Doris Leuthard, was ist für Sie der wichtigste Punkt der neuen Tourismusstrategie des Bundes?
Die Koordination, denn wir haben sehr viele Akteure in diesem Bereich. Jeder für sich macht oft schon ein gutes Angebot. Wenn aber die ganze Kette vom Verkehr bis zur Hotellerie nicht stimmt, dann hat der Gast gleichwohl nicht das optimale Erlebnis. In der Branche ist ein grosser Wille zur engen Zusammenarbeit feststellbar.
Der Bundesrat hat sich dafür ausgesprochen, das Programm Innotour unbefristet weiterzuführen. Was hat Sie dazu bewogen?
Innotour wurde ursprünglich als befristete Hilfe geschaffen, in einer Phase, als es im Schweizer Tourismus an neuen Ideen und Konzepten fehlte. Die Innotour-Projekte haben sich unterdessen sehr bewährt. Das Seco stellte in einer Analyse fest, dass der Return on Investment sehr gut ist – von dem, was hineingesteckt wird, schaut ein Mehrfaches heraus. Innotour erzeugt Dynamik. Auch der Milestone-Preis, der jährlich verliehen wird, hat eine gute Resonanz. Aus diesem Grund möchten wir Innotour in ein ordentliches, unbefristetes Gesetz überführen.
Der Innotour-Kredit war in den letzten Jahren im Parlament immer eine Zitterpartie. Welche Chancen rechnen Sie sich jetzt aus?
Alle, die sich für Tourismus interessieren und mit Leuten an der Front sprechen, erhalten positive Rückmeldungen zu den Innotour-Projekten. Deshalb hoffe ich, dass dies das Parlament überzeugen wird. Zumal wir ja das Budget nicht aufstocken. Die fünf Millionen Franken, die wir jährlich weiter in Innotour investieren, muss Schweiz Tourismus finanzieren. Das war der Preis, den der Bundesrat verlangt hat.
Schwächt man durch diese Kompensation nicht gleichzeitig den Marktauftritt nach aussen – die Werbung, die dafür sorgt, dass die Gäste überhaupt in die Schweiz finden?
Ich glaube nicht. Erstens wurde das Budget von Schweiz Tourismus in den letzten Jahren immer aufgestockt. Das Parlament ging meistens noch weiter, als der Bundesrat beantragte. Zweitens erhielt Schweiz Tourismus im Rahmen der Stabilisierungsmassnahmen im letzten Jahr zusätzliche zwölf Millionen Franken. Das war auch gut so. Wir sind daher überzeugt, dass Schweiz Tourismus die fünf Millionen für Innotour verkraften kann. Die Massnahme ist verträglich, wenn man bedenkt, dass das Budget jedes Jahr fast 50 Millionen Franken beträgt.
Die Schweiz als Tourismusland war in den Anfängen weltweit unter den Top Five, mittlerweile ist sie auf Rang 27 abgerutscht. Wo sehen Sie die Schweiz in fünf Jahren?
Für mich zählt nicht nur der Rang per se, sondern vor allem die Anzahl Gäste, die in die Schweiz kommen, sowie ihre Zufriedenheit. Unsere Angebote, unsere Leistungen müssen stimmen. Das sichert Arbeitsplätze und schafft Wertschöpfung. Mit Einnahmen von gut 15 Milliarden Franken ist der Tourismus für die Schweiz ein sehr wichtiger Sektor der Volkswirtschaft. Wenn wir das steigern können, ist schon viel erreicht. tl
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