Sicher ein Dutzend gastgewerblicher Betriebe rund um den Thunersee wechselten in den letzten Jahren in die Hände von Asiaten: Chinesen, Koreaner, Inder aber auch Russen sind die neuen Eigentümer. Gekauft wurde in allen Grössen und allen Sterne-Kategorien: Die meisten Objekte tragen drei oder vier Sterne, aber es gibt auch solche ohne Sterne unter den Kaufobjekten bis hin zu kleinen Gastronomiebetrieben. Warum dieses gesteigerte Interesse asiatischer Investoren an der Region Thunersee? René Klopfer, Präsident des Interlakner Hotelier-Vereins, vermutet den Grund in zwei Tatsachen, die gerade in dieser Region zusammentreffen: Zum einen sei der Bekanntheitsgrad der Region Thunersee bei Asiaten «immens hoch», zum anderen hätten viele Betriebe ein Nachfolgeproblem. «Unsere Region ist nur eine Sommerdestination, die Überlebensfähigkeit vieler Betriebe nicht so gross.» Da kämen solche Kaufinteressenten aus dem asiatischen Raum , die hier einen sicheren Hafen für ihr Kapital sähen, gerade recht.
Hotel-Übernahme nicht immer von Erfolg gekrönt
Nicht immer jedoch verläuft so eine Übernahme glücklich. Beispiel Hotel Hirschen in Gunten, bei dem Investitionen anstehen und das zurzeit geschlossen ist: «Die Inder, die das Objekt gekauft haben, haben sich völlig überschätzt», meint Klopfer. Das Gleiche beim Gasthof Unspunnen, ebenfalls geschlossen seit Ende letzten Jahres. Es mangle den fernen Käufern oft an Kenntnis der Lage und der Branche.Tourismusdirektor Stefan Otz konstatiert, dass der Direktionswechsel in von Asiaten übernommenen Hotels zudem überproportional hoch ist. Die Zusammenarbeit seitens der Tourismusorganisation mit diesen Hotels erschwere sich dadurch spürbar: «Strategien und Pläne der ausländischen Hotelbesitzer sind wenig bekannt und schwer fassbar.»
In anderen für Asiaten typischen Ferienregionen der Schweiz kennt man diese verdichtete Übernahme von Hotels durch Asiaten nicht, zeigt eine Umfrage der hotel revue bei den Regionalverbänden von hotelleriesuisse. Für den Hotelimmobilienmakler John Moederle, Silsila S.A. mit Sitz in Genf, ist das wenig erstaunlich: «Die Asiaten kennen den europäischen Markt zu wenig.» Die meisten Hotels verkaufe er an Schweizer und Europäer. Aber es gebe Ausnahmen: Ende 2011 vermittelte er das Hotel Chalet Grace in Zermatt an einen Russen.
In Engelberg ist man froh über die chinesische Investition
Ebenfalls Ende Jahr verkaufte nach 25 Jahren die Familie Leibrecht aus Deutschland ihren Europäischen Hof Hotel Europe in Engelberg an einen Chinesen: an Yunfeng Gao, Besitzer eines grossen Technologieunternehmens in China. Gao, der den Europasitz seiner Firma nach Engelberg legte, ist der Investor beim Hotelprojekt am Kurpark, wo ein Fünfsternehaus entstehen soll. Für Hoteldirektor Thomas Dittrich hat der Handwechsel grosse Vorteile: Das historische Hotel bleibt erhalten und und bildet einen wichtigen Teil des Gesamtkonzepts im Rahmen des nun ausgeschriebenen Architektur-Projektwettbewerbes. In indische Hände kam in Engelberg vor gut drei Jahren das Hotel Central. Ansonsten hätten in den letzten Jahren Skandinavier kleinere Häuser übernommen, die sie auch selbst führen, so Thomas Dittrich.
Siehe auch oben rechts «Übersichtskarte Interlaken, Region Thunersee, Hotels und asiatische Besitzer.»
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