Charakter und Eleganz» ist nicht einfach so das Motto der Weinkommission der Region. Die beiden Worte beschreiben den heute typischen Dão-Wein, der rubinrot, rund und alkoholstark, zart in der Nase und weich im Gaumen ist. Heute gehört das Dão zu den hochkarätigsten Weinbaugebieten der iberischen Halbinsel.
Die Betonung liegt auf «heute», die Dão-Weinproduktion hat eine ereignisreiche, zeitweise unglückliche Entwicklung hinter sich. Dabei hatte alles prima angefangen: Nacheinander pflanzten Phönizier, Griechen und Römer Reben an und legten den Grundstein der über 300 einheimischen Rebsorten. «Im Dão sind wir besonders stolz auf Touriga Nacional, die edelste rote Sorte Portugals, die hier ihren Ursprung hat», erklärt Rita Barros von der Weinkommission bei einem Besuch vor Ort.
Dazu kommen Tinta Roriz, Alfrocheiro, Jaen und die weisse Encruzado. Sie haben die jahrhundertelangen Höhen und Tiefen, die Königsmorde, Diktaturen und den Mehltau überstanden. 1908 wurden im Dão die geografischen Grenzen für die Denominação de Origem Controlada (DOC) abgesteckt. Damals wurden die Trauben noch in den «Lagares» genannten Steintrögen mit den Füssen zertreten und schonend vergoren. Aber nach der Machtergreifung von Diktator Salazar wurden Genossenschaften eingeführt, die praktisch das gesamte Traubengut der rund 100000 Weinbauern verarbeiteten. Organisation löste Tradition ab, Charakterweine waren nicht mehr gefragt. Die Trauben wurden nach Gewicht und Zuckergehalt bezahlt; edle, ertragsarme Sorten hatten keine Chance mehr. Die Dão-Weine, die viel zum guten Ruf der portugiesischen Weine beigetragen hatten, waren zu billigen Massenweinen, mit einem qualitativen Tiefpunkt in den 1960er-Jahren verkommen.
Traubentreten in den Lagares
Nach einer Periode des «Wüstendurchquerens» wie es in einer Schrift des Dão-Weinrates heisst, kam der Wiederaufbau, besonders nach dem EU-Beitritt von 1986. Jetzt durften auch Private wieder Trauben kaufen, Investoren Kellereien bauen und Winzer hochwertige, ertragsarme Sorten anbauen.
Moderne Technik im Keller geht heute einher mit traditionellen Methoden: «Ja, wir treten die Trauben wieder in den Lagares», sagt Henrique Canto Moniz von der Quinta da Leira bei Viseu. Er führt das Gut mit Vater Antonio, der in Porto als Chirurg und Spitaldirektor arbeitet und jede freie Minute auf dem Weinberg hilft. Die Familie baut seit 200 Jahren Trauben an, für sich und Freunde. Seit 2000 wird professionell gearbeitet, auf etwa 12 Hektaren. Der degustierte Vinha Paz 2010, eine Cuvée aus den vier typischen Sorten des Dão, ist rund, fruchtig und charaktervoll. Und mit 5 Euro ab Keller preiswert.
Eine Erbschaft der Liebe zum Wein in fünfter Generation
Auch an Nuno Cancela de Abreu wurde die Liebe zum Wein vererbt, vier Generationen vor ihm produzierten Wein im Dão. Der Önologe startete 1991 mit den Marken Quinta da Fonte do Ouro und Quinta da Giesta. Inzwischen gehören vier weitere Rebberge in anderen Regionen dazu, sie sind unter dem Dach Boas Quintas organisiert. Vor dem Haus, das sein Grossvater bauen liess, erklärt der Weinexperte, wie er den frischen, fruchtigen Rosé aus Touriga Nacional herstellt: «Die Tage im Sommer können hier sehr heiss sein, die Nächte kalt. Manchmal haben wir ein Problem mit den Traubenkernen, die braun werden und den Wein bitter machen. Wir entfernen sie, sobald sie sich auf den Tankboden gesenkt haben.»
Auf der Quinta de Lemos hingegen gibt es keine alten Familienhäuser, hier ist alles brandneu. Celso de Lemos Esteves hat in Belgien in der Textilindustrie Geld verdient, das er in seinem Heimatland investiert, etwa in 50 Hektaren Land, das seit 1997 bebaut wird. 2005 kam der erste Wein auf den Markt, für den Hugo Chavez verantwortlich ist. Der Önologe schaut auf die Baustelle in der Nähe des Kellers, wo Zimmer für Geschäftskunden entstehen, die sich für Wein interessieren. «Bisher haben wir nur Rotweine produziert, vier reinsortige, zwei blends. Vielleicht machen wir künftig auch Weissweine», blickt Chavez in die Zukunft.









