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23.02.2012
Angriff auf Asien
Das künftige «Swiss International» in der chinesischen 2-Millionen-Stadt Xiamen.
Das künftige «Swiss International» in der chinesischen 2-Millionen-Stadt Xiamen. (© Bilder zvg)
Swiss International ist auf Expansionskurs im Ausland. Darunter leide der Service im Inland, sagt Hotelier Alexander Manz. Er will vom Vertragspartner Leistungen sehen.
katharina merkle

Welten liegen zwischen der Gründerzeit der damaligen Swiss International Hotels (SIH) und heute. Als Dominik Betschart die Kooperation 1981 gründete, wollte er primär einen Kitt schaffen unter den Schweizer Hoteldirektoren im Ausland. Im Zentrum stand der soziale Kontakt. Heute heisst das Unternehmen Swiss International Hotels & Resorts und preist sich seinen aktuell 30 Mitgliedern in Europa, dem Mittleren Osten und Asien als umfassender Dienstleister samt eigenem Reservierungssystem an. Die Firma mit Sitz in Gland VD gehört der Swiss International Hospitality Commons GmbH. Gesellschafter sind die holländische Kenmark Holding und das Schweizer Ehepaar Anne und Alain Cheseaux. Diesen gehörte die Vorgängergesellschaft SIH. Treibende Kraft bei Swiss International ist seit 2010 der Holländer Henri Kennedie (55). Ihm gehört die Kenmark Holding, er war Präsident und CEO der Golden Tulip Hospitality Group mit Sitz in Lausanne.

Während andere Schweizer Hotelkooperationen den Schwerpunkt im Inland haben, ist Kennedie mit seiner Swiss International auf Expansionskurs, am stärksten in China. Dort will die Firma in den nächsten fünf Jahren 25 bestehende Betriebe unter dem Brand «Swiss International» neu eröffnen, den ersten im April. Damit nicht genug. Letzte Woche hat Henri Kennedie seine neusten Pläne bekannt gegeben. Swiss International ist eine Kooperation mit Rockwood Associates LLC eingegangen: Swiss International werde für das US-Hospitality- und Tourismusunternehmen Hotels in Nepal, Bangladesh, Sri Lanka, Pakistan und auf den Malediven unter dem Brand Swiss International führen. Swiss International soll ein globaler Brand werden: als Kooperation, als Hotelmanagementgesellschaft und sogar als Eigentümer. «Auf diese Entwicklung sind wir sehr stolz», sagt Chef Henri Kennedie. Der Holländer ist überzeugt: Mit dem Image der zuverlässigen, sauberen, freundlichen Schweiz lässt sich ein gutes Geschäft machen. «Swissness kommt gerade in China sehr gut an. Sowohl bei den Kunden als auch bei den Hotel-Besitzern», sagt Kennedie.

Noch halb so viele Hotels in der Schweiz

Im Heimmarkt ist die Firma viel schwächer vertreten. In der Schweiz befinden sich neun der 30 Vertragspartner. Gemäss dem langjährigen Ex-Verwaltungsratsmitglied Beat Anthamatten waren es bis vor der Neuausrichtung noch doppelt so viele. Die Schweizer Gruppe Manz Privacy Hotels ist im Oktober 2011 eine Partnerschaft mit Swiss International eingegangen: für das «Euler» in Basel, das «St. Gotthard» in Zürich und das «Continental» in Lausanne. Die Manz-Gruppe übernahm das firmeneigene Reservationssystem von Swiss International (Swiss-Rez), das war eine Bedingung für die Zusammenarbeit. Vereinbart waren auch Leistungen beim Marketing und beim Revenue Management. Vorher waren die Manz Privacy Hotels bei der amerikanischen Preferred Hotel Group. «Wir wollten aber einen Partner, der sich lokal konzertiert und nicht in erster Linie ein Global Player werden will», begründet Alexander Manz den Wechsel zu Swiss International.

Inzwischen ist bei Manz Ernüchterung eingekehrt. «Viele Leistungen sind noch nicht ausgereift, die Betreuung lässt zu wünschen übrig.» Henri Kennedie habe der Manz-Gruppe eine starke Partnerschaft versprochen - bisher sei es aber bei Worten geblieben, nun müssten Taten folgen, sagt Manz. Er hat den Eindruck, dass sich Swiss International sehr stark mit der globalen Expansion beschäftigt und dabei der Heimmarkt zu kurz kommt. Eine Expansion sei zwar anzustreben, denn als Brand habe Swiss International im Ausland durchaus Potenzial. Doch das Image hänge in erster Linie mit den Leistungen zusammen, die man den Kunden anbietet. «Erst wenn das stimmt, kann man wachsen», so Manz.

Manz-Gruppe will Zusammenarbeit evaluieren

Wird der Service in den nächsten Monaten nicht deutlich besser, wird die Manz-Gruppe die langfristige Zusammenarbeit nochmals evaluieren. Vertraglich hat sie sich bis Herbst 2013 an die Firma gebunden.

Das «Ferienart» in Saas Fee ist seit 2011 nicht mehr bei Swiss International. Hoteldirektor Beat Anthamatten begründet: «Die Ausrichtung der Firma hat nicht mehr den Bedürfnissen unseres Ferienhotels entsprochen.» Obwohl der Walliser von 1990 bis 2010 im Verwaltungsrat von Swiss International sass, zieht er heute den «persönlichen und hocheffizienten» Service der Kooperation Swiss Private Selection vor. Auch im Ausland gibt es Hotels, die zu einer kleineren Kooperation gewechselt haben: Das «Victoria» in Rom und die «Villa Margherita» auf Sardinien sind jetzt bei Swiss Premium Hotels (siehe auch «Schweizer Direktoren im Ausland ein Muss»). Die Abgänge will CEO Henri Kennedie nicht kommentieren, da sie teilweise vor seinem Firmeneintritt 2010 stattgefunden hätten.

Bei Swiss International haben die wenigsten Hoteldirektoren und -besitzer im Ausland einen direkten Bezug zur Schweiz. «Die Schweiz bildet sehr gute Hotelfachleute aus. Genauso gute kommen aber aus anderen Ländern, etwa der USA oder meinem Heimatland Holland», sagt Kennedie. Schweizer Qualitäten wie Effizienz, Genauigkeit, Innovation, Höflichkeit, Antizipation, Ethik, Engagement und Nachhaltigkeit liessen sich dennoch konsequent durchsetzen, ist er überzeugt.

  
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«Swissness kommt gerade bei den Gästen in China gut an.» Henri Kennedie, CEO Swiss International.
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