Er dachte, es entspreche einem breiteren Bedürfnis: 2008 baute Urs Hauser in seinem Hotel Belvedere in Grindelwald zwei Familiensuiten in so genannte Schnarchereinheiten um. Das sind Junior-Suiten, die über ein zusätzliches kleines, separates Schlafzimmer samt Dusche/WC verfügen. Denn «uns kam mehrfach, beruflich wie privat, zu Ohren, dass gerade ältere Paare darunter leiden, wenn eines schnarcht. Diese ziehen dann gerne zwei Einzelzimmer einem Doppelzimmer vor», erzählt der Hotelier des 4-Sterne-Superior-Hauses. Dank dem Schnarcherzimmer, so seine Überlegungen, kann ein Paar zusammen ein Zimmer beziehen, aber innerhalb hat jeder seine eigenen vier Wände und stört die Nachtruhe des anderen nicht - sei es, weil einer scharcht oder einfach einen anderen Nachtrhythmus pflegt.
Kein grosses Thema, aber dank Verbindungstüren gut lösbar
Resultat? «Wir sind negativ überrascht», lautet Hausers ernüchtertes Fazit nach drei Jahren. Die Zimmer würden zwar rege und gerne auch von Familien gebucht, aber «massiv weniger» als das genutzt, was sie eigentlich sind: Schnarcherzimmer. Hauser vermutet, dass sie mit mindestens 620 Franken zu teuer sind. «Da kommt man mit zwei Einzelzimmern günstiger weg». Trotz diesen Erkenntnissen bleiben sie im Angebot, denn «Paare, die das Angebot genutzt hatten, waren sehr angetan von der Lösung».
Dass ein Paar der Nachtruhe zuliebe zwei Zimmer statt eines gemeinsamen bucht, kommt vor, bestätigen andere Hotels, jedoch nicht oft. Das beobachtet man auch im Hotel Waldhaus am See in St.Moritz. «Es kommt aber öfters vor als früher, und das auch bei jüngeren Generationen, die sich das leisten können und wollen», vermutet Sandro Bernasconi, der das 3-Sterne-Hotel in zweiter Generation führt.
Das Basler Stadthotel Krafft hört zum ersten Mal von diesem Paar-Problem - hier stellt man eher ein erhöhtes Bedürfnis nach zwei Einzelbetten anstelle eines Doppelbetts wahr, und auch im Hotel Bad Bubendorf im Kanton Baselland ist es kein grosses Thema. «Mir ist gerade ein einziges, älteres Paar bekannt, das bei uns zwei Einzelzimmer buchte», erinnert sich Eveline Tischhauser, Gastgeberin des 3-Sterne-Superior-Hotels. Diese wurden auch als zwei Zimmer abgebucht und nicht etwa zu Sonderkonditionen vergeben, so Tischhauser. Aber: Dem Wunsch von Schnarchbetroffenen nach Nähe trotz getrennten Schlafzimmern könnten sie gut nachkommen, sind doch zwei ihrer Zimmer mit Verbindungstüren ausgestattet. «Diese Möglichkeit wird aber vor allem von Familien mit kleinen Kindern genutzt, die keine Suite buchen möchten».
Das Hamburger «Crowne Plaza» hat ein Anti-Schnarch-Zimmer
In Deutschland wollte man es bezüglich gemeinsamem Schlafkomfort genau wissen und fand heraus: Der Feind des Schläfers ist der Schnarcher. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Hamburger Hotels Crowne Plaza, die ergab, dass 70 Prozent der 1000 befragten Deutschen einen Partner haben, der jede oder fast jede Nacht schnarcht. Jeder Fünfte schläft deswegen in einem anderen Zimmer, vier von zehn Betroffenen beschweren sich, dass das Schnarchen des Partners die gemeinsamen Ferien massiv störe.
Das veranlasste das Unternehmen dazu, ein Anti-Schnarch-Zimmer anzubieten mit speziell gedämmten Wänden, einem Keilkissen, das verhindern soll, dass der Schnarchgefährdete in Rückenlage gerät, einem Magnetfeld-Kissen, das die Atemwege öffnen und den Gaumen fixieren soll. Und zu guter Letzt erklingt ein Meeresrauschen, das bei Tinnituserkrankungen das Schnarchen übertönt. Was für eine Woche angedacht war, wurde auf mehrere Monate ausgedehnt, erzählt Silke Krüger, Marketing-Direktorin bei der Intercontinental Hotels Group, zu der das «Crowne Plaza» gehört. «Die Gäste freuten sich auch darüber, dass sich das Hotel um ihre Anliegen kümmert und Lösungsansätze für vermeintlich unvermeidbare Probleme sucht».
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