Was tun, um leere Betten in Businesshotels am Wochenende zu füllen? Und wie bringen Hoteliers die gähnende Nebensaison in Schwung? Mit Gutschein-Systemen. Sie generieren Kundschaft – der Gast wiederum glaubt, ein besonderes Schnäppchen gemacht zu haben. Glaubt – denn Vergünstigungen zahlen sich in erster Linie für die Hoteliers und Anbieter solcher Packages aus. Das haben auch drei Jungunternehmer aus Thun entdeckt. Diesen Frühling lancieren sie die Schweizer Hotelcard, eine Art Halbtax für Übernachtungen. Die Karte kostet 95 Franken jährlich und ermöglicht dem Kunden, in verschiedenen Schweizer Hotels zum halben Preis zu nächtigen. Ziel der 2009 gegründeten Hotelcard AG ist, schweizweit 300 Häuser für dieses Angebot zu gewinnen. Was der Gast bei der Buchung nicht sieht: Die Hoteliers stellen ihre Zimmer nur an bestimmten Tagen zur Verfügung. Das ermöglicht den Betreibern, die Zimmer auch während harzigen Zeiten auszulasten. Wer bei Hotelcard mitmacht, muss mindestens während 90 frei wählbaren Tagen im Jahr zwei Zimmer anbieten. Dabei gilt der 50-Prozent-Rabatt auf die Zimmer und nicht auf die Anzahl Gäste. Gebucht wird über www.hotelcard.ch. «Wir rechnen mit 50000 Online-Besuchern im Monat», sagt Geschäftsführer Fabio Bolognese. Pro Jahr will seine Firma so 60000 zusätzliche Hotelübernachtungen in der Schweiz erzielen.
Hotels wie Gäste profitieren von den Sonderangeboten
Auch im Premium-Bereich buhlt man mit Vergünstigungen um die Gunst der Gäste. So wirbt der Club Prestige telefonisch bei Privaten wie Geschaftskunden für neue Mitglieder. Members erhalten etwa mehrere Gratismahlzeiten, kostenlose und -reduzierte Übernachtungen sowie Konferenzräume zu rabattierten Konditionen in bestimmten Luxushäusern. Der Club ist schweizweit aktiv. Mitglieder profitieren von Angeboten im Haupthotel und in Partnerbetrieben im In- und Ausland.
Catherine Binggeli führt den Luxus-Club und ist hierfür vom Hotel Lausanne Palace & Spa angestellt. Das Memberhotel hat auch die meisten Club-Mitglieder, laut Managerin rund 1500 Personen. Diese bezahlen den jährlichen Betrag von 680 Franken. Der Club existiert zu geringeren Preisen auch in Neuenburg, Vevey und in Luzern mit entsprechenden Haupt- und Partnerhotels. «Mit den Rabatten schreibt das Hotel keinen Verlust», so Binggeli. Ist der Personalaufwand für das Telefonmarketing beglichen, fliessen die restlichen Beiträge in den F&B-Bereich des Hotels. «Die Kosten sind längst gedeckt.»
Software, um die Gutscheine zu verwalten
Lukrativ für Hotel- und Gastrobetriebe sind auch Gutscheine. Das weiss Hans Ulrich Gerber, Betriebswirtschafter und Geschäftsführer von Idea Creation GmbH, die er mit seinem Sohn, einem Informatiker, 2008 gründete. 20 Jahre hat Gerber ein 4-Sterne Hotel in der Region Bern geführt. Aus eigener Erfahrung und im Austausch mit Kollegen stellte er immer wieder fest: Das Potenzial von Gutscheinen im Hotel- und Gastrobereich ist gross – die Handhabung aber oft chaotisch. Seine Firma hat deshalb ein Gutscheinsystem namens «E-Guma» entwickelt, eine Software, die den Betreibern die Online-Verwaltung mit Gutscheinen vereinfachen soll. Zudem unterstützt Gerbers Firma die Hotel-und Gastro-Häuser in der Buchhaltung, erstellt Statistiken und sammelt Kundendaten.
Die Nachfrage an Gutscheinen steige stets, sagt Gerber. «Die Leute besitzen heute fast alles. Mit einem Gutschein ist ein Beschenkter freier in der Auswahl.» Bei manchen mache der Verkauf von Gutscheinen bis zu 10 Prozent vom Gesamtumsatz aus, «teilweise Beträge in Millionenhöhe». Zudem sei es ein offenes Geheimnis, dass 20 bis 40 Prozent aller bezahlten Gutscheine nie eingelöst werden. Nach seinen Angaben steht Gerbers Firma kurz vor dem Durchbruch. Man sei derzeit mit rund 50 Hotels, Ketten und Tourismusverbänden im In- und Ausland im Gespräch. Das Büro verwaltet bereits die Online-Tickets und Gutscheine für den Europa-Park in Rust. Auch das «Ferienart» in Saas-Fee und weitere Hotels setzen auf Gerbers Gutscheinsystem und Marketing-Tool. Neuster Kunde ist das «Seedamm Plaza» in Pfäffikon am Zürichsee, das nun mit einer vernetzten Lösung mit Micros Fidelio online ist. Die Software, inklusive Betreuung, kostet je nach Aufwand zwischen 2000 und 5000 Franken als Startpreis. Hinzu kommt eine Kommission zwischen 1,75 bis 3,75 Prozent auf jedem über das System gebuchten Gutschein. Ein Geschäft, das sich offenbar lohnt. Laut Geschäftsführer Gerber hat etwa das «Ferienart» in diesem Jahr bereits Gutscheine im sechsstelligen Bereich verkauft.
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