Bevor Werner Stoller mit Accor kooperierte, war sein Hotel zu 34 Prozent ausgelastet. «Damit lässt sich kein Hotel wirtschaftlich führen», sagt der Direktor des «Mercure Stoller» in Zürich. Heute beträgt die Jahresauslastung des Viersternehauses mit 80 Zimmern, einem Restaurant und Veranstaltungsräumen 84 Prozent. 78 Prozent des gesamten Buchungsvolumens läuft über das Buchungssystem. «Wir verkaufen die Zimmer, ohne dass wir auch nur einmal den Telefonhörer in die Hand nehmen», so Stoller. Das dynamische Pricing der Accor-Buchungsplattform bewähre sich, das Kundenbindungsprogramm A-Club entwickle sich «explosionsartig».
Die Schwierigkeit, «in einer wirtschaftlich nicht einfachen Zeit ein Einzelhotel genügend auszulasten», hatte Stoller vor sieben Jahren dazu bewogen, sich nach Kooperationsmöglichkeiten umzusehen. «Ich habe mir verschiedene Marken angeschaut und mich dann für Accor entschieden, weil ich mit Mercure am meisten Spielraum habe.» Bezüglich Infrastruktur musste er für Mercure nicht viel ändern, dort sind die Auflagen weniger strikt als etwa bei Ibis, wo die Zimmergrösse genau den Vorschriften entsprechen muss. Allerdings habe das Hotel strenge Kriterien erfüllen müssen, um überhaupt der Marke Mercure zu genügen. Auch im F&B-Bereich seien Anpassungen nötig gewesen.
Stoller liefert 6 Prozent seines Ertrags an Accor ab
Stoller musste sein Haus dem internationalen Reservationssystem anschliessen und weitere EDV-Anpassungen in der Soft- und Hardware vornehmen. Für das ganze Programm habe er pro Zimmer zwischen 800 und 900 Euro bezahlt, sagt der Hotelier. «Eintrittsgebühren und Pauschalen, wie sie bei anderen Franchisegebern üblich sind, verlangt Accor keine», so Stoller. «Wir bezahlen unserem Franchisegeber jeweils 6 Prozent unseres Ertrags.» In diesem Betrag enthalten ist vom Franchising über das Marketing bis zum Reservationssystem alles.
Die Nachteile des Franchisingsystems? Stoller: «Man muss immer mitmachen und alle Vorgaben einhalten.» Aussteigen kann man erst, wenn der Vertrag abgelaufen ist, nach fünf, zehn oder 15 Jahren. Und man müsse über den eigenen Schatten springen können. «Ich, der schon 30 Jahre in der Hotellerie bin, musste mir eingestehen, dass es Leute gibt, die gewisse Dinge besser und anders machen als ich.» Er habe aber gemerkt, dass er auch als Franchisenehmer seine Fähigkeiten in seinem Betrieb einbringen könne.
Accor will Marktführer sein im Hotel-Franchisegeschäft
«Die Kooperation mit Accor ist für mich eine absolute Erfolgsgeschichte», zieht er Bilanz. «Schade, dass ich diesen Schritt nicht schon zehn Jahre vorher gemacht habe.» Denn durch die Dynamik der Marke Mercure sei er anderen Hoteliers um eine Nasenlänge voraus. «Ich weiss schon sehr früh, was auf dem Markt gefragt ist.»
Accor will bis zum Jahr 2015 europäischer Marktführer im Hotel-Franchisegeschäft sein. Weltweit werden heute 1200 Accor-Hotels von Vertragspartnern geführt, In der Schweiz hat die Gruppe zurzeit vier Mercure- und zwei Ibis-Franchise-Partner. Weitere Franchise-Brands sind Etap-Hotel und neu die nicht standardisierte Economy Plus Marke All-Seasons.
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