Beide sagen das Gleiche: «Wir führen eine gute Beziehung.» Stolpersteine? Beide verneinen dezidiert. Als Leistung will das Marianne Messerli jedoch nicht verstanden wissen. «Ich bin dankbar, dass es so gut funktioniert», sagt sie. «Man muss auch Glück haben», sagt Herbert Messerli. «Die Familie und der Betrieb stehen unter einem guten Stern». Und: «Man schläft, wie man sich bettet.»
Kennen gelernt haben sich Messerlis im Hotel International, dem heutigen Swissôtel in Oerlikon. Sie stand dort an der Réception, er war F&B Manager. Gefunkt habe es nicht sofort, erinnern sie sich. Das Hotel war gerade in der Eröffnungsphase und Herbert Messerli habe «während dieser Zeit kein Privatleben führen können. Deshalb dauerte es relativ lange, bis wir uns gefunden hatten».
Marianne Messerli erinnert sich noch gut an den Heiratsantrag ihres späteren Ehegatten. «Er fragte mich, ob ich bereit sei, mit ihm ein Hotel zu führen.» Sie hat ja gesagt - unter der Bedingung, zu ihrer Handels- und Bäuerinnenschule auch noch eine Hotelfachschule absolvieren zu können. Auch in der Kinderfrage waren sie sich bald einig: Entweder keine oder viele. Sie entschieden sich für Zweiteres, haben sechs Kinder, eine Tochter und fünf Söhne grossgezogen. Beide freuen sich, dass sie heute eine sehr gute Beziehung zu ihrer erwachsenen Tochter und ihren Söhnen pflegen dürfen.
Klare Regeln und eine Trennung von Geschäfts- und Privatleben
Beide betonen - unabhängig voneinander - wie wichtig es ist, Geschäftliches und Privates zu trennen. So haben Messerlis denn schon als die Kinder noch klein waren, Regeln aufgestellt: «Sie durften mit den Kindern der Gästen spielen, sie jedoch nicht in das Hotelzimmer begleiten und sie auch nicht zu sich nach Hause nehmen», erklärt Marianne Messerli. Örtlich sind und waren Arbeitsplatz und Privatwohnung getrennt, damit die Kinder ausserhalb des Hotels aufwachsen konnten. Das erachten Messerlis als ganz wichtig. «Man muss sich zurückziehen können. Die familiäre Zelle ist das A und O, ist ein Heiligtum», findet Herbert Messerli. Die Wohnung liegt knapp 200 Meter vom Hotel entfernt, also nah genug, um die Kinder problemlos in den Betrieb zu integrieren.
«Wir hatten nie ein Kindermädchen», hält Marianne Messerli fest. «Wir organisierten uns so, dass immer jemand bei den Kindern war.» Eine solche Arbeitsaufteilung sei nur in der Hotellerie möglich. Die ersten 13 Jahren hatten Messerlis denn auch nur «die kleine Krone» von Herbert Messerlis Eltern zu führen, der grössere Hotelteil kam erst später dazu. Als die Kinder dann schulpflichtig waren, hätten diese sich gegenseitig beaufsichtigt und miteinander gespielt. «Sie waren immer beschäftigt», erinnert sich Herbert Messerli. Einerseits im Hotel, wo sie ganz natürlich und dem Alter entsprechend mitgearbeitet hätten, andererseits im kleinen Zoo, den Marianne Messerli für ihre Familie und ihre Gäste realisiert hatte. Auch heute helfen die Kinder mit. «Wenn wir etwa die Jazz-Tage durchführen, kommen die Kinder nach Hause. Da steht dann der Anwalt an der Réception.» Zwei von den Messerli-Kindern haben eine Hotelfachschule absolviert und sind in grossen Hotels tätig. Ob sie den elterlichen Betrieb dereinst übernehmen werden, «steht in den Sternen».
Jedem das Seine - Kompetenzen werden klar eingehalten
Auch die Arbeitsbereiche haben Messerlis strukturiert. «Jeder von uns hat seinen klar definierten Bereich», sagt das Ehepaar. Sie ist für die Bereiche Hauswirtschaft, Réception und Büro zuständig, er für Gästebetreuung, Service, Küche und Marketing. «Jedes von uns hält sich an diese Kompetenzen, und wir vertreten die auch klar gegenüber unseren Mitarbeitenden.» Diese festgelegte Abgrenzung sei wichtig, um zu verhindern, gegeneinander ausgespielt zu werden. Sie und er entscheiden denn auch selbstständig in ihren Bereichen. Nur in wichtigen Dingen werde gemeinsam beschlossen.
Wichtig für eine gute Beziehung, sagt Herbert Messerli, sei auch gegenseitiges Verständnis, Grosszügigkeit und Akzeptanz. Und beide sollen ihren Freiraum haben können. So sei er dank seinem Pilotenbrevet früher oft mit dem Flugzeug unterwegs gewesen - zusammen mit seinen Kindern. Und als Major war er häufig im Militär. Dafür nimmt sie teil an Frauenläufen. Trennungsgedanken? «Niemals, ich wusste genau, dass ich ohne meine Frau aufgeschmissen wäre.»
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