Die vierseitige Charta will Schweizer Bauern und Verarbeiter von Lebensmittel dazu anhalten, umwelt- und tiergerecht zu produzieren. In einer «gelebten Partnerschaft» aller Akteure sollen die Schweizer Lebensmittel auch weiterhin höchsten qualitativen Ansprüchen genügen.
Bundesrat Schneider-Ammann sagte an der Feier, durch Partnerschaften werde Mehrwert für alle geschaffen. Auch sei es wichtig, dass die Branche ihre Wettbewerbsfähigkeit stärke und sich für die fortschreitende Liberalisierung rüste.
Gemäss Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), welches das Projekt begleitete und als Moderator tätig war, haben bisher 119 Vereinigungen und Unternehmen die Charta unterschrieben. «Das ist ein gutes Zeichen», sagte BLW-Sprecher Jürg Jordi mit Blick auf die Misstöne der vergangenen Wochen.
Schon früh zog sich das Konsumentenforum zurück. Die bürgerlich orientierte Organisation störte sich daran, dass die Charta einen Verzicht auf gentechnisch veränderte Organismen vorschreibt. Eine schlechtere Qualität von Gentech-Produkten sei nicht erwiesen, argumentierte das Konsumentenforum.
Keine Marktöffnung, keine Charta
Auch die Lebensmittelmultis Nestlé und Unilever sowie die Föderation der Schweizerischen Lebensmittel-Industrien (fial) haben das Dokument nicht unterzeichnet. Die Migros wiederum ist nur halbherzig dabei. Sie hat die Charta zwar unterschrieben, nahm aber nicht an der Feier in Bern teil.
Nestlé Schweiz teilte auf Anfrage mit, dass das Unternehmen die Ziele der Charta zwar unterstütze. Doch ein wichtiger Grund, wieso überhaupt eine solche Charta ausgearbeitet wurde, sei in der Zwischenzeit weggefallen: Das Parlament hat die Verhandlungen mit der EU über ein Agrarfreihandelsabkommen sistiert.
Wenn es kein liberalisiertes oder teilliberalisiertes Marktumfeld gebe, sei auch eine gemeinsame Offensive zugunsten des Exportes nicht nötig, teilte Nestlé Schweiz mit. Bei der Migros hiess es auf Anfrage, das Unternehmen beurteile die PR-Aktion in Bern als unglücklich. Die Charta sei eigentlich als Begleitmassnahme zur umfassenden Marktöffnung gedacht gewesen.
BLW-Sprecher Jordi sagte dazu, nun hätte die gemeinsame Präsenz auf ausländischen Märkten tatsächlich nicht mehr erste Priorität. Vielmehr wolle sich die Branche auf das Inland konzentrieren. Denn es würden immer mehr ausländische Produkte auf den Schweizer Markt kommen.
Kein goldenes Edelweiss
Vom Tisch ist vorerst auch die Idee, dass auf Schweizer Produkten im Ausland mit einem goldenen Edelweiss – dem Logo der Organisation Schweiz Tourismus – geworben wird. Gemäss BLW gibt es rechtliche Probleme. Auch hätten nicht alle Unternehmen Interesse daran gehabt, ein zusätzliches Logo auf ihren Produkten anzubringen. (npa/sda)
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