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dolce vita
19.04.2012
Ein Hotel für psychisch Kranke
Psychisch kranke Menschen im Hotelambiente gesundpflegen: Mit dem Mentalva Resort und Spa in Cazis gehen die Psychiatrischen Dienste Graubünden neue Wege.
christine Künzler

Wir sind schweizweit die Ersten, die ein Projekt in dieser Form lanciert haben», sagt Josef Müller, der Direktor der Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR). Vor vier Monaten ist das als psychiatrische Akutklinik geführte Mentalva Resort & Spa in Cazis eröffnet worden, und schon denken die Initianten an einen Ausbau von heute 16 auf 24 Zimmer. Das Mentalva ist ein Hotel im 4-Sterne-Bereich - Müller überlegt sich, das Haus klassifizieren zu lassen - und bietet den Klienten der psychiatrischen Klinik Hotelkomfort, eine hochstehende Küche und einen Spa-Bereich. «Wir setzten uns zum Ziel, die 16 Zimmer in drei Jahren zu 95 Prozent auszulasten. Nun sind sie bereits nach vier Monaten ausgebucht», so Müller.

Klienten aus Europa und Russland, später auch aus Asien

Das neue Angebot richtet sich an Selbstzahler, Halbprivat- oder Privatversicherte: Der Aufenthalt kostet 1050 Franken täglich. Natürlich können sich auch Grundversicherte dort pflegen lassen, doch die Grundversicherung zahlt täglich 590 Franken, den Rest muss der Klient selber berappen. Der Patient bleibt durchschnittlich 25 bis 30 Tage - eine Aufenthaltsdauer, von der Hoteliers nur träumen können. Müller erklärt sich den Erfolg des Mentalva Resort und Spa nicht nur mit dem Hotelkomfort allein, sondern auch mit dem medizinischen Angebot, das auch Behandlungsmethoden aus der Komplementär- und Energiemedizin umfasst. «Zudem decken wir mit unseren Belegsärzten fast alle psychiatrischen Krankheiten ab.» Schwerpunkt sind jedoch Depressionen und Burn-out.

50 Prozent der Klienten, die sich zurzeit im Mentalva Resort & Spa behandeln lassen, wohnen im Bündnerland. Je 25 Prozent stammen aus der übrigen Schweiz und aus Liechtenstein. Müller will jedoch auch ausländische Klienten generieren. Die Vermarktung übernehmen spezialisierte Agenturen. Russland, Deutschland und Italien sind die Herkunftsmärkte, die er bearbeitet. «Asiatische Märkte folgen in einer zweiten Phase», so Müller. «Doch Bündner und Schweizer Klienten haben Vorrang.»

Angehörige nächtigen in den Hotels der Umgebung

Von den 16 Zimmern können zwei als Suiten angeboten werden, das heisst, zwei Einzelzimmer sind so konzipiert, dass sie zusammengelegt werden können. Ein spezielles Farbkonzept sorgt für ein gutes Ambiente in den Räumlichkeiten. Zwei Mitarbeitende aus der Hotellerie sorgen für das Wohl der Klienten. Die Mahlzeiten - der verantwortliche Küchenchef kochte vorher im «Walther» in Pontresina und im Posthotel Valbella - werden in einem stilvollen Speisesaal serviert. Gekocht wird regional und saisonal, der Gast wählt zwischen A-la-carte-Gerichten und Tagesmenüs. Im nicht öffentlichen Restaurant essen auch Angehörige der Patienten der Privatklinik. Wenn sie von weiter her anreisen, werden sie in Hotels in Chur untergebracht. «Wer es lieber luxuriöser möchte, kann in Bad Ragaz oder im Engadin wohnen.» Im Spa-Bereich mit Dampfbad, finnischer Sauna, Whirlpool, Ruhe- und Fitnessraum werden auch Behandlungen angeboten. Vorwiegend im Rahmen des Behandlungskonzepts, doch wenn ein Klient auch ohne Verschreibung eine Massage möchte, liege das drin, erklärt Müller.

Zum Schritt in Richtung Premiumangebot motiviert hat die PDGR, zu der drei Kliniken gehören, die GDI-Studie «Gesundheitsdestination Schweiz». Die Autoren vertreten die Meinung, dass ein holistischer Ansatz am meisten Erfolg verspricht: Körper, Geist und Seele müssen medizinisch, natur- und geisteswissenschaftlich betrachtet werden.

  
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