Die Anzahl Seilparks in der Schweiz hat sich in den letzten sechs Jahren vervierfacht. Und noch immer werben Tourismusdestinationen mit neuen Abenteuer-Anlagen. Davos, Atzmännig oder Rheinfall – allein in diesem Jahr entstanden und entstehen zehn Parks. So steht beim Rheinfall seit April etwa die grösste Anlage der Schweiz und Arosa Tourismus führt die neue Erlebniswelt nun in ihrem All-inclusive-Angebot auf, in der unter anderem der öffentliche Verkehr und der Eintritt in die Eissporthalle oder das Strandbad inbegriffen ist.
«Seilparks boomen», sagt Pit Bangerter, Präsident des Verbands Schweizer Seilparks. 350000 Tarzane und Janes verbuchten die Seilparks im letzten Jahr. Die Besucher sind laut Bangerter vor allem Schweizer. Je nach Destination zögen die Anlagen aber zunehmend internationale Touristen an. Damit eine Anlage rentiere, brauche es ein gut durchdachtes Konzept, so der Verbandspräsident – gestützt von Fachleuten. Qualitativ wichtig sei auch, dass sich die Betreiber an die europäischen Sicherheitsnormen halten. Bangerter weiss, dass die Behörden beim Baubewilligungsverfahren diesen Aspekt unterschiedlich streng begutachten.
Experte in Sachen Schweizer Seilparks ist Christian Bolliger, Sicherheitsingenieur aus Chur. Sein Portfolio umfasst rund ein Dutzend solcher Outdoor-Anlagen, bei denen sein Büro «Bolliger und Partner» die Gesamtprojektleitung übernommen hat. Die Schweiz hinke dem Trend im Gegensatz zu Frankreich hinterher, sagt Bolliger. In unserem Nachbarland stehen 600 Parks. Auch in Deutschland und Österreich sei die Nachfrage immens. Wann das Seilpark-Potenzial im kleinen Land Schweiz ausgeschöpft ist, vermag Bolliger nicht zu sagen. Er ist jedoch überzeugt: Das Limit ist längst nicht erreicht. Die Zukunft sieht der Ingenieur in speziellen Seilpark-Angeboten, beispielsweise einer Schluchtüberquerung als neues Kletterelement.
Investitionen und Nutzungszeit überschaubar
Zwei Probleme stellt Bolliger bei allen Tourismusdestinationen fest: «Es fehlen Sommerangebote und Schlechtwetter-Alternativen.» Seilparks böten den Vorteil, kein Bauland zu benötigen. Zudem sei die Nutzungszeit überblickbar sowie auch die Investitionen. Eine Anlage kostet zwischen 250 000 bis zu einer halben Million Franken. «Ein Seilpark ist nie defizitär wie ein Schwimmbad oder eine Eishalle», so Bolliger.
Anlagen attraktivieren die bestehende Infrastruktur
Es liegt auf der Hand: Klettern und Klammern an Seil und Bäumen macht durstig und hungrig. Zudem müssen die Besucher zur Anlage befördert werden. Profitieren können deshalb Dritte. Bolliger wie auch Verbandspräsident Bangerter aber wissen: Ein Seilpark allein macht noch keinen Sommer –und genügt nicht, um eine Destination aufzuwerten. Zwar ist der Standort laut Bolliger entscheidend. Doch die Freizeitanlage könne höchstens ein Angebot von mehreren sei. Als Erfolgsbeispiel nennt er den Park beim Appenzeller Kronberg. Hier liegen Restaurant, Seilpark und Rodelbahn eng beeinander. «Die Synergien werden genutzt. Zudem hat der Park auch Schwung in die verschlafene Rodelbahn gebracht.» Ideal sind für Bolliger deshalb Standorte mit bestehender Infrastruktur. Kritischer steht er Anlagen gegenüber, die isoliert in einem Wald stehen.
Kritiker behaupten, Seilparks dienten allein der Aufwertung öder Destinationen. Bolliger bestätigt, dass dies gerade in den Anfängen der Fall war. So seien Tourismusorte mit den Worten an ihn gelangt, die Anlage müsse nicht rentieren, Hauptsache ihr Dorf sei wieder im Gespräch. Die Nachfrage heute zeige ihm aber, dass Seilparks mehr seien als blosse PR: «Ich kenne keinen Seilpark, der nicht rentiert», so Bolliger.
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