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12.08.2010
Mit Dampf voraus
Ab heute Donnerstag rollen die Reisezüge der Dampfbahn Furka-Bergstrecke erstmals seit mehr als einem Vierteljahrhundert wieder über die gesamte klassische Route.
Ab heute Donnerstag rollen die Reisezüge der Dampfbahn Furka-Bergstrecke erstmals seit mehr als einem Vierteljahrhundert wieder über die gesamte klassische Route. (© zvg)
Die historische Furka-Bergstrecke ist ab heute wieder durchgehend mit Dampfzügen befahrbar. Pauschalangebote sind erst ab nächstem Jahr wieder erhältlich.
Gerhard Lob

Es ist so weit: Mit der Wiedereröffnung des letzten Abschnitts zwischen Gletsch und Oberwald (VS) am heutigen Donnerstag rollen die Reisezüge der Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) erstmals seit mehr als einem Vierteljahrhundert wieder über die gesamte klassische Route des «Glacier-Express» vom Urserental ins Goms und umgekehrt. Rund 30 Minuten braucht der Zug zur Bewältigung der 4,3 Kilometer und 396 m Höhendifferenz zwischen Oberwald (1366 m ü.M.) und Gletsch (1762 m ü.M.). Wer die ganze Fahrt von Oberwald bis Realp über die Furka absolvieren will, braucht mehr Zeit. Diese Fahrt dauert zwei Stunden und 15 Minuten, inklusive Pippi-Pause auf der Scheitelhöhe. Denn die alten Personenwagen verfügen nicht über Toiletten.

Individualreisende werden wichtigstes Segment bleiben
Die neue Kurzstrecke eröffnet der DFB neue Perspektiven, wie Paul Güdel festhält, der das Marketing bei der Dampfbahn Furka-Bergstrecke betreut. Insbesondere könne man gezielt den Car-Tourismus bewerben. Reisegruppen können in Oberwald auf den Zug umsteigen und nach einer halben Stunde in Gletsch ihre Fahrt, beispielsweise über den Grimsel-Pass, mit dem Car fortsetzen. «Rundreisen werden an Bedeutung gewinnen», prophezeit Güdel. Zudem hofft man, dass die DFB als Attraktion auf den Raum Interlaken-Meiringen sowie die ganze Westschweiz ausstrahlt.

Ein wichtiges Segment werden die Individualreisenden bleiben. «Es sind Kunden, die einen Erlebnistag wünschen», sagt Güdel. Bei diesem Kundenkreis handelt es sich vor allem um Deutschschweizer und Süddeutsche, die auch auf Tourismusmessen vom Dampfbahn-Verein gezielt beworben werden.

Die Dampfbahn sieht sich indes nicht als isoliertes Angebot. «Wir wollen insgesamt zu einer Förderung des Tourismus in der Region beitragen und stehen daher auch in enger Verbindung zu Verkehrsvereinen, Bahnpartnern und der Region San Gottardo», sagt DFB-Geschäftsführer Peter Bernhard.

Das Resultat dieser Anstrengungen lässt sich etwa bei Andermatt Tourismus sehen. Dort wird das Package «Bahnerlebnis in wilder Natur» angeboten, das zwei Hotelübernachtungen in einem Partnerhotel, eine Fahrt mit der Dampfbahn Furka-Bergstrecke (Realp–Oberwald), eine Retourfahrt mit der Luftseilbahn Fiesch-Eggishorn sowie ein Mittagessen im Restaurant Glacier du Rhône beinhaltet.

Kapazität ist bei wenigen Betriebstagen begrenzt
Die Nachfrage nach diesen Packages ist gewaltig. Für 2010 – nur bis September – ist alles ausgebucht. «Wir müssen die Leute auf nächstes Jahr vertrösten», bedauert Doris Leach von Andermatt-Gotthard Tourismus. Diese Situation spiegelt die Grenzen der DFB als touristisches Produkt. Bei nur 70 Betriebstagen im Jahr während des Sommers mit maximal drei Fahrten pro Tag und beschränkten Ressourcen beim Rollmaterial bleibt das Angebot limitiert. Infolge von Wetterkapriolen können einzelne Kurse zudem ausfallen.

Dabei gäbe es theoretisch Ausbaumöglichkeiten, wie etwa mit einem «Nostalgie-Glacier-Express», der dann wirklich die ganze historische Linie befährt. Reisende von Zermatt nach St.Moritz müssten für den Abschnitt der Furkastrecke auf die historische Dampfbahn umsteigen, um dann in Realp weiterzufahren.

 

 

 

  
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