An der Gala-Nacht im Hof des Landesmuseums am Samstagabend sah man an den zwölf langen Tafeln zwischen Olivenbäumen strahlende Gesichter. Den Gästen mundete das erstklassige Menü, das von den Köchen der Gastgeberhotels Baur au Lac, Dolder Grand, Park Hyatt, Storchen und Widder mit prominenter Unterstützung zubereitet worden war. «Der Aufwand für dieses Galadîner ist beträchtlich, aber das ist vergessen, wenn man die Freude der Leute hier sieht», meinte beispielsweise Armin Amrein, der seine Kollegen in der Küche unterstützte. 13 Starköche arbeiteten mit. Aber auch unter den Gästen war die Dichte an prominenten Köchen hoch: Antonio Colaianni, Felix Eppisser, Christian Nickel und Nenad Mlinarevic wurden gesichtet.
Die Bandbreite der teilnehmenden Restaurants war sehr ausgedehnt
480 Gäste hatten sich an die Tische gesetzt, es hätten noch ein paar mehr Platz gehabt. An der Opening-Night vom Mittwoch hatten 800 Gäste teilgenommen, am - seit Wochen ausverkauften - Familienfrühstück vom Sonntag 600. Die Anlässe mit rasenden Köchen und kochenden Kindern waren gut besucht. Die Begeisterung nach dem Festival ist ringsum gross - der Aufwand vor und während «Il Tavolo» war es auch. Ob das Ganze in schwarze Zahlen mündet, sei vorerst nicht so wichtig. Ab dem dritten Mal sollte es rentieren, heisst es von Seiten des Vereins «Il Tavolo». Womit auch schon die Frage beantwortet ist, ob es weitere Auflagen gibt.
Bloss, wo kann die Gala-Nacht stattfinden? Nächstes Jahr wird das Landesmuseum umgebaut. «Wir werden demnächst einen Termin mit Verantwortlichen der Stadt Zürich abmachen und diese Frage diskutieren», erklärt Alexandra Heitzer. Die Event-Managerin hatte die Idee für «Il Tavolo» vor Jahren während einer typischen italienischen «Tavolata» in der Toscana und konnte eine Gruppe von Leuten «mit dem Virus infizieren», wie sie sagt. Ihr schwebt ein einziger langer Tisch vor, an dem 500 Leute gemeinsam essen. «Der Uto-Quai oder der Limmat-Quai wäre perfekt dafür, aber wir könnten uns auch den Sechseläuten-Platz vorstellen», sagt Heitzer. Für die erste Auflage des Festivals hätte die Stadt dafür noch kein Gehör gehabt. «Standort, Verbesserungen und Anpassungen wird der Verein als Nächstes diskutieren, denn es gibt Optimierungspotenzial.» So müsse man über den Restaurantteil nachdenken. 31 Restaurants haben am Festival mit besonderen Angeboten mitgemacht, dabei war die Bandbreite - von «Angelsfood» in Zollikon über das «Maison Blunt» bis zum Zunfthaus zur Waag - ziemlich ausgedehnt. «Wir möchten nicht auf Genre-Restaurants verzichten, aber wir müssen das Angebot anders definieren», erklärt Alexandra Heitzer.
«Vielleicht haben wir nicht am richtigen Ort Werbung gemacht»
Bei den teilnehmenden Restaurants ist man für Verbesserungen empfänglich. Peter Schnaibel von der «Blauen Ente» spricht von sehr schönen Tagen, meint aber, es hätten mehr Gäste kommen können. «Vielleicht sind zu viele Restaurants dabei?» fragt Schnaibel. Auch in den «Drei Stuben» in Zürich Unterstrass hätten mehr «Il-Tavolo-Gäste» Platz gehabt. Gastgeber Marco Però findet den Anlass eine tolle Sache, das Feedback seiner Gäste sei sehr positiv gewesen, «möglicherweise kam die Werbung dafür etwas spät, man hat ‹Il Tavolo› noch nicht richtig wahrgenommen.» Das glaubt auch Jan E. Brucker, Direktor des Hotels Widder: «Tatsächlich haben mir einige Leute erzählt, sie hätten nichts davon gehört. Vielleicht haben wir nicht am richtigen Ort Werbung gemacht? Wir müssen uns fragen, wie wir die Gäste vermehrt sensibilisieren können. Aber aller Anfang ist schwer, es war ein logistischer und organisatorischer Grossaufwand, und wir schauen, was wir besser machen können.»
Siehe «Nachgefragt: Jörg Arnold» oben rechts






