Die Marke «Urlaub am Bauernhof» steht in Österreich seit gut zwanzig Jahren für Ferien in ländlicher Umgebung. Die Philosophie beruht auf «lebendigen Bauernhöfen mit Tieren, Leben in natürlichen Kreisläufen, selbstgemachten Produkten sowie einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis». Dank klarem Konzept und konsequenter Markenentwicklung wurde das Angebot laufend verbessert und klar positioniert. Dem 1991 gegründeten Marketingverbund «Urlaub am Bauernhof» (UaB), einem der erfolgreichen «Urlaubsspezialisten» der Österreich Werbung, gehören 2900 Ferienbauernhöfe mit 37400 Gästebetten in allen Bundesländern ausser Wien an.
Segmentierung: Vom Baby- bis zum Gesundheitsbauernhof
Seit 1993 sind alle Mitgliedsbetriebe qualitätsgeprüft und mit 2, 3 oder 4 Blumen ausgezeichnet. Für 9 von 10 befragten UaB-Gästen ist diese Klassifizierung wichtig bis sehr wichtig für ihre Urlaubsentscheidung. Überprüft wird die Qualität des Gesamtangebotes in den Bereichen Bauernhof, Ausstattung und Service.
Ein Landurlaubsbett ist im Schnitt 110 Tage voll belegt (davon 64 in der Sommersaison und 46 im Winter). 1991 waren es 90 Vollbelegstage. Der Umsatz pro Bett stieg im gleichen Zeitraum von 1179 auf 2689 Euro, die Durchschnittstagespreise pro Person erhöhten sich von 13 auf 25 Euro.
Seit 1996 werden bundesweite Themenangebote vermarktet. Für Baby- und Kinderbauernhöfe, Bio- und Gesundheitsbauernhöfe, Reiterbauernhöfe oder Höfe für Rollstuhlfahrer gibt es Kataloge mit eigenen Vermarktungsschienen, ebenso für Winzerhöfe (Niederösterreich, Burgenland und Steiermark) sowie Berghütten und Almen (Tirol). Bemerkenswert, so UaB-Geschäftsführer Hans Embacher, ist die grosse Aufgeschlossenheit der bäuerlichen Betriebe gegenüber den Neuen Medien. Die gemeinsame Internet-Plattform www.UrlaubamBauernhof.at besteht seit 1998. Inzwischen verfügen 2600 UaB-Mitglieder über eine eigene Homepage, bereits 1000 Betriebe sind online über das Internet buchbar, der Online-Buchungsumsatz erhöhte sich 2009 um 72 Prozent. Örtliche oder regionale Zusammenschlüsse ermöglichen ein umfangreicheres Angebot. «Damit werden die Schwächen der kleinbetrieblichen Struktur verringert und der persönliche Kontakt zu den Gästen bleibt gewahrt», erklärt Embacher.
Ein starkes Markenprofil soll das Angebot optimieren
Erst kürzlich hat der rührige Verband ein Strukturpapier für die nächste Dekade bis 2020 erarbeitet: Mit einem noch schärferen Markenprofil will «UaB» in den nächsten Jahren das qualitätsgeprüfte Angebot optimieren und damit auch zum Fortbestand der österreichischen Landwirtschaft beitragen. Unter anderem sollen eine neue 5-Blumen-Kategorisierung und ein vereinfachtes Buchungssystem die typischen Bauernhof-Besucher – Familien mit Kindern, Paare und naturverbundene Senioren – einfach zum gewünschten Ziel führen. Die Mitgliedsbetriebe sollen von verstärkten Leistungen des Verbands in Qualitätsmanagement, Markenführung, Internet-Vertrieb und Beratung profitieren.
Die Wirkung der bäuerlichen Vermietung auf die Belebung ländlicher Regionen ist erheblich. Die Tagesausgaben der Gäste im ländlichen Raum summieren sich auf 1,2 Milliarden Euro jährlich, wovon etwa die Hälfte auf den Bauernhöfen verbleibt. Damit werden rund 23000 Arbeitsplätze gesichert.
Auch das traditionelle Gastgewerbe profitiert. «Viele Österreich-Besucher machen Urlaub am Bauernhof, nützen aber gleichzeitig das Angebot der gewerblichen Freizeitbetriebe, gehen zum örtlichen Wirt oder ins Restaurant», veranschaulicht Tourismus-Spartenobmann Hans Schenner die Verflechtung von Tourismus und Landwirtschaft. UaB ist seit 1993 Mitglied beim Europäischen Verband für Bauernhof- und Landtourismus und kooperiert mit den europäischen Partnerorganisationen. Zu den Nachbarorganisationen in Deutschland, in der Schweiz und in Südtirol gibt es freundschaftliche Kontakte und einen regelmässigen Erfahrungsaustausch.
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