Pius Notter, japanische Gärten sind offensichtlich anders. Nur: Was ist konkret anders?
Allein die Philosophie, die ist Jahrtausende alt – im Gegensatz zu uns, wo man bis zum Zweiten Weltkrieg unter «Garten» ein Gemüsebeet verstanden hat und heute bestenfalls eine Begrünung rund ums Haus versteht. In Japan dagegen hat der Garten seit Urzeiten eine tiefe Bedeutung, die dem Zen-Buddhismus entstammt: Man geht davon aus, dass nicht nur der Körper, sondern auch die Seele mit Nahrung versorgt werden muss. Und so besteht ein japanischer Garten aus einer kunstvoll angerichteten Mischung aus Steinen, Pflanzengruppen und Wasserelementen. Diese grafisch reduzierte Gartenkompositionen sind wie Bilder und werden als Seelennahrung verstanden. Folglich kommt man in den Garten, um zu meditieren, um aufzutanken.
Passt das auch in die Schweiz?
Sicher. Wir müssen uns ja nicht stur an die Gärten von Kyoto halten, sondern können einzelne Einflüsse aufnehmen und mit hiesigen Dingen ergänzen. Mir gefällt in erster Linie die Philosophie, die Idee, wonach ein Garten mehr sein soll als eine Spielwiese für Kind und Hund.
Sie haben den öffentlich zugänglichen Japangarten im 5-Sterne-Parkhotel Weggis gestaltet. Wie gingen Sie da vor?
Hier wünschte man sich genau so etwas: einen Meditationsgarten mitten im Wellnessbereich. Ich habe mir dann überlegt, wonach man sich nach einer Massage sehnt: Ferien, Meer, waren meine Assoziationen. Also kreierten wir mitten im Park ein kleines Meer mit zwei Inseln, umrankt mit Steinen vom Bürgenstock.
Zu welchem Betrieb eignet sich ein Bonsai-Garten und zu welchem nicht?
Ein Restaurant an einer hektischen Strasse mitten in Zürich wäre kaum ein geeigneter Ort für japanische Gartenkunst. Bereits bei einem Business-Hotel müsste ich mir gut überlegen, wie ein Bonsai-Garten dazu aussehen könnte. Ein Wellness-Hotel hingegen ist ideal.
Wenn Sie einen Auftrag erhalten, was tun Sie als Erstes?
Nach zahlreichen Gesprächen mit dem Auftraggeber schaue ich mir den Ort an, und dabei wird immer auch die ganze Umgebung miteinbezogen. Es geht uns also nicht darum, eine Mauer rund um den Garten zu ziehen, sondern den Horizont, die «geliehene Landschaft», miteinzubeziehen. So entsteht ein Gesamtbild. Oft geht es bei japanischen Gärten auch um Perspektiven. In Weggis beispielsweise verlegten wir grosse Platten, die im Verlauf immer kleiner werden. So erzeugt man eine Tiefenwirkung, und so entsteht dieses so genannte dreidimensionale Bild.
Bonsai assoziiert man mit dickem Portemonnaie. Zu Recht?
Überhaupt nicht. Das Problem ist, dass der Garten bei der Planung oder während eines Umbaus oft als Letztes zum Zug kommt, dann, wenn das Budget bereits aufgebraucht ist. Und das ist sehr schade. Natürlich ist ein alter Bonsai ein teurer Baum und kostet einiges mehr als ein Stiefmütterchen. Aber Bonsais sind längst nicht nur was für Millionäre. Für einen herkömmlichen Garten kommen schnell mal 30 Pflanzen à 1000 Franken zusammen. Für 12 000 Franken hingegen erhalten Sie einen schönen Gartenbonsai, und wenn dieser optimal platziert wird, braucht es ausser ein paar schönen Steinen nichts mehr. Dass dieser Baum allein aber so viel kostet, das schreckt viele ab.
Und nun haben Sie den Auftrag erhalten, für das in Campione geplante Luxushotel eine Bonsai-Anlage zu kreieren. Eine grosse Ehre?
Das wird eine ganz schöne Sache! Wenn sie denn zustande kommt: Den Zuschlag für die Gartengestaltung haben wir, die Baubewilligung für die Anlage an sich steht aber noch aus. Sie soll jedoch auf gutem Weg sein. Trotzdem: Nur schon diesen Auftrag erhalten zu haben, ist für uns natürlich ein riesiger Erfolg.
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