – mitgemacht haben, kann sich das Bild verwässern, die Resultate dürfen also nicht eins zu eins genommen werden. Doch sie zeigen klar eine Tendenz auf. Die Lohnungleichheit zeichnete sich schon in der ersten Lohnumfrage 1998 deutlich ab. «Ich habe nicht mit so grossen Lohnunterschieden gerechnet», sagt Frauen-im-Tourismus-Präsidentin Géraldine Zuber. «Es gibt noch viel zu tun, und zwar von beiden Seiten her. Frauen müssen ihren Wert besser verkaufen.» Sie will sich mit dem VSTM an einen Tisch setzen und Lösungen für höhere Frauenlöhne erarbeiten. «Dass Frauen weniger verdienen als Männer, wusste man», bilanziert Otz. Der Interlakner Tourismusdirektor sorge in seinem Betrieb für Lohngleichheit, versichert er. «Ich denke, es liegt auch an den Frauen selber: Nicht alle sind bereit, eine Führungsposition zu übernehmen.» Das zeigt auch die Studie: Top-Positionen sind mehrheitlich männlich, jene in Verkauf, Beratung und Kundenbetreuung weiblich besetzt. 59% aller befragten Frauen, 37% aller Männer finden, sie seien zu schlecht bezahlt.

Für die meisten ist eine attraktive Arbeit wichtiger als der Lohn
Überraschenderweise wird Aus- und Weiterbildung wenig honoriert: Für 64% ist sie «eher wenig» oder «sehr wenig» lohnrelevant. 83% wünschen sich, dass ihre Berufsorganisation die Lohnpolitik aktiv beeinflusst. Glück für die touristischen Arbeitgeber: Für 81% der Befragten ist die attraktive Arbeit wichtiger als der Lohn. Lohnunabhängig betrachtet sind 86% mit ihrer gegenwärtigen Tätigkeit (eher) zufrieden. Aber: Für 79% kann der Lohn ausschlaggebend sein, die Stelle oder Branche zu wechseln! 45% sind mit der Lohnpolitik ihres Arbeitgebers unzufrieden. Vergleicht man die Resultate mit der Lohnerhebung 2008 vom Bundesamt für Statistik, zeigt sich, dass die Mitarbeitenden im Tourismusbüro generell höher bezahlt sind als jene im Reisebüro, Gastgewerbe und in Verkehrsbetrieben. 

Die Lohnstudie finden Sie im PDF oben rechts unter Downloads. 

  
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