Die Zukunft der Hotellerie ist weiblich.» So lautet das Résumé zweier deutscher Trendforscher. Im aktuellen Buch über «Hospitality Design» der Hamburger JOI-Design GmbH wagen sie einen Blick ins Jahr 2015. Auch beim Hotelverband Deutschland (IHA) hebt man die «stetig und rasant» wachsende Zielgruppe von Frauen, insbesondere Geschäftsreisenden, hervor. Laut Uta Brandes, Kölner Professorin für Gender und Design, ist in unserem nördlichen Nachbarland jeder vierte Geschäftstourist weiblich. In Skandinavien sind es gar 40 Prozent.
Frauen haben andere Ansprüche als Männer
Brandes stellte fest, dass Frauen auf Reisen andere Ansprüche als Männer haben (siehe Interview). «Wollen Hotelmanager diese wachsende Klientel, müssen viele umdenken», so die Professorin und argumentiert auch ökonomisch: «Unsere Studie zeigt: Gefällt es Frauen in einem Hotel, kommen sie immer wieder. Sie sind die treusten Gäste.»
Frauen reisen viel, Männer aber immer noch mehr
In der Schweiz reisen Frauen zwischen 25 und 44 Jahren am meisten. Betrachtet man alle Reisenden, sind es aber immer noch die Männer, die mehr unterwegs sind. In Sachen Geschäftsreisen verhalten sich die Zahlen ähnlich wie in Deutschland: 2008 waren 23 Prozent aller Businessreisenden weiblichen Geschlechts.
Trotzdem bezirzt man auch hierzulande mancherorts explizit die Damenwelt. In St.Moritz etwa bieten die Luxushäuser Grand Hotel Kronenhof und Saratz im März ein Pauschalangebot «für einen perfekten Ladies-Urlaub» – inklusive Spa, Weindegustationen, Skipass oder Schneeschuhwanderung. Laut Sara Roloff, PR-Chefin der dortigen Tourismusorganisation, soll das Pilotprojekt die nächsten fünf Jahre im Engadin andauern. «Wir versuchen unsere Angebote den verschiedenen Segmente anzupassen. Frauen sind in den letzten Jahren zu einer unserer wichtigen Zielgruppen geworden.»
Konzept Frauenhotel funktionierte nicht
Ein Hotel, das 2001 als Frauenhotel eröffnet hat, ist das «Lady’s First» im Zürcher Seefeld. Das Konzept von «Women only» wurde mittlerweile angepasst –das Haus gewährt seit 2002 auch Männern Eintritt. «Gleich im Eröffnungsjahr passierte das Unglück am 11. September. Die Nachfrage sank rapide, und wir entschieden, unser Haus einer grösseren Zielgruppe zu öffnen», sagt Direktorin Daniela Balmelli. In einem Punkt ist das «Lady’s First» konsequent geblieben: Im 3-Sterne-Haus arbeiten bis heute ausschliesslich Frauen. Der Betrieb verfolgt auch einen sozialen Aspekt und bietet ein Dutzend Arbeitsplätze für psychisch Beeinträchtigte. Auch der öffentliche Spa-Bereich ist den Frauen vorbehalten.
Im «Lady’s First» ist das vierte Stockwerk, wo der Spa-Bereich angesiedelt ist, männerfreie Zone. Das hat vor allem praktische Gründe: Der Eingang und der Ruheraum des Wellness-Bereichs liegen in unmittelbarer Nähe der Gästezimmer.
Noch heute kehren mehr Frauen als Männern im «Lady’s First» ein. Direktorin Balmelli kennt ihre Ansprüche. «Prinzipiell wollen Frauen die gleiche Dienstleistung wie alle Geschäftsreisende. Wert legen Frauen noch mehr auf die Details.» Auf grosse Handtücher etwa, einen Vergrösserungsspiegel, qualitativ hochstehende Badeartikel oder einen guten Föhn.
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