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02.09.2010
Die Wärme kommt vom Berg
Auf dem Muottas Muragl wird  fleissig umgebaut: Bis zur kommenden Wintersaison soll das  Romantik-Hotel  fertig sein.
Auf dem Muottas Muragl wird fleissig umgebaut: Bis zur kommenden Wintersaison soll das Romantik-Hotel fertig sein. (© zvg)
Nicht nur als Romantik-Hotel in dieser Höhe wäre es eine Ausnahme. Muottas Muragl ist auch völlig energieautark.
Gudrun Schlenczek

Von Muottas Muragl auf 2456 Meter Höhe hat man einen atemberaubenden Blick übers Oberengadin, auf fünf Seen und auf St.Moritz. Deshalb soll hier auch Besonderes entstehen: 16 Hotelzimmen werden ab kommender Wintersaison die Mehrbettzimmer ablösen. Die Besitzerin, die Bergbahnen Engadin St.Moritz AG, hat die Mitgliedschaft bei den Romantik-Hotels beantragt und strebt bei der hotelleriesuisse-Klassifikation die Kategorie «Unique Hotel» an. Das passt zum bereits bekannten Gourmet-Restaurant (60 Sitzplätze). «Bisher war der Sprung zwischen Küchenniveau und Übernachtungsstandard zu gross», erklärt Architekt Oliver Caduff von der für das Projekt beauftragten Fanzun AG. Das Gourmetrestaurant erhält endlich eine eigene Terrasse (100 Sitzplätze). Und für die Wanderer, die nicht auf Gourmetniveau speisen wollen, gibt’s in Zukunft eine separate Verpflegungsmöglichkeit: Einen Freeflow mit 160 Sitzplätzen. Damit nicht genug. Muottas Muragl wird im Minergie-Standard erstellt und ist das erste energieautarke gastgewerbliche Gebäude Graubündens. Bis anhin wurde die Wärme mit einer Ölheizung erzeugt. Rein finanziell lohne sich die Umstellung zwar heute noch nicht, so der Leiter Gesamtgastronomie der Bergbahnen, Christian Meili. Doch: «Auf lange Sicht macht der Öltransport auf den Berg keinen Sinn.»

Höherer Strombedarf wird total mit Photovoltaik gedeckt
Nach dem Umbau stammen sowohl Strom als auch Wärme aus erneuerbaren Energiequellen. Die meiste Wärme wird die Solarthermie liefern: Via Röhrenkollektoren, die sich einmal nicht auf dem Dach befinden, sondern vor der Südwestfassade des Sockelgeschosses. Selbst aus den Fenstern der sporadisch genutzten Personalzimmer und des Aufenthaltsraums für die Anreisenden blickt man durch die 10 cm Durchmessser messenden Röhren. Allerdings könne man durch diese gemäss Caduff hindurchsehen. Für wetterunabhängige Wärme sorgen 24 bis 150 Meter in den Berg hineinführende Erdsonden.

Die Stromversorgung stellt eine Photovoltaikanlage sicher. Auch diese ist nicht wie sonst üblich auf dem Dach sondern entlang der Bahntrasse montiert: Vom Berghotel aus gesehen auf einer Länge von rund 150 Metern bis zur Waldgrenze. Eine Anlage mit hoher Energieeffizienz: Denn während der Heizenergiebedarf des umgebauten Hotel-Restaurants dank Minergie-Standard fast auf einen Fünftel gesunken ist,rechnet man damit, dass der Elektrizitätsbedarf sogar um rund 50 Prozent steigen wird. Grosse Verbraucher sind dabei die Küche, die neu mit einem Induktionsherd ausgestattet wird, aber auch die Wärmepumpe. Gespeichert wird der Sonnen-Strom in Batterien. Und wenn der Strom mal nicht reicht, wird dann doch bei der Bergbahn angezapft? «Das ist nicht das Ziel», betont Caduff.

Es wird mehr investiert als ursprünglich geplant
Im Zuge der ehrgeizigen Pläne hat man den finanziellen Rahmen erweitert: Statt der angedachten 10 bis 12 Mio. Franken werden die Bergbahnen Engadin St.Moritz AG nun 20 Mio. Franken investieren müssen. Seit April läuft der Bau auf Hochtouren. Alle Anbauten wurden abgerissen, nur das Haupthaus von 1907 bleibt auf einem Natursteinsockel, in welchem unter anderem Lagerräume untergebracht werden. Am 18. Dezember will man die ersten Gäste empfangen.

  
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Entlang der Bahntrasse wird aus Sonnenenergie Strom gewonnen. <nobr>   (© zvg)</nobr>
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