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26.01.2012
Mehrkosten von 1,3 Mrd. Franken
15 Prozent billiger im Ausland: Obst- und Gemüseeinkauf.
15 Prozent billiger im Ausland: Obst- und Gemüseeinkauf. (© iStock)
Die Schweizer Hotellerie muss deutlich teurer einkaufen als ihre Konkurrenz im Euro-Raum. Allein im Nahrungsmittelbereich zahlt sie 1,3 Mia. Franken mehr, zeigt eine BAK-Studie.
Gudrun SChlenczek

Anfangs des neuen Jahrtausends machte der Schweizer Tourismus bei der preislichen Wettbewerbsfähigkeit erst mal deutlich Boden gut: 2007 war die Preisniveau-Differenz zwischen der Schweiz und den vier umliegenden EU-Ländern (EU-4: Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich) beim Gastgewerbe 13 Prozentpunkte kleiner als im 2000 und betrug nur noch 11 Prozent. Besonders seit 2009 hat sich die Preissituation aber wieder dramatisch verschlechtert. Das zeigen die Berechnungen des BAK Basel im Auftrag des Branchenverbands hotelleriesuisse, präsentiert am Dienstag an einer Medienkonferenz in Bern. 2010 lag das Preisniveau des Schweizer Gastgewerbes wieder 22 Prozent über dem der EU-4-Länder - der Unterschied war damit doppelt so gross als noch drei Jahre zuvor. Verstärkt durch die Währungssituation setzte sich der Negativtrend letztes Jahr weiter fort: Im September 2011 lagen die Preise des Gastgewerbes in den EU-4-Ländern sogar 32 Prozent unter jenen des Schweizer Gastgewerbes.

Nahrungsmittel als Kostentreiber im Gastgewerbe

Als Kostentreiber ortet das BAK Basel dabei in erster Linie den Nahrungsmittel- und Agrarsektor. Dieser macht bei den Vorleistungen 38 Prozent aus, gemessen am Gesamtaufwand des Gastgewerbes sind es noch 17,5 Prozent. Das Produzentenpreisniveau der Nahrungsmittelindustrie lag im Jahr 2010 in den vier Nachbarländern 27 Prozent tiefer als in der Schweiz. Hätte das Schweizer Gastgewerbe seine Nahrungsmittel in den EU-4-Ländern eingekauft, hätte die Branche insgesamt 1,3 Mia. Franken an Vorleistungskosten einsparen können. Christoph Juen, CEO von hotelleriesuisse, machte deshalb deutlich: Es brauche unbedingt einen liberalen Grundkurs in der Agrarpolitik, der langfristig zu einer Marktöffnung führen muss.

Noch günstiger wäre für das Schweizer Gastgewerbe ein Einkauf in Deutschland: Ganze 1,5 Mia. Franken weniger hätte im 2010 ein solcher das Portemonnaie der Hoteliers und Gastronomen belastet. Und das bei einem Euro-Kurs von noch 1,38 Franken. Nicht zuletzt diese Preisdifferenz wollen sich deutsche Grosshändler jetzt zu Nutze machen: Mit Edeka drängt der drittgrösste deutsche Gastro-Grosshändler jetzt in die Schweiz (siehe auch «Kurzmeldungen»). Christian Hunziker vom BAK Basel begrüsst «jeden Druck auf die Preise»: «Es ist wichtig, dass diese Anbieter aus dem Ausland zu uns kommen.»

Die grösste Preisdifferenz macht das BAK Basel beim Fleisch aus: Ganze 42 Prozentpunkte liegt das Preisniveau dieser Warengruppe in den EU-4-Ländern tiefer, bei Brot und Mehl sind es noch 23,5 Prozent, bei Milch, Käse und Eiern 21 Prozent, bei Obst, Gemüse, Kartoffeln 15 Prozent.

Menü für eine vierköpfige Familie wäre bis zu 7 Prozent billiger

Wie viel Preissenkungsspielraum ein freier Handel im Agrar- und Nahrungsmittelbereich dem Schweizer Gastgewerbe bescheren könnte, rechnete Hunziker an der Pressekonferenz von hotelleriesuisse vor: Der Preissenkungsspielraum läge zwischen 2,4 und 4,7 Prozent, je nachdem ob man das teuerste oder das günstigste Vergleichsland für das Szenario in Betracht zieht. Mit einer konkreten Menüberechnung macht das BAK in ihrer Studie den Preisvergleich noch anschaulicher: Bei Einkaufspreisen wie in den umliegenden Ländern könnte das Schweizer Gastgewerbe einer vierköpfigen Familie ein Dreigangmenü inklusive Getränke für einen bis 7 Prozent tieferen Preis verrechnen. Der grösste Unterschied besteht auch hier beim Fleisch: Das Entrecôte wäre ganze 12,7 Prozent preiswerter.

Deutlich moderater fallen die Preisunterschiede dagegen beispielsweise im Bau- und Immobiliensektor aus: Das BAK errechnete hier eine Differenz von 20 Prozent. Betrachtet man die gesamten Vorleistungen, musste das Schweizer Gastgewerbe diese 2010 um 22 Prozent teurer beziehen als die Mitbewerber in den umliegenden Ländern.

  
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