Eine Fantasiewelt wird Realität: Vom 19. bis zum 22. Juli findet in Leuk das Mittelerdefest (MFE) statt. Dann verwandelt sich das Walliser Dorf in «Mittelerde» - den Ort, wo sich die Geschichten aus den Fantasy-Kultbüchern «Herr der Ringe» von Autor J.R.R. Tolkien abspielen. Es ist nach fünfjähriger Pause die achte Ausgabe. Das Bedürfnis, sich vorübergehend in Zwerge, Elfen oder Hobbits zu verwandeln, ist 2012 offenbar gross: Alle Mehrtagestickets waren innerhalb von acht Minuten ausverkauft. Das bedeutet bis zu 1500 Besucherinnen und Besucher pro Tag. Die Veranstalter sprechen denn auch vom grössten Fantasy-Spektakel der Schweiz - mit touristischer Konsequenz.
«Die vergangenen Ausgaben zeigten, dass das einer der nachhaltigsten Events für Leuk und die Region ist», sagt Alexandra Matter. Die Geschäftsführerin von Leuk Tourismus präsidiert das siebenköpfige MFE-Organisationskomitee. Die Wertschöpfung belaufe sich auf über eine Million Franken, von den Übernachtungen profitierten nicht nur die nahe gelegenen Campingplätze, sondern auch die Hotellerie: Die Häuser in Susten und Leuk-Stadt seien laut Matter ausgebucht, was Martin Zurbriggen vom Schlosshotel Leuk bestätigt: «seit zwei- einhalb Monaten.» Und auch bei Leukerbad Tourismus spricht man von zusätzlicher Auslastung.
Zur Jahrtausendwende erhielt Alexandra Matter eine Anfrage von fantasybegeisterten Studenten: Leuk mit seinen Burgen und Sicht aufs Rhonetal interessierte sie, um ein Mittelerdefest auf die Beine zu stellen - mitsamt Fackelumzügen, Live-Konzerten, Workshops, Wettkämpfen und anderen Programmpunkten. «Die Gruppe schaute sich auch andere Orte an - wir erhielten den Zuschlag, weil wir dranblieben. Wir wussten: Das ist das, was Leuk braucht. Wir sind hier sonst ja touristisch nicht sehr verwöhnt», sagt Matter. Finanziert wird primär durch die Ticketeinnahmen und kleinere Sponsoringbeträge. Zur fünfjährigen Pause kam es, weil die ehemaligen Studenten mittlerweile fest im Berufs- und Familienleben eingebunden sind. Das sind auch die Besucher: 2001 waren sie im Schnitt 20 Jahre alt, heute 35. «Sie sind mit dem Fest älter geworden, haben Familien - und kommen mit ihren Kindern wieder. 40 Prozent der Gäste waren schon einmal hier.» 30 Prozent kommen aus Deutschland, 70 Prozent aus der Schweiz, und einige reisen gar aus Übersee an. Das Fest schaffe «eine heute wichtige, nachhaltige emotionale Bindung», weiss Alexandra Matter. Sie spricht von mehreren Paaren, die sich am MFE kennenlernten und später nach Leuk zurückkehrten, um zu heiraten.
Nachhaltigkeit: Fest erstmals komplett klimaneutral
Das Mittelerdefest 2012 wird vollständig klimaneutral durchgeführt -
durch Massnahmen wie dem Bezug von Ökostrom, klimaneutrale Drucksachen,
Pfandbecher und -geschirr oder Shuttle-Busse. Die 50 bis 60 Tonnen
CO2-Emissionen, die trotzdem noch anfallen, werden in Zusammenarbeit
mit der Non-Profit-Organisation My-climate kompensiert.
(Zum Thema Nachhaltikeit siehe auch Fokus-Bund vom 12.07.2012).






