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dolce vita
28.06.2012
Fürstlich logieren seit 1887
Auch von aussen eindrücklich: das «Raffles» bei Nacht.
Auch von aussen eindrücklich: das «Raffles» bei Nacht. (Bild: zvg)
Flaggschiff Einst beherbergte es die Grössen dieser Welt, heute gehört es zu den Sehenswürdigkeiten von Singapur: das Raffles Hotel, das heuer seinen 125. Geburtstag feiert.
Patricia Bröhm

Das ‹Raffles› verkörpert die ganze Exotik des fernen Ostens», das hat Somerset Maugham einmal über sein Lieblingshotel geschrieben. Der britische Schriftsteller kam nach einem ersten Besuch im Jahr 1921 immer wieder und setzte dem legendären Hotel in Singapur und seinen Gästen in seinen Erzählungen das eine oder andere Denkmal.

Jeden Vormittag sass er in Shorts und Batikhemd in der «Palm Court Suite» und schrieb. Pünktlich zur Tea-Time erschien er dann im Anzug und mit viel Pomade in den Haaren in der Bar und lauschte der Unterhaltung der Damen. Viele der Klatschgeschichten, die er so aufschnappte, verarbeitete er in seinen Büchern. Er ist einer von vielen Prominenten, die der Hotellegende, die in diesem Jahr ihren 125. Geburtstag feiert, über viele Jahre treu geblieben sind.

«Meet you at Raffles», lautete die Abschiedsformel vieler Reisenden

1887 von den Gebrüdern Sarkies, vier geschäftstüchtigen jungen Armeniern, gegründet, entwickelte sich das Haus rasch zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der damaligen Kronkolonie. Die riesige, komplett mit weissem Carrara-Marmor ausgelegte Lobby wurde abends zum Speisesaal für mehrere hundert Gäste. Nach dem Essen räumte man die Tische beiseite, ein Orchester spielte zum Tanz auf. Das Hotel war so beliebt, dass es als geflügeltes Wort in den Sprachschatz einging: «Meet you at Raffles» - so lautete um 1900 die Abschiedsformel aller Fernostreisenden. Indische Maharadschas oder der Aga Khan stiegen hier ebenso ab wie viele Hollywood-Legenden - von Charlie Chaplin über Ava Gardner bis Rita Hayworth.

Heute erscheint der schneeweisse Gebäudekomplex wie eine Oase mitten im Hochhausdschungel Singapurs. Es ist eines der letzten Relikte der Kolonialzeit in einer Stadt, die ganz für die Zukunft lebt. Seit 1987 steht es unter Denkmalschutz, seit 1991 erstrahlt es nach einem 160-Millionen-Dollar-Facelift in neuem Glanz.

Im Park blühen die Frangipani-Bäume, die Sikh-Türsteher tragen noch immer Turban, und betritt man die Halle, fühlt man sich wie auf einer Zeitreise. Durch die gläserne Dachkuppel fällt das Sonnenlicht, aus der Bar dringen Piano-Klänge, es ist, als würde die junge Liz Taylor jeden Moment im Abendkleid die Treppe herunterrauschen. Von der grossen Vergangenheit erzählt heute ein hoteleigenes Museum.

Die Auslastung betrug 2011 rund 80 Prozent

Das «Raffles» ist längst mehr als ein Hotel - es ist ein Mythos. In den meisten Reiseführern wird es unter den Top-Five-Sehenswürdigkeiten der Stadt aufgeführt. Ein Erinnerungsfoto vor dem Portal oder ein «Singapore Sling» - der Signature-Drink des Hauses aus Gin, Kirschlikör und Bénédictine - in der berühmten «Long Bar» gehören für die meisten Touristen zum Pflichtprogramm.

Wer eine der 103 historischen Suiten ergattern will, muss frühzeitig buchen, die Auslastung betrug im Jahr 2011 rund 80 Prozent. Im Restaurant Raffles Grill wird gehobene französische Küche serviert, der «Wine Director» hat 800 verschiedene Etiketten im Angebot. Man weiss, was man der Geschichte schuldig ist - und bietet doch alle Annehmlichkeiten für den Reisenden des 21. Jahrhunderts, von Wireless LAN in den Zimmern bis zum Spa und einem grossen Outdoor-Swimmingpool. Das Haus ist längst aktiv in den Social Media, von Facebook bis Twitter.

Nur eines kann es heutigen Gästen nicht mehr bieten: den Meerblick aus Gründungstagen. Damals stand es direkt am Strand, heute liegt es mitten in der Stadt - durch zahlreiche Landgewinnungsmassnahmen hat Singapur an Fläche gewonnen, das «Raffles» aber an Lage verloren.

Raffles-Gruppe  Weitere Expansion
Mit der Gründung des Raffles Hotel 1887 beginnt auch die Geschichte der Raffles Hotels & Resorts. Derzeit gehören neben dem Stammhaus sieben weitere Luxushotels zu der Gruppe, deren Portfolio Resorts ebenso wie elegante Stadt-Hotels umfasst: Le Royal Monceau in Paris; Raffles Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten; Raffles Makkah Palace in Saudi Arabien; Raffles Praslin auf den Seychellen; Raffles Grand Hotel d’Angkor in Siem Reap sowie Raffles Hotel Le Royal in Phnom Penh (beide Kambodscha); Raffles Beijing in China. Eine weitere Expansion mit Eröffnungen in Manila, Istanbul, Jakarta und Hainan/China ist in den kommenden zwei Jahren geplant. Raffles Hotels & Resorts gehört zur FRHI Holdings Ltd., einem globalen Hotelunternehmen mit 98 Hotels und Resorts weltweit, die unter den Marken Raffles, Fairmont und Swissôtel geführt werden.

www.raffles.com

 

  
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