Das unprätentiöse Instant-Beutelchen, das mit blassgrauem, staubigem Inhalt, das war gestern. Wer heute über ein richtig schönes, mit Bedacht ausgewähltes Tee-Sortiment verfügt, der kommt nicht darum herum, sein Trinkschokolade-Angebot ebenfalls zu überdenken. Und da tut sich ein wahrlich schönes wie genüssliches Feld auf: Das Angebot reicht von edlen Pralinés und schlichten Schokotafeln, die in heisser Flüssigkeit versenkt werden, bis zu Schoggi-Stängeln, welche man so lange in heisse Milch tunkt, bis sich die Köstlichkeit aufgelöst hat.
Bis vor hundert Jahren wurde Schokolade nur getrunken
Einer der Ersten, der mit solchen Ideen für Furore gesorgt hat, ist der Österreicher Josef Zotter mit seiner «Trink Schokolade», den 20 Gramm schweren Schokoladentafeln für den liquiden Genuss. Zotter, der seine Tafeln bis ins Hotel Kempinski in St.Moritz vertreibt, wartet jährlich mit eigenwilligen Gusti auf: So gibts Zotters Trinktafeln als «Honig-Zimt», «Cashew-Caramel» oder «Ingwer-Kokos», aber auch als schlichte «Bitter-Classic» und trendige «Chili».
Das ist die neue Welt der heissen Schoggi, und wer jetzt beklagt, dass nun auch die Trinkschokolade zum Lifestyle-Produkt mutiert, irrt. Der Trend vieler Gastrobetriebe hin zum gehaltvollen, ungesüssten und mit richtigen Kakaoanteilen versetzten Getränk, ist vielmehr eine Art Renaissance. «Schokolade wurde bis vor etwa hundert Jahren ausschliesslich getrunken», erzählt Karl Johannes Rechsteiner vom «Chocoladen» über den «Trank der Götter», wie die Azteken die «Xocolatl» bezeichneten. Rechsteiners Firma stellt Schoko-Rondellen namens «CioccoLatte» her, die vor allem in urbanen Cafés vertreten sind. Das Bedürfnis vieler Gäste nach dem Authentischen, Ursprünglichen höre nicht bei Fleisch und Gemüse auf, weiss er.
Die im Süden übliche Cioccolata findet auch bei uns Anklang
Auch die Schokolademanufaktur Nobile, deren Kreationen im «Eden Roc» in Ascona und im «Victoria Jungfrau» in Interlaken erhältlich sind, beobachtet eine neue Trinkschokoladegeneration. Bei Nobile jedoch setzt man auf die gekochte Variante: Ihre «Xocolatte» besteht aus feinsten Couvertureraspeln, die in Milch oder Wasser aufgekocht werden, bis eine richtige, dickflüssige «Cioccolata» entsteht. So, wie es in Italien und Spanien üblich ist.
Nebst der «Dominicana 74%» und der «Venezuela 65%» gibts auch würzige und fruchtige Versionen wie «Chili&Vanille» oder, passend zur Jahreszeit, «Sternanis». Die Chili-Version, so Martin Schwarz von Nobile, sei übrigens alles andere als ein neumodischer Trend: «Die Azteken haben ihre ‹Xocolatl› einst mit Wasser, Chili und Vanille angerichtet.»
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