dolce vita
11.02.2010
Vom See auf den Berg
Amuse-Bouche: «Getunte» Leber mit Thunfisch und Passionsfrucht von den RTL-Kochprofis.
Amuse-Bouche: «Getunte» Leber mit Thunfisch und Passionsfrucht von den RTL-Kochprofis. (© Swiss-Image)
Wie verteilt man zehn renommierte Gastköche auf mehrere Hotels? Hotelier Vic Jacob und Gastronom Reto Mathis verraten es.
Elsbeth Hobmeier

Das Haus und sein Image muss mit dem Gastkoch, mit seinem Können und Ruf harmonieren. Und das eigene Team muss sich mit dem Gast sprachlich irgendwie verständigen können. Auf diese einfache Formel bringt Vic Jacob, Direktor des Fünfsternehauses Suvretta House und Vize-Präsident sowie Gründungsmitglied des Vereins St.Moritz Gourmet Festival, die schwierige Aufgabe, die sich dem Organisationskomitee Jahr für Jahr stellt. Heuer, zum 17. Festival, rieb man sich als Gast verwundert die Augen: Was, die drei schrägen Showstars «Kochprofis von RTL2» im Suvretta House? Ausgerechnet im wohl gediegensten, traditionellsten, aber auch verschwiegensten aller Luxushotels von St.Moritz? Wenn das nur gut geht

Es ging gut, dies sei vorweggenommen. Denn die drei «Kochprofis» Frank Oehler, Mike Süsser und Andreas Schweiger machen nicht nur TV-Klamauk, sondern sie sind besternte Köche mit florierenden eigenen Betrieben (siehe auch Gespräch auf Seite 15). Sogar Direktor Vic Jacob gesteht, dass er sich im Vorfeld gefragt habe: «Mag es das wohl leiden?» Im Nachhinein ist er froh um den Mut zur ungewöhnlichen Kombination: «Es geht bestens, die Kochteams verstehen sich gut, das Ergebnis stimmt», stellte er bei einem Gespräch noch während der Gourmetwoche fest.

Vic Jacob verschweigt aber auch nicht, dass von den Partnerhotels des Gourmet Festivals ein grosses Engagement verlangt wird. «Vor allem der eigene Küchenchef leistet unglaublich viel. Die ganze Planung, bis jeder aus dem Gastkoch-Team einen Arbeitsplatz, einen Kühlschrank, eine Unterkunft hat, hängt an ihm. Das vergisst man oft», sagt er. Zudem sei der Druck auf das eigene Team gross: «Die wollen doch dem berühmten Gastkoch beweisen, dass sie auch was können.»

Ein Geben, aber auch ein Nehmen für die Partnerhotels
Als Partner muss ein Betrieb auch finanziell einiges leisten: Er bezahlt neben einer Pauschale für die gesamte Organisation auch die Reisekosten und die Unterkunft für die Gastteams. Es komme, so betont Vic Jacob, anderseits sehr viel Wertvolles zurück: «Allem voran ist es eine gute Erfahrung für unsere eigenen Leute: Sie finden neue Impulse, können Netzwerke knüpfen, schauen über den eigenen Tellerrand hinaus.» Er beobachtet auch, dass die Gastwochen bei Lieferanten und Berufskollegen viel Goodwill und Anerkennung wecken. Und verschweigt nicht, dass die massiv erhöhte Präsenz in den Print- und elektronischen Medien des In- und Auslands für den eigenen Betrieb von Vorteil ist.

Viele Köche möchten kommen. Nicht alle dürfen.
Und was sagt Reto Mathis dazu, der Mann an der Schaltstelle, der die Auswahl der Gastköche trifft und jeweils versucht, diese mit dem passenden Partnerhotel zusammenzubringen? «Manchmal ist’s schwierig», gibt er zu, «viele möchten kommen. Muss man dann ablehnen, ist es für beide Seiten hart.» Reto Mathis ist auch für die Zusammenstellung des Finale-Menüs verantwortlich, zu dem jeder Gastkoch einen Gang beiträgt. Da müsse er dann auch einem grossen Star locker sagen können, «dein Gang passt farblich nicht rein».

Das Gourmet Festival geniesst in Kochkreisen in aller Welt einen guten Ruf, entsprechend viele Köche würden gerne nach St.Moritz eingeladen. «Unser Festival wurde auch schon mindestens fünfmal kopiert», sind sich Reto Mathis und Vic Jacob einig, «aber das spricht nur für unsere gute Idee.» Mathis denkt zurzeit bereits ans 18. Festival Ende Januar 2011: Im Vordergrund sollen dann die regionalen Produkte des Engadins stehen und von den Gastköchen kreativ eingesetzt werden.

Den Sponsoren gefällt die Atmosphäre auf dem Berg
Markante Neuerungen erfuhr das St.Moritz Gourmet Festival bereits heuer: Erstmals dehnte es sich über St.Moritz aufs ganze Oberengadin aus, neue Partner stiessen dazu. Und das Finale wurde vom Zelt auf dem zugefrorenen See in Mathis Food Affairs verlegt. Diese Neuerung kam bei den meisten Sponsoren und Gästen gut an. «Wir bevorzugen den Berg fürs Finale», sagt Zoran Bogdanovic, Country General Manager Coca-Cola HBC Schweiz, «denn die Atmosphäre auf der Corviglia entspricht dem Premiumsegment, das wir uns als Hauptsponsor wünschen.» Ähnlich begeistert äussert sich auch Peter Hilpert, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Co-Sponsor Schwob AG: «Der Berg ist spitzenmässig: Die Köche können dank guter Infrastruktur besser kochen. Und die Damen dank angenehmer Wärme sich eleganter anziehen», schwärmt er. Kritischer äussert sich Roger Nessensohn, Division Manager der Ecolab GmbH: Ihm gefällt die Eleganz der Corviglia zwar gut, aber er vermisst den Reiz des Sees. Und fragt sich auch: «Wo bleibt der Gegenwert für die 150 Franken, die das Schluss-Event dieses Jahr mehr kostete?»

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Pomelo-Hummersalat mit Daikonkresse von Wini Brugger. <nobr>   (© Elsbeth Hobmeier)</nobr>
Jakobsmuschel auf Polenta und Trüffel von Dieter Koschina. <nobr>   (© Elsbeth Hobmeier)</nobr>
Reto Mathis, Präsident Event Gourmet Festival <nobr>   (© zvg)</nobr>
Vic Jacob, Direktor Suvretta House St. Moritz. <nobr>   (© eho)</nobr>
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