dolce vita
22.07.2010
Verwirrende Durchsichtigkeit
Das Material in der Glasi «emotional erlebbar» machen.
Das Material in der Glasi «emotional erlebbar» machen. (© zvg)
Seit Kurzem tasten sich in der Glasi Hergiswil die Gäste zwischen Glaswänden zum Ausgang. Das Labyrinth soll die Besucherzahl sichern.
Samira Zingaro

Kaum ein Schweizer denkt beim Namen «Hergiswil» an den Vierwaldstättersee, sondern an Glas. Den Glasmacherbetrieb im Nidwaldner Dorf finden die Besucher denn auch schneller als die Migros – der Weg zur Hergiswiler Glas AG ist breit ausgeschildert. Seit Juni ist die «Glasi» um eine Attraktion reicher. Vor rund einem Monat wurde hier der schweizweit erste Irrgarten aus Glas eröffnet. Der Erlebnisgarten ist die erste von geplanten Erlebniswelten, mit welchen die Firma künftig ihren Besuchern «die Herzen berühren will», wie es der für das Marketing zuständige Pirmin Lötscher ausdrückt. Dabei gehe es darum, den Gästen das Material Glas «emotional» zu präsentieren –mit dem Ziel, die Besucherzahlen von 120000 bis 150000 Personen jährlich zu halten. Seit seiner Eröffnung besuchten 1000 Personen wöchentlich den Irrgarten. 77 Glaswände auf 99Quadratmetern, drei Monate Bauzeit und Kosten in der Höhe von einer halben Million Franken lauten die Kennzahlen des Glaslabyrinths. Die Idee dazu hatte der Luzerner Künstler Heinz Gadient.

«Sei bitte vorsichtig, auch wenn du den Weg kennst», mahnt die Kassiererin einen Jungen vor dem Eintritt. Erst kürzlich habe ein Kind beim Verlassen des Labyrinths aus der Nase geblutet. Ernsthafte Unfälle hätten sich bislang keine ereignet, sagt Lötscher – Beulen ausgenommen. In der Tat braucht taktile Geduld, wer in der Glaswelt eintaucht. Innert Kürze verliert man den Überblick in einer Umgebung, wo alles durchsichtig erscheint und es dennoch nicht überall ein Durchkommen gibt.

Glas Trösch hat das Sicherheitsglas zur Verfügung gestellt. Ein Rundgang dauert knapp 20 Minuten. An der Kasse werden Besucherinnen und Besucher mit Filzpantoffeln und Handschuhen ausgestattet, bevor sie in eine schwarze «Beamkabine» treten. Die Türe gegenüber führt die Gäste in eine verwinkelte Welt aus Glas, die nicht nur ertast-, sondern auch hörbar ist. Komponist Martin Baumgartner hat Töne aus der Glasi gesammelt und sie zu Melodien geformt. Jeder einzelne Klang stammt laut Lötscher aus dem Material Glas. Dazu bricht und spiegelt sich das Licht, leuchtet mal rot, mal blau auf oder blitzt wie in einer Disko. Steht man inmitten der Glaswelt, ist man schnell verloren. Man vermutet den Weg nach rechts, läuft stattdessen in eine Scheibe. Aufs Auge ist kein Verlass mehr, einzig die Hände dienen der Orientierung – und die Fehlläufe der anderen: So schimmert an manchen Scheiben der Abdruck eines Körperteils. Die wichtigste Arbeit hier, so Lötscher, verrichte das Putzpersonal.

 

  
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In der Glaswelt ist nicht alles so durchsichtig, wie es scheint. <nobr>   (© zvg)</nobr>
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