dolce vita
04.03.2010
Eine Reise der Langsamkeit
Die Entdeckung der Langsamkeit auf der Kutsche.
Die Entdeckung der Langsamkeit auf der Kutsche. (© Claudia Diemar)
Der Weg ist das Ziel. Auf Motorkutschen mit maximal 20 Stundenkilometer lässt sich Süddeutschland gemächlich entdecken.
Claudia Diemar

Kinder winken, Autofahrer stoppen und knipsen Fotos aus dem Fenster, Bauern halten den Traktor an, um dem ungewohnten Korso nachzublicken: Wenn die tiefseeblauen «Aaglander»-Motorkutschen durch die Dörfer rollen, ist den ebenso anachronistischen wie originellen Fahrzeugen einige Aufmerksamkeit sicher. Und nicht wenige Passanten lächeln, wenn sie die nostalgischen Gefährte sehen.

Gebaut werden die Fahrzeuge in einer Manufaktur auf Schloss Kühlenfels bei Pottenstein in der Fränkischen Schweiz. Jedes einzelne Teil ist von Hand gefertigt, viele Dekorelemente sind vergoldet.

Mit maximal 20 Stundenkilometern wummern die Dreizylinder-Dieselmotoren durch Wald und Feld. Das Unternehmen wirbt mit diesem «Luxus der Langsamkeit».

Bei Sonnenschein sitzt man an der frischen Luft, bei Regen kann ein Verdeck zum Schutz aufgespannt werden. Eine Sitzheizung garantiert ebenso wie bereit gehaltene Decken und wetterfeste Kutschermäntel wohlige Wärme.

Neben einem Prototyp mit Elektroantrieb stehen zwei Motorfahrzeugtypen zur Verfügung: Der kleinere zweisitzige «Duc», ein Sommerwagen mit zwei Sitzplätzen, kann von Selbstfahrern gebucht werden. Der grössere «Mylord» wird zusammen mit einem «Leinenführer» genannten Kutscher geordert; der Gast darf jedoch jederzeit ans Steuer. Die Kutsche war im 19.Jahrhundert einer der am häufigsten gebauten Luxuswagen. Gereist wird entweder individuell oder im Korso als «Gesellschaftsreise».

In Anlehnung an klassische Kreuzfahrten auf Flüssen oder Meeren versteht sich die Landpartie als «Kreuzfahrt zu Lande». Der Weg ist das Ziel. Man rollt so gemächlich dahin, dass man jede Blume und jeden Stein am Wegrand erkennt.

  
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Weitere Bilder zum Artikel
Verschnörkelte und von Hand gefertigte Dekorelemente. <nobr>   (© Claudia Diemar)</nobr>
Die Pferde                sind in Form von vergoldeten Details anwesend. <nobr>   (© Claudia Diemar)</nobr>
Eine Reise in die Vergangenheit. <nobr>   (© Claudia Diemar)</nobr>
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