dolce vita
23.02.2012
Zwischen Kunst und Alltagspraxis
Das «Omnia» in Villeneuve.
Das «Omnia» in Villeneuve. (© zvg)
Hotelier Eric Fassbind und Architekt Maurizio Tempesta über die Beziehungen zwischen ihren Berufen und zur Frage, wie sich Praxis und Innovation vertragen.
alexandre caldara

In «Les grands hôtels en Asie. Modernité, dynamiques urbaines et sociabilité» von Thierry Sanjuan (Hg.) steht: «Dass sich Architekten wie Geografen für das Grand-Hotel-Thema interessieren, liegt wohl an der riesigen Skalenbreite dieser Häuser, von der Zelle bis zum Stadtbild.» Für Maurizio Tempesta vom Lausanner Architekturbüro Fastt ist Hotel- und Restaurantplanung «eine feine Materie, weil wir mit Qualitätsprofis arbeiten. Es ist dieselbe Sprache in einem anderen Kontext. Die Gartengestaltung kann zum Beispiel die Wirkung eines Panoramas verstärken.»

Für Eric Fassbind, Direktor der Fassbind Hotels, ist die Architektur entscheidend: «Mein Vater arbeitete in den 1960er-Jahren mit dem Architekten Justus Dahinden. Mein Bruder und ich haben seine Begeisterung geerbt. Ich bin selbst beinahe Architekt geworden und habe eine Architektin geheiratet. In den 1990er- Jahren hatten wir in Cornavin ein Projekt mit Jean Nouvel, das dann am Widerstand der Stadt gescheitert ist.»

Für den Hotelier ist das Hotel als Bauwerk «ein Event». Er liebt Baustellen und fährt oft zum Hotel Agora in Lausanne, das im Sommer eröffnet werden soll (Architekten: Devanthéry et Lamunière). In Zürich wird das Hotel Senator der Gruppe umgebaut: «Die Vorstellungen sind andere als in Lausanne. In der Deutschschweiz sind Details und Materialien wichtiger, in der Romandie die Ambiance und wie man sich darin bewegt.»

Die Fastt Architekten entwarfen 2009 das Pavillon-Restaurant Omnia in Villeneuve. Jetzt kommen das Restaurant du Vieux Pêcheur und Wohnungen dazu. Der Omnia-Pavillon wurde beim Westschweizer Architekturpreis 2010 und an der Woche der zeitgenössischen Architektur des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins vorgestellt. Den Pavillon präsentierten die Architekten als «grossen Raum mit einer Trägerstruktur aus Betonfertigelementen, die ihn wie ein Band einfasst und das Flachdach trägt». Es war ihnen wichtig, den Pavillon zwischen See und Strasse zu verankern. «Innen ist alles verglast. Es ist ein kompromisslos abstraktes Gebäude. Die Passanten lieben oder hassen es.» Die Architekten sollten gar überlegen, was die winzige Pavillon-Küche servieren könnte. «Wir fanden, Fisch-, Gemüse- und Fleischtartars wären praktisch und passten gut zum Gebäude», erinnert sich Maurizio Tempesta.

  
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