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dolce vita
28.06.2012
Eigenwillig und innovativ
Ein gutes Verhältnis ist ihnen wichtiger als ein gutes Geschäft: die beiden Firmengründer von Jumi, Jürg Wyss (l.) und Mike Glauser.
Ein gutes Verhältnis ist ihnen wichtiger als ein gutes Geschäft: die beiden Firmengründer von Jumi, Jürg Wyss (l.) und Mike Glauser. (Bild: Bilder Alain D. Boillat)
Angefangen hat es mit der Belper Knolle, nun wurde es mit dem Swiss Economic Award ausgezeichnet: das Jungunternehmen Jumi mit seinen Käse- und Fleischprodukten.
Franziska Egli

Er steht in einem Kühlkeller und zählt auf: «Schäfli, Geissli, Kuh. Das da sind die normalen Käselaibe, das die kleinen. Diese sind lang gereift, jene nur kurz.» Und immer wieder während des Rundgangs weist Mike Glauser beiläufig auf das eine oder andere hin und sagt «Das ist ein Versuch» oder «Hier sind wir noch in der Testphase».

Mike Glauser, das ist die eine Hälfte des Berner Unternehmens Jumi, das soeben mit dem Swiss Economic Award in der Kategorie «Produktion/Gewerbe» ausgezeichnet worden ist. Damit hat der eher unkonventionelle Betrieb eine der bedeutendsten Auszeichnungen für innovative Jungunternehmen in der Schweiz erhalten.

Aus dem Frischkäse wurde eine würzige Hartkäse-Knolle

Vor sechs Jahren hat Glauser zusammen mit Jürg Wyss «Jumi» - eine Wortspielerei aus JUerg und MIke - ins Leben gerufen. Den Startschuss gab unter anderem eine rund sechziggrämmige, mit Pfeffer ummantelte Käsespezialität, die heute landauf, landab, vom Gourmetrestaurant bis zum Delikatessengeschäft, als würzige Delikatesse gilt: die Belper Knolle. Kreiert hat sie Peter Glauser, ein Cousin von Mike Glausers Vater: Eine im Kühlraum vergessene, hart gewordene Frischkäse-Knolle entpuppte sich beim Kosten wider Erwarten als genussvoller, würziger Hartkäse.

Seither haben sich der 29-jährige Käser Mike Glauser und der 32-jährige Bauer Jürg Wyss hochwertigen Käse- und Fleischprodukten verschrieben. Heute führen sie rund 40 verschiedene Käsesorten sowie Fleischprodukte vom Piemonteser Rind im Sortiment, betreiben einen Stand auf dem Borough-Markt in London und haben sich mit ihrem Vertriebsnetz einen eigenen kleinen Wirtschaftskreislauf erschaffen. Diverse Käser und Bauern aus der Region produzieren in ihrem Auftrag - allein für die Produktion der Belper Knolle etwa, welche mittlerweile auch im «Globus» erhältlich ist, sind vier Bauern zuständig. Und das Team ihrer AG, das eher an eine Grossfamilie erinnert, ist auf rund zwanzig Personen angewachsen.

Doch trotz Erfolg werden Freude an der Sache und das familiäre Gefüge gross geschrieben. «Uns ist eine gute Stimmung wichtiger als ein gutes Geschäft», betont Glauser. Ebenso wichtig: Die Lust, laufend neue Produkte zu entwickeln, auch wenn manches nicht gelingt oder Mike Glausers Vater, auch er ein Käser, wieder mal ruft: «Euch spinnt's!» Das, finden die beiden Jumi-Gründer, muss drinliegen, während es sie etwa deutlich weniger interessiert, wie viele Belper Knollen sie wöchentlich absetzen.

Der «Bären» in Boll ist Dreh- und Angelpunkt der Jumi-Familie

Ebenso ungezwungen und kollegial gehen sie die Hotellerie und Gastronomie an. Längst zählen nicht nur Betriebe wie der «Löwen» in Berken und der «Bären» in Dürrenroth zu ihren Kunden, die als Erste von ihren Produkten begeistert waren, sondern auch ein Grand Hotel Victoria-Jungfrau in Interlaken oder Tanja Grandits' Restaurant Stucki in Basel. Aber auch im Luxusbereich gilt: «Stimmt die Chemie, stimmt das Geschäft», so Glauser, während er auf dem Vorplatz des «Bären» in Boll frisch geerntete grüne Walnüsse wässert. Der ehemalige Landgasthof ist Dreh- und Angelpunkt der Jumi-Familie. Von hier aus geschieht alles: Hier reifen ihre Käselaibe. Hier portionieren und lagern sie das Fleisch des Piemonteser Rinds. Hier tüfteln sie an Trockenfleisch mit Schokolade-Tonka-Bohne- oder Biltong-Würze und experimentieren bei der Käseproduktion mit Reifungsarten wie Milben oder Schimmel. Und hier laden sie gemeinsam und allwöchentlich ihren Marktwagen, mit dem sie des Samstags an die Münstergasse in Bern fahren, um die Kundschaft mit ihren Fleischproduktionen und Käseinnovationen zu entzücken. Überhaupt der Markt: «Der ist noch heute unser aller Highlight», schwärmt Glauser.

Und der mit 25000 Franken dotierte Preis? Klar, diese Auszeichnung sei toll, sagt Glauser. Aber ändern werde das nichts am Grundbedürfnis der Jumi-Familie nach einer «lustigen Stimmung und dass alle einander helfen», erklärt er. Aber das diesjährige Fest, das werde nun grösser ausfallen.

  
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