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2.02.2012
Der Investor schweigt
Hinter den «Swiss Dreams Hotels» stehen indische Investoren mit einem Faible für ehemalige Traditionshäuser. Zwei ihrer fünf Hotels serbeln hinter geschlossenen Türen dahin. Die Besitzer lassen sich nicht in die Karten blicken.
Virginia Nolan

Swiss Dreams Hotels» - der Name verspricht Postkartenidylle. Den Eindruck bestätigt der Klick auf die Internetseite des Unternehmens, das «traditionelle Schweizer Gastfreundschaft» anpreist. Hinter der Marke «Swiss Dreams» steht eine indische Gruppe, die schon ein paarmal von sich reden machte. Neben zwei Hotels in Walzenhausen und St.Gallen gehören ihr seit 2006 auch das «Du Nord» in Interlaken und der «Hirschen» in Gunten. Im letzten Jahr kam noch das «Bellevue Bären» in Krattigen hinzu. Gemein ist den meisten dieser fünf Häuser, dass sie an einer überaus attraktiven Lage stehen und ihre repräsentative Architektur an die Glanzzeiten der Schweizer Hotellerie erinnert. Welche Pläne die «Swiss Dreams Hotels» mit den Betrieben hegt, ist allerdings unklar. Insbesondere, wenn es um den «Bären» und den «Hirschen» geht. Letzterer ist seit vier Jahren geschlossen, offiziell wegen Renovierung. Die Baubewilligung dafür wurde 2009 erteilt. Die Inder verwarfen ihr Umbauvorhaben, weil sich der zuständige Architekt in den Kosten verschätzt hatte; der Umbau hätte das Doppelte der geplanten 10 Millionen gekostet. Ein Folgeprojekt blieb aus.

«Bären» bleibt weiterhin geschlossen

Auch beim «Bären» in Krattigen, den die Inder im August für rund 1,7 Millionen Franken ersteigerten, steht man vor verschlossenen Türen. «Wenn man wollte, hätte man das Haus schon lange wieder öffnen können», findet Christian Kummer, Gemeindepräsident von Krattigen. «Wir kennen die Pläne der Besitzerschaft nicht. Wir haben sie angeschrieben, damit wir die Sache besprechen können. Leider hören wir nichts.» Krattigen vermisst sein grösstes Hotel, im Ort fehlen die 50 Betten. «Schade, dass man keinen einheimischen Investor berücksichtigt hat», findet Kummer. «Von denen gab es einige. Aber keiner konnte mehr zahlen als 1,4 Millionen Franken.»

Durchgeführt hat die Versteigerung des «Bären» Marius Holtkott. Er hatte bis zum Verkauf an die Inder den «Hirschen» geführt, als Familieneigentümer in siebter Generation. Tut es nicht weh, dieses Familienerbe verlottern zu sehen? Holtkott will dazu nicht viel sagen. «Es ist kein Geheimnis, dass sich kaum Schweizer Investoren finden lassen», sagt er, «und wenn ich die Entwicklung der Schweizer Hotellerie beobachte, war mein Entscheid, das Haus zu verkaufen, richtig.» Auf die Frage, was mit dem Hotel Bären geschehen wird, weiss Holtkott keine Antwort. «Ich war für die Versteigerung zuständig», sagt er, «wenn ich mehr Informationen bekomme, gebe ich sie gerne weiter. Ich weiss aber nichts.»

Das Hotel Hirschen soll wieder verkauft werden

Was haben die Inder mit zwei geschlossenen, serbelnden Häusern vor? Man lässt sich nicht in die Karten blicken. «Über unsere Strategie sprechen wir nicht», sagt Christian Abplanalp, Treuhänder und Mitglied im Verwaltungsrat der «Swiss Dreams Hotels». Etwas weniger wortkarg gibt sich Nusrath Khawaja, ein Koordinator des Unternehmens. «Den ‹Bären› haben wir vor wenigen Monaten gekauft», sagt er, «da ist es zu früh, über Pläne zu sprechen.» Mit dem «Hirschen» in Gunten habe man Grosses vorgehabt. Aber die Sache habe sich durch die Vorgaben des Denkmalschutzes so kompliziert und langwierig gestaltet, dass man «Interesse und Nerven» verloren habe. Zudem seien die Banken heutzutage zurückhaltend in der Kreditvergabe. Nun wolle man den «Hirschen» verkaufen, sagt Khawaja, «leider gibt es bisher keine Interessenten.»

Bei «Swiss Dreams Hotels» einchecken kann, wer nach Walzenhausen, St.Gallen oder Interlaken geht. Ob die Gruppe in laufende Betriebe mehr investiert als in die zwei sich im Dornröschenschlaf befindlichen Häuser, bleibt offen. Garry Lock, Direktor des «Du Nord» in Interlaken, musste seine Aussagen, die er gegenüber der «hotel revue» zum Thema Investitionen machte, auf Geheiss des Verwaltungsrates zurückziehen.

  
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