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22.03.2012
«Abgeben ist nicht einfach»
Ein Tag im Leben der Appenzeller Pionierin Gabriela Manser, Chefin der Mineralquelle Gontenbad AG. Sie hat das prickelnde Flauder kreiert.
Aufgezeichnet: Christine Künzler

Heute Morgen verlasse ich das Haus wie immer um 6.45 Uhr. Als ich mit meinem Auto wegfahren will, sehe ich, dass sich die Batterie entladen hat. Das hat zur Folge, dass ich heute etwas später im Büro eintreffe.

Als Erstes verschaffe ich mir einen kurzen Überblick. Um 9 Uhr steht meine erste Sitzung an: mit dem Betriebsleiter. Gleich anschliessend, um 10.15 Uhr, setze ich mich mit dem Verkaufsleiter zusammen und bespreche mit ihm die Entwicklung neuer Produkte. Zur Diskussion stehen auch die nächsten Schritte für das Zukunftsforum, das morgen stattfindet und an dem interne und externe Gäste teilnehmen. Wir besprechen dort traktandierte Themen und überlegen uns, in welche Richtung sich unser Unternehmen in den nächsten Jahren entwickeln soll. Unsere Diskussion dreht sich auch um die Kräuter, die wir anbauen lassen. Wir machen uns Gedanken, wie wir sie sinnvoll nutzen können. Heute sind die Kräuter Ingredienzen des Flauders und des Gorba Cola. Der Kräuteranbau war für eine kleine Firma wie die Gontenbad AG ein grosser Schritt, denn vorher hatten wir die Getränke lediglich produziert und abgefüllt. Nun übernehmen wir auch die Verantwortung für Ingredienzen. Wir mussten Kräuter-Bauern finden, abklären, welche Kräuter auf fast 1000 Meter gedeihen und hatten uns mit der Bodenbeschaffenheit auseinanderzusetzen, denn alle Kräuter sind in Bioqualität. Für mich ist der sorgfältige Umgang mit Menschen und der Umwelt sehr wichtig. Ich möchte, dass wir alles, was wir tun, gut machen, das sind wir den Menschen schuldig.

Um 11.30 Uhr sitze ich mit den Aussendienstmitarbeitenden zusammen. Mit ihnen esse ich auch zu Mittag. Um 14 Uhr nehme ich mir Zeit für die Englischstunde. Danach, 15.30 Uhr, steht die Sitzung mit der Leiterin des Innendienstes an. Thema ist der Mitarbeiter-Apéro, den wir jährlich durchführen. Dort nehmen von den Mitarbeitenden bis zum Verwaltungsrat alle teil und werden über die Unternehmensentwicklung informiert. Gleich danach stelle ich Unterlagen zusammen. Ich brauche sie für den Managementbericht, den ich für die Verwaltungsratssitzung fertig erstellt haben muss. Anschliessend bleibt Zeit für ein Gespräch mit meiner Assistentin. Wir bereiten zusammen die nächsten Tage vor. Dann arbeite ich meine Mails ab.

Um 19.30 Uhr ist für mich Feierabend. Qualität bedeutet, das richtige im richtigen Moment zu tun - und Freiräume zu schaffen auch für strategische Überlegungen und Kreatives. Deshalb möchte ich meinen Alltag so managen, dass mir auch Zeit bleibt, über andere Dinge nachzudenken.

Früher, in der Pionierphase, waren die Tage oft länger, weil da ganz viel Operatives zu meiner Arbeit gehörte. Jetzt, in der Professionalisierungsphase, ist es wichtig, die richtigen Leute und das Wissen in das Unternehmen zu holen. Für mich bedeutet das, abzugeben. Das ist aber nicht immer so einfach. Doch es ist entscheidend für die Weiterentwicklung des Unternehmens - und der angenehme Nebeneffekt ist, dass es mir immer besser gelingt, gelegentlich früher Feierabend zu machen. Letztlich geht es immer um Menschen, im Unternehmen und bei den Kunden und Lieferanten. Für sie lohnt es sich, sorgfältig zu sein und sich zu engagieren. Das macht auch Freude.»

 

Die Mineralquelle Gontenbad im appenzellischen Gontenbad ist eine der kleinsten der Schweiz. Die ehemalige Kindergärtnerin und Quereinsteigerin Gabriela Manser führt den Familienbetrieb seit 1999. Mit dem kalorien- armen Flauder schaffte sie den Durchbruch.

  
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