Ein National- und zwölf Naturpärke gibt es in der Schweiz, und sechs weitere Kandidaten bewerben sich derzeit für das offizielle Park-Label. Wer die Preziosen sehen will, braucht derzeit weder gutes Schuhwerk noch besonders viel Ausdauer. An der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) präsentieren sich nämlich erstmals alle Pärke in der Ausstellung «Schweizer Pärke zu Gast in Wädenswil». Besucher inspiriert der Rundgang zu neuen Wanderideen und liefert den kulinarischen Fahrplan dazu gleich mit. Aber auch für Touristiker ist er spannend.
Park soll Lokaltourismus ankurbeln
«Pärke sind Imageträger für den Schweizer Tourismus», sagt Stefan Forster, Leiter der Fachstelle für Tourismus und nachhaltige Entwicklung an der ZHAW. Der Siedlungsdruck steige und mit ihm die Nachfrage nach intakter Natur. Angesichts schwächelnder Erträge aus dem Wintertourismus böten die Pärke so eine Möglichkeit, die Sommersaison in den Bergen zu stärken.
Oft trifft Naturschönheit auf Strukturschwäche, wenn Randregionen mit atemberaubendem Panorama auftrumpfen können, ihnen aber das Geld fehlt. Dass Pärke den lokalen Tourismus ankurbeln könnten, legten Studien nahe, sagt Forster. «Fallbeispiele aus dem umliegenden Ausland zeigen, dass Naturpärke beliebtes Reisemotiv sind und in der Region Besucherfrequenz und Logiernächtezahl ankurbeln können.» Ein Park werde laut Forster durch gute Angebote mit unverkennbarem Profil zum Besuchermagnet. Darum habe die ZHAW den Parkverantwortlichen zur Ausstellung aufgetragen, ihre Erkennungsmerkmale herauszuarbeiten. Einigen sei das nicht einfach gefallen. «Manche sind sich ihrer Stärken nicht recht bewusst.» Bloss einige unter vielen Trouvaillen sind der Jurapark im Aargau, dessen Kirschbaumwiesen Gaumen und Auge erfreuen, oder das Onsernonetal mit seinen Ackerterrassen, auf denen Mais für ein feines Mehl wächst. «Authentizität ist das Zauberwort», sagt Forster. «Es geht nicht darum, künstliche Welten aufzubauen oder eine folkloristische Show abzuziehen. Die Natur bietet die beste Kulisse, und gut sind Produkte, die man auf sie bezieht.» Darum führe eine erfolgreiche Verbindung zum Besucher zum Beispiel über Kulinarisches. In Randregionen setzen sich oft beseelte Einzelakteure für die touristische Vermarktung ein. «Manchmal ziehen aber nicht alle am gleichen Strick», sagt Forster. «Ein Park kann eine Plattform sein, um solche Akteure zusammenzubringen, ihre Angebote zu bündeln und sie in bestehende Tourismuskanäle einzuspeisen. Zusammen hat man eine stärkere Wirkung.»
Wie viele Besucher verträgt ein Park?
Natur und Ruhe werden knapper, je mehr nach ihnen verlangen. In der Park-Forschung wird die «Besuchertragbarkeit» auf verschiedene Art und Weise gemessen, meist steht dabei die Schonung von Pflanzen- und Tierwelt im Vordergrund. Aber auch den Menschen passt es nicht, wenn sie im Park zu viel von ihresgleichen antreffen. Das belegte eine Umfrage, die ein ZHAW-Team im Wallis machte.
«Mit guten Mobilitätskonzepten gelingt es, diese Ströme zu kanalisieren», sagt Forster. Diese basierten etwa auf GPS-Daten, die Wanderer mittels Experimentphase lieferten. Anhand solcher Angaben könne man Routen mit hohem und solche mit geringem Aufkommen ermitteln - und die Besucher je nach Situation mit Empfehlungen lenken. Zentrales Element des Park-Managements seien zudem die Landschaftsaufwertung und die Umweltbildung, die Menschen für die Bedürfnisse der Natur sensibilisiere. «Diese Aufgaben», sagt Forster, «unterscheiden den Park von gewöhnlichen Landschaften.»
Fakten: Schweizer Pärke gemeinsam in Wädenswil
Die Ausstellung «Schweizer Pärke zu Gast in Wädenswil» findet als
Rundgang in den Treibhäusern der Zürcher Hochschule für Angewandte
Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil statt. Sie präsentiert Besonderheiten
und Szenerien aller 18 Natur- und Nationalpärke in der Schweiz. Bis am
29. April erwartet die Besucher auf 400 Quadratmetern ein
vielfältiges Programm . Dazu gehören etwa «Von Abricotine bis
Zincarlin», eine kulinarische Reise durch die Schweizer Pärke mit ihren
jeweiligen Köstlichkeiten (28.2.), Freizeitaktionen für die ganze
Familie (29.2.), Angebote für Senioren (29.3.) oder eine
Podiumsdiskussion zum Spannungsfeld von Naturschutz und
Wirtschaftsförderung (12.4.). Die Ausstellung ist kostenlos.
Siehe auch Interview mit Jean-Bernard Bächtiger, Leiter Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen ZHAW
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