Ein Bademantel aus Bambus – das klingt erst einmal gewöhnungsbedürftig. Man denkt an faserige Splitter oder an klappernde Rindenstücke. Umso überraschender ist das Wohlgefühl, wenn man in einen Bambusbademantel hineinschlüpft: Er ist anschmiegsam und samtig im Griff. Nach einem Bad kann man sich wunderbar darin einhüllen, denn Bambus ist ausgesprochen saugfähig: das Material saugt viermal mehr Feuchtigkeit auf als Baumwolle.
Überdies eignet sich die Wäsche für Allergiker, denn die Faser verfügt über einen natürlichen antibakteriellen Wirkstoff. Das Material besteht aus Viskosefasern, die aus dem Rohstoff Bambus, aus der Bambusfaser, gewonnen werden. Viskose-Bambus ist eine Hohlfaser und daher, ähnlich wie Seide, atmungsaktiv, temperaturausgleichend und saugfähig.
In der Hotel- und Gastrobranche trifft der Gast erst selten auf Bambuswäsche. Im Hotel Waldhaus Flims Mountain Resort und Spa finden die Gäste keine Bambustextilien im Zimmer, wie die Medienstelle auf Anfrage mitteilt. Im Hotel Bürgenstock will man das neue Material prüfen. «Auf jeden Fall ziehen wir Bambustextilien bei einer Neuanschaffung in Erwägung. Wir müssten uns jedoch noch genau über diese neuen Fasern erkundigen», sagt Maja Engeler, Geschäftsleiterin des Bürgenstock Hotels & Resort.
Weiterhin auf Baumwolltextilien setzen die Verantwortlichen im Radisson SAS Hotel Basel. «Wir haben keine Textilien mit Bambusfasern, da wir nach wie vor der Überzeugung sind, dass Baumwolle ein hervorragendes Produkt ist», sagt Executive Housekeeper Nicole Mürner. In Bezug auf die Umwelt mache es keinen Sinn, Produkte von der anderen Seite der Welt einfliegen zu lassen.
Bambustextilien mit zahlreichen ökologischen Pluspunkten
Wider Erwarten sprechen aus ökologischer Sicht jedoch viele Gründe für Bambus. Weil die Pflanze nicht mit Pestiziden behandelt werden muss, gilt sie unter den natürlichen Textilfasern als sehr umweltfreundlich. Einzig der Transport nach Europa wirkt sich in der Ökobilanz negativ aus.
Dafür begünstigt Bambus das natürliche Ökosystem, weil die Pflanze mehr Sauerstoff erzeugt als andere Bäume. «Es ist schwierig, mit solchen Argumenten Bio-Produkte an Hotel- und Gastrobetriebe zu verkaufen. Das Angebot wird kaum wahrgenommen», erklärt Vitus Baumann, Inhaber der Spinnerei & Weberei Rüderswil AG in Zollbrück. Der Betrieb bietet seit zwei Jahren Seifentücher, Handtücher, Dusch- und Badetücher in einer Qualität aus 50 Prozent Baumwoll- und 50 Prozent Bambusfasern an. Die Bambuspflanze, die dafür verwendet wird, wird in China nach ökologischen Gesichtspunkten angebaut und nach zertifizierten Ökotex-Richtlinien verarbeitet.
«Frotteewäsche aus Bambusfasern sind nicht nur flauschig weich, sondern auch viermal saugfähiger als herkömmliche Wäsche», so Vitus Baumann. Darüber hinaus sei sie robust, formbeständig, knitterarm und verfüge über einen edlen Glanz.
Höhere Kosten als Erklärung für das Zögern bei den Hoteliers
Als Grund, weshalb die Hotels zurückhaltend auf den Trend reagieren, sieht Vitus Baumann zum einen die etwas höheren Kosten des ökologisch produzierten Produkts. Zum anderen das höhere Gewicht des Materials, was in der Handhabung und beim Waschen mehr Aufwand bedeutet. Zurzeit verkauft die Spinnerei & Weberei Rüderswil die Bambusprodukte zum grössten Teil an Privatleute und kleinere Wellnessbetriebe. Diese schätzen besonders die Hautfreundlichkeit des Materials.
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