Das Wort «Original» steht in der Werbebranche für die Marke – und impliziert damit die Einzigartigkeit eines Produktes. In der Schweiz beanspruchen zwei neue Cola-Artikel das Prädikat für sich. So ist Vivi Kola «das Schweizer Original seit 1938». Und das braune Getränk von Sinalco «das Schweizer Original mit echtem Cola-Geschmack».
Gerade mal 4000 Einwohner zählt das zürcherische Eglisau. Grösser ist der Ruf seiner Mineralquelle, die mit den Produkten Orangina und Vivi Kola Kultgetränke hervorbrachte. Letzteres wurde 1938 als erste Cola der Schweiz verkauft und 48 Jahre später eingestellt –unter anderem, weil die Konkurrenz von Coca-Cola und Pepsi zu gross war.
Im Ortsmuseum fündig geworden
2008 erwarb der Eglisauer Christian Forrer die Markenrechte mit dem Ziel, die braune Brause neuerlich zum Leben erwecken. Im Ortsmuseum sowie im Archiv von Thurella stöberte er ursprüngliche Rezepturen auf. Das Image dieses Süssgetränkes habe ihn schon als Kind fasziniert, so der 36-jährige Grafiker, der für die Neuauflage Etikette und Logo modernisiert hat. Der Retro-Charakter ist geblieben.
Wie einst liess Forrer die 33-cl-Flaschen in der Eglisauer Mineralquelle – sie gehört heute Thurella – abfüllen. Die Meldung von letzter Woche, das Thurella in Eglisau 80 Stellen streicht, trifft Forrer. Auf Anfang 2011 müsse er einen neuen Abfüllbetrieb suchen, wie er sagt.
Vor fünf Wochen kam das Vivi Kola auf den Markt; die erste Auflage von 23500 Stück ist bereits ausverkauft. Konkretere Zahlen nennt Forrer keine. Das gleichzeitig eröffnete «Vivi Café» im Ort soll die neue alte Marke zusätzlich stützen: Dort gehen die Fläschchen – laut Forrer auch harrassenweise – über den Tresen. Ebenso wird im Lokal länderspezifischer Kaffee geröstet. «Wir wurden fast gestürmt», so der Unternehmer. So sehr, dass Forrer und sein Team die Flaschen aus dem Café-Schaufenster räumen mussten, die dort als Dekoration dienten. Nun warten weitere 50000 Stück auf ihre Abnehmer. Als nächsten Schritt plant er, die Wirte vom «Kola» zu überzeugen. Zwei Getränkehändler beliefern bereits verschiedene Zürcher Gastro-Betriebe. «Wir wollen ein Nischenprodukt bleiben. Es wäre naiv zu glauben, wir könnten uns mit Grössen wie Coca-Cola messen.»
Verträge mit Pepsi gekündigt undstattdessen Sinalco Cola lanciert
Vivi Kola sei keine Konkurrenz, doch man behalte es «im Auge», sagt Petra Studer, Produkte-Managerin von Sinalco, das zur Ramseier-Gruppe gehört. Seit Anfang 2009 hat auch diese Marke einen braunen Softdrink, inklusive Zero-Alternative. Obwohl Sinalco ursprünglich ein Deutscher erfand und heute die Hövelmann-Gruppe in Deutschland vertreibt, wird das Getränk bei uns mit dem Zusatz «Schweizer Cola» beworben. Denn hier hält die Ramseier-Gruppe die Markenrechte inne. Zudem wurde die Rezeptur der helvetischen Cola eigens für die Schweiz entwickelt. Der Softdrink wird hauptsächlich in der Gastronomie abgesetzt. «Wir sind auf Budgetkurs», so Petra Studer, ohne detaillierte Zahlen zu nennen. Bis Ende 2008 unterhielt Ramseier Suisse Verträge mit Pepsi für die Gastronomie. «Wir hatten damit nur mässigen Erfolg», sagt Studer, gegen Coca-Cola sei man immer die Nummer zwei geblieben. «Wir strebten eine unbelastete Cola-Marke für die Schweiz an.» Das Sinalco Cola käme nahe an den Geschmack von Coca-Cola heran, so Studer, und präzisiert sogleich: Man wolle kein Imitat sein. Doch vor der Lancierung stellte sich die Frage, ob man sich geschmacklich komplett anders orientiere wie etwa das Red Bull Cola? Oder eben doch Coca-Cola-ähnlich. Durchgeschlagen hat sich die Geschmacksrichtung des Klassikers, was wiederum zeigt: Selbst «Originale» messen sich am Goliath aus Übersee.
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