Bevor man stirbt, sollte man auf der Welt unter anderem gesehen haben: Das Restaurant Bruderholz in Basel, den «königlichen Tummelplatz über den Wolken» Gstaad, das Schlosshotel Chastè, das in Tarasp, «in einer der schönsten und ursprünglichsten Regionen des Landes liegt». Aber auch das Lucerne Festival, die prächtigen Villen von Lugano oder Saas-Fee, weil «sich jeder Besucher in Saas-Fee verliebt». Das jedenfalls behauptet der amerikanische Reiseführer «1000 Places to see before you die». Unser kleines Land – in den ausländischen Reiseführern ganz gross. Schliesslich gehört die Schweiz zu denjenigen Ländern, in denen Reisehandbücher erstmals gebraucht wurden. Sie entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts in Buchform. Die Schweizerische Nationalbibliothek, die eine der umfangreichsten Sammlungen diesbezüglich besitzt, zeigt nun, was ausländische Augen in der Schweiz sehen – und empfehlen (siehe Fakten-Box).
Vom Campieren im Freien und der Metzgete in Zürich
Wie eingangs der Bestseller mit den 1000 Destinationen zeigt: Klischees dominieren. Doch aktuelle Reiseführer geben zunehmend auch Empfehlungen jenseits touristischer Rennstrecken. So etwa die Traveller-Bibel «Lonely Planet». Angesichts der Auflage fragt man sich aber unweigerlich, ob Insider-Infos so nicht zu Mainstream-Tipps verkommen. Neben dem «Lonely Planet» in englischer Version warten der Merian- und der Marco-Polo-Reiseführer im Kiosk des Flughafens Zürich-Kloten auf die Touristen. Die Bücher sind alle handlich von aussen – praktisch im Innern. Dabei fehlen auch die absoluten «Don’ts» in unserem Land nicht. Marco Polo hat sie unter anderem in den Verkehrsregeln gefunden. Die soll man unter keinen Umständen missachten. Nicht erlaubt ist auch Campen im Freien. Und einer der schlimmsten Fauxpas: die Züri-Metzgete für eine Schlachtplatte zu halten.
Mehr Auswahl bietet der «Travel Book Shop» stadteinwärts. Die umfangreichste Reisebuchhandlung der Schweiz ist unauffällig in der Zürcher Altstadt eingebettet – mit Wänden voller Bücher für Reisende. Viele Touristen suchten in diesem Geschäft gezielt Reiseführer über die Schweiz , sagt die Frau hinter der Kasse. Doch auch Einheimische, die Informationen über eine spezielle Region wünschen. Neben den ozeanischen Bildbänden steht das Regal zur Schweiz. Auch hier der «Lonely Planet», Ausgabe 2009. Als Highlights nennt er die üblichen Verdächtigen: Etwa Sprüngli in Zürich, das Matterhorn, Basel als Kunststadt. Und, wen erstaunt’s, wie teuer die Schweiz sei, so teuer, dass es selbst die Skandinavier umhaue. Am meisten kosteten der Transport, das Auswärtsessen und die Unterkunft – kurzum: Eigentlich das, was die Touristen brauchen. Zürich gilt als «Europe’s hippest city», und den Glamour in St.Moritz, Gstaad, aber auch Verbier finde man nach wie vor. Doch: «No Paradise is invincible». Es finden sich auch nachdenkliche Worte zur SVP und der Minarett-Initiative und über die Finanzkrise. «Die Schweiz mag neutral sein», schreibt der Lonely Planet, «aber beileibe nicht fade.»
Hotel-Klassiker werden überall genannt
Im Reisebuchladen stehen auch Guide Michelin, Marco Polo oder le grand Routard sowie italienische Literatur. Von Dumont existiert keine helvetische Ausgabe. Überall wird die Schweiz als Outdoor-Land gepriesen. Die Restaurants und Hotels variieren nur leicht, Klassiker wie etwa das «Belle Epoque» in Bern, «Les Trois Rois» in Basel oder das Hotel Widder in Zürich sind in fast allen Handbüchern erwähnt. Man gähnt – und muss sich aber gleichzeitig eingestehen: Ein Besuch in Paris, ohne den Eiffelturm auch nur von Weitem zu sehen, wäre enttäuschend. Die Postkarten-Idylle fasziniert ungebrochen.
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