Der «Kronenhof» in Pontresina ist eines der ältesten Grandhotels der Alpen. Und betrieb, so schaut Direktor Heinz Hunkeler in die Vergangenheit seines Hauses zurück, einst einen schwungvollen Weinhandel mit dem Veltlin. Das hauseigene Gourmetlokal «Kronenstübli» war daher genau der richtige Ort für die beiden St.Galler Weinhändler Jan Martel (Martel AG) und Ueli Schiess (Caratello Weine), um im Rahmen des Gourmet Festivals einen «Celestial-Wines-at-Celestial-Places»-Abend zu offerieren. Die von ihnen ausgewählten Flaschen zählen zu den rarsten Weinen der Welt, und auch die Plätze im «Stübli» sind eher selten – von daher war der Rahmen schon vorgesteckt.
Maximal 20 Weinliebhaber konnten teilhaben. Für 350 Franken erhielten sie eine Weinreise durch laut Martel «himmlische Rebgebiete» geboten, begleitet von einem exklusiven 5-Gang-Dîner des Star-kochs Christophe Bacquié, Hôtel du Castellet (2 Michelin-Sterne, 16 GM-Punkte). Die Kombinationen waren teilweise gewagt, jedoch auf höchstem Niveau. Und das sowohl von der Küche wie auch vom Wein her gesehen. «Wir haben lange diskutiert», gestanden denn auch die beiden Weinexperten.
Im Wissen, dass dem Ruf zum exklusiven Event lauter Connaisseurs folgen würden, gingen sie das Wagnis ein, etwa einen Romanée-Conti gegen einen Top-Barolo zu Coquilles St-Jacques cloutées aux truffes antreten zu lassen. Das Resultat überzeugte – wohl nicht zuletzt auch der Trüffeleinlage wegen, welche die Meeresfrucht symbolisch wie auch geschmacklich «erdete». Folgende Kombinationen fielen besonders auf:
Zu Gänseleber mit Muscat und feinen Scheiben von Coppa, Quitten und Mandarinen servierte Jan Martel einen herrlich mineralischen, aromatischen 2008 Riesling Grosses Gewächs vom Weingut Schäfer-Fröhlich aus der deutschen Nahe-Region. Parker nannte ihn «the most exciting wine of Germany». Und Tim Fröhlich wurde nicht zuletzt dieses Weins wegens zum «Winzer des Jahres ’09» erkoren. Ueli Schiess hielt mit dem 2006 Bussiador Chardonnay Langhe von Aldo Conterno dagegen: das moderne Beispiel eines Chardonnay, eines Weissen aus dem roten Barolo-Gebiet des Piemont, der mit seinem Gleichgewicht von Säure und Volumen überzeugte und zu den ganz grossen Weinen Italiens gehört.
Eine Klasse für sich war der legendäre 99er Richebourg Grand Cru aus der Domaine de la Romanée-Conti, der mit seiner filigranen Farbe, wunderbarer Himbeernote und Struktur die Weinfreunde zum Schwelgen brachte. «Ein Stück flüssige europäische Kulturgeschichte», so beschrieb Martel diesen Wein, der kaum noch zu finden ist und für den astronomisch hohe Summen bezahlt werden. Fast ebenso rar ist sein «Gegenspieler», der 2001 Barolo Riserva Monfortino von Giacomo Conterno, ein Barolo, welcher seit einem Jahrhundert der Tradition treu geblieben ist und auch heute noch weder geschönt noch filtriert wird. Filigraner Burgunder oder wuchtiger Piemonteser zur Jakobsmuschel? Für Diskussionen war gesorgt...
Vertrauter war die nächste Kombination, ein Simmentaler Rindsfilet an Ochsenschwanzjus mit sautierten Artischocken, Fenchel und Rucola, begleitet von zwei Rotweinen. Aber was für welchen! Ueli Schiess präsentierte zwei Schwergewichte aus Italien: Den rassigen, vollmundigen Toskaner 2005 Alceo des Castello dei Rampolla und den traditionell und in kleinen Barriques ausgebauten Merlot 2006 Messorio von der Azienda Le Macchiole in der südlichen Maremma. Den Alceo 05 gibt es offiziell eigentlich gar nicht, da von der Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Petit Verdot in diesem Jahr einzig 1000 Flaschen (statt normal 12000) produziert werden konnten und dieser Superwein mit seinen Schokonoten nur unter der Hand weitergegeben wurde.
Zu einem Spanferkelfilet, das Christophe Bacquié 36 Stunden garte und mit einem Zitrusfrüchtejus sowie Polenta servierte, kombinierte Jan Martel einen 2005 Astralis Vineyard Syrah der Clarendon Hills Winery – der Australier erwies sich als Syrah (bewusst nicht Shiraz genannt) von burgundischer Finesse. Der Wein reift an über 90-jährigen Buschreben und von ihm gibt es jährlich nur wenige tausend Flaschen. In Konkurrenz dazu trat ein 2006 Cirsion von den Bodegas Roda. Dieses junge Weingut erkämpfte sich dank seines Hangs zur Perfektion und Qualität sehr rasch den Ruf eines spanischen Vorzeigebetriebs. Die intensiven Röst- und Cassisaromen des Cirsion beflügelten Jan Martel zu einem poetischen Vergleich: Der Wein sei «dunkel wie die Nacht, rein wie die Seide, reich wie ein Sultan.»
Zum abschliessenden Edelkastanien-Croquant passte hervorragend ein goldener 2001 Martingana Moscato di Pantelleria von Salvatore Murana, dem italienischen «König des Süssweins» – ein krönender Genuss für alle Geniesser, die sich danach wie Könige fühlten.
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