Es dauert möglicherweise etwas länger, bis der Frühstückskaffee serviert wird. Doch den meisten Gästen macht das nichts aus. Das zeigt die Auslastung der 41 Hotelzimmer, die im Bereich von 80 Prozent liegt. Die Mitarbeitenden sind freundlich, das Frühstück schmeckt und die Hotelzimmer sind überdurchschnittlich modern und komfortabel. Seine besondere Atmosphäre verdankt das Hotel den Menschen, die hier arbeiten. Direktor Hansjakob Würsch informiert die Gäste bewusst nicht darüber, dass hier Menschen mit einer Beeinträchtigung für ihr Wohl sorgen. «Denn für mich sind das zu 100 Prozent vollwertige Mitarbeitende», sagt er.
Die 60 Menschen, die im Hotel Dom arbeiten, leiden an einer psychischen, einer leichten motorischen Beeinträchtigung oder an einer Lernschwierigkeit. Alle haben unterschiedliche Arbeitspensen. Es sind Mitarbeitende, die länger brauchen, um ein Zimmer zu reinigen, solche, die nur wenige Stunden am Stück arbeiten können und solche, die halt manchmal nicht zur Arbeit erscheinen, weil es ihnen nicht gut geht. «Die Verlässlichkeit ist nicht gegeben, deshalb brauchen diese Menschen Betreuung», erklärt der Hoteldirektor. «18 Teamleute arbeiten hier, die meisten teilzeitlich. Einige sind aus dem Hotelfach, die anderen sind agogisch ausgebildet.»
Getragen wird das Hotel von der gemeinnützigen Organisation Förderraum, die Menschen mit einer Behinderung nebst verschiedenen Arbeitsplätzen - unter anderem in zwei weiteren gastgewerblichen Betrieben - auch Wohnmöglichkeiten bietet. Junge Menschen können im «Dom» eine Attestlehre absolvieren. «Sie werden nach der Lehre in Betriebe in der freien Wirtschaft weitervermittelt.» Das gilt auch für die anderen Mitarbeitenden: «Wir versuchen Leute anzulernen und dann weiterzuvermitteln. Doch manchmal ist das Utopie, deshalb bieten wir auch Dauerarbeitsplätze für Menschen, die sonst nichts finden.»
Das Hotel Dom muss wirtschaftlich arbeiten», stellt Würsch klar. Die Mitarbeitenden mit einer Behinderung beziehen alle IV, das Hotel bezahlt nur einen Teil ihres Lohnes. Die Gäste kommen aus verschiedenen Schichten, viele aus Deutschland und viele haben mit der HSG, dem Bundesverwaltungsgericht oder Textilfirmen zu tun, so Würsch. Nebst den Zimmern seien auch die Seminarräume gut gebucht.
Das Hotelrestaurant ist mittags geöffnet. Gäste können sich an einem Buffet mit einem vegetarischen, Fisch- oder Fleischmenü bedienen. Abends ist das Restaurant geschlossen, man kann jedoch den Raum für einen ganzen Abend mieten. Ein weiteres Standbein ist der Cateringservice.


St. Gallen feiert den Mönch Gallus, der 612 in die Stadt kam. Das Gallusjahr ist gespickt mit originellen Angeboten. Iwan Köppel leitet die Arbeitsgemeinschaft Gallusjahr.



