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dolce vita
15.03.2012
Jeder fünfte Kaffee ist fair
Der Umsatz mit Kaffee aus nachhaltigem Anbau steigt in der Schweiz sprunghaft. Nahrungsmittelriesen wie Kraft Foods und Migros stellen sukzessive auf Fairtrade um.
Sarah Forrer

Das Urprodukt des fairen Handels ist längst nicht mehr nur ein Nischenprodukt für eine marginale Zielgruppe. Sogar Schwergewichte wie Starbucks oder McDonald's setzen in der Schweiz auf fairen Kaffee. Exakte Zahlen gibt es zwar nicht, doch die Vereinigung Procafé schätzt, dass jede fünfte Tasse Kaffee, die Schweizer konsumieren, nach sozialen Standards produziert wird. Und der Trend hält an: «Die Tendenz ist steigend», ist Franz Schmid, Mediensprecher von Procafé, überzeugt. Das bemerken auch Organisationen wie Max Havelaar, UTZ und Rainforest Alliance. Sie zertifizieren und kontrollieren Produzenten und Verarbeiter, welche Richtlinien wie gerechte Löhne, keine Kinderarbeit oder nachhaltigen Anbau einhalten.

Bei Max Havelaar stieg der Kaffeeumsatz 2010 gegenüber dem Vorjahr um einen Fünftel auf 30,6 Mio. Franken. Und UTZ profitierte von der Kooperation mit Migros: Der orangene Riese stellte 2010 das gesamte Kaffeesortiment auf nachhaltige Bohnen um. Dadurch stieg der Kaffeeabsatz von UTZ in der Schweiz sprunghaft an.

Die ganz grossen Unternehmen setzen auf Fairtrade

Migros ist aber nicht das einzige Unternehmen mit klingendem Namen, das sich gerne grün gibt. Mövenpick setzt seit Anfang Jahr in allen europäischen Hotels auf Fairtrade-Kaffee. Mit Nestlé hat sich einer der grössten Kaffeeproduzenten dem gesellschaftlichen Druck gebeugt und im vergangenen Jahr die Kooperation mit der Rainforest Alliance ausgebaut. Beim weltweit zweitgrössten Nahrungsmittelkonzern Kraft Foods spannt man seit zwei Jahren mit der US-Organisation zusammen: Seine Traditionsmarke Jacobs Médaille d’Or stammt ausschliesslich aus nachhaltigem Anbau. Kraft Foods fährt gut damit. «Die Handelspartner haben die Neupositionierung begrüsst. Und auch Konsumenten haben nur positiv auf den Wechsel hin zur Nachhaltigkeit reagiert», so Pressesprecherin Heike Hauerken. Bis 2015 will das Unternehmen sämtliche europäische Kaffeemarken - darunter Mastro Lorenzo und Café Hag - auf nachhaltig produzierte Kaffeebohnen umstellen.

Mehrkosten pro Tasse zwischen 3 und 12 Rappen

Und wie sieht es bei den Hotels und Gastrobetrieben aus? «Da ist noch grosses Potenzial vorhanden», sagt Regula Weber, Mediensprecherin von Max Havelaar. Ähnliches stellt der Grossverteiler Prodega fest: «Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten - inklusive Kaffee - entwickelt sich bei Hotels und Restaurants nur zögernd», sagt Mediensprecherin Christine Strahm. Der Zulieferer führt seit 2006 Fairtrade-Kaffee im Angebot. Dieser hat sich jedoch bisher nicht zum Kassenschlager entwickelt. Franz Schmid von Procafé sieht einen Grund in den Kosten. «Gerade für kleine Betriebe, die rechnen müssen, kann der Preis ein entscheidender Faktor sein.» Max Havelaar berechnet die Mehrkosten für eine Tasse Fairtrade mit 3 bis 12 Rappen. Dazu kommt die schwierige Vermarktung: Wenn jemand eine Tasse Kaffee bestellt, sieht man diesem die Herkunft nicht an. Oder wer blickt schon in die Getränkekarte, um sich einen Espresso zu bestellen?

Max Havelaar hat sich in den letzten Jahren vermehrt der Wirte und Hoteliers angenommen und eigens für die Gastronomie eine Internetplattform eröffnet. Die Bemühungen zeigen erste Erfolge. Heute setzt Max Havelaar 10 Prozent ihres Kaffeeumsatzes an Gastrobetriebe ab - vor fünf Jahren waren es noch 3 Prozent. Die Organisation will weiter dranbleiben.

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