Alois Wilfling, Sie sind 2008 für Ihren Themenweg «Tod in der Rosslochklamm» mit dem ersten Preis für den kreativsten Erlebnisweg Österreichs ausgezeichnet worden. Was ist so speziell an diesem Konzept?
Wir haben uns vom herkömmlichen Weg der Umsetzung komplett gelöst. Das heisst, wir haben von der belehrenden, direkten hin zu einer interaktiven und zeitgemässen Form gewechselt. Wir versuchen, die Kunden ernst zu nehmen und auf sie einzugehen.
Welche Elemente machen einen Erlebnisweg erfolgreich?
Eines der wichtigsten Elemente ist Humor. Bei allem gebotenen Ernst ist es wichtig, einen Zugang zu schaffen, der den Menschen Freude macht. Neben dem Humor sind es die technischen Dinge, die Art der Umsetzung und die sensorische Aufbearbeitung. Mit Hilfe der technischen Mittel muss sich eine interaktive Kommunikationssituation ergeben, so dass die Besucherinnen und Besucher mit dem Angebot sofort in Kontakt treten können.
Wie schaffen Sie es, Kinder zu begeistern?
Das ist das Einfachste der Welt, solange wir es nicht so tun, wie wir es in unserer heutigen Gesellschaft gewohnt sind. Bei den Hühnern wissen wir, dass eine Käfighaltung falsch ist, dass sie eine artgerechte Haltung brauchen. Bei Kindern wissen wir das offenbar noch nicht. Die Wissensvermittlung in der Schule erinnert an eine Legebatterie und die bietet dem Potenzial der Kinder ungenügend Raum. Kindern etwas zu vermitteln ist einfach, weil sie wissbegierig, neugierig und offen sind und Freude am Lernen haben. Ein Kind erreicht man, wenn man ihm authentisch gegenübertritt und es respektiert.
Welche Themen interessieren Sie generell?
Berufsbedingt sind dies Themen im Bereich Natur. Wir vermitteln nie rein biologisches Wissen, soziale Komponenten sind uns ebenso wichtig. Als wir das Konzept des Erlebnisweges Rosslochklamm präsentierten, wurde es im ersten Moment abgelehnt, weil es den Tod thematisiert: Es geht um Leben und Sterben in der Natur. Wir hätten auch einen klassischen Lehrpfad gestalten können, der den Baum vom Keimen bis zum Abbau durch Pilze gezeigt hätte. Doch das war nicht unser Ansatz. Wir brachten Komponenten herein wie Psychologie, Mythologie und Rituale.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Themenweg gestalten?
Meine erste Reaktion ist jeweils mit etwas Spass verbunden: Machen Sie keinen Themenweg, es gibt schon so viele, sage ich meinem Auftraggeber. Denn statt eines klassischen Themenwegs, wie es ihn zu Tausenden gibt, mache ich lieber keinen. Die Konzepte der letzten Jahre haben ausgedient. Wenn wir an ein Konzept herangehen, hören und fühlen wir uns erst einmal in ein Thema ein. Was ist stimmig für diesen Ort? Was kann ich meinem Auftraggeber und meinen Kunden bieten? Es darf nicht nur um ein vordergründiges Dekorieren gehen, und auch nicht nur darum, ein zusätzliches Angebot zu haben. Die Besucher sind intelligent und merken sofort, wenn es sich lediglich um eine Fassade handelt. Das Ganze muss durchdacht sein, Inhalte bieten und Menschen berühren.
Was bringen Ihre Wege den Destinationen aus wirtschaftlicher Sicht?
Für den Erlebnisweg Rosslochklamm gibt es noch keine Besucherstatistik, das Monitoring läuft erst an. Es zeigt sich jedoch, dass das Projekt der Region einen starken Impuls bringt. Ohne jegliche Werbung sahen sich nach der Eröffnung im August 2008 in den ersten beiden Monaten rund 10000 Besucher den Erlebnisweg an. Das Projekt ist ein Selbstläufer und funktioniert allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Solche Themenwege sind besonders attraktiv für Regionen mit Outdoortourismus-Angeboten.
Welches ist für Sie der beste Erlebnisweg?
Schwierig zu sagen. Ich habe mir an die 150 Wege angesehen. In Lettland war ich auf einem wunderschönen Weg, der reduziert aufbereitet war und durch herrliche Moore führt. Er hat mir gut gefallen. Viele Wege beschränken sich leider nur auf Schilder. Aus Untersuchungen weiss man, dass der Mensch nur wenige Sekunden vor einem Schild verweilt.
Welche Erlebniswege realisieren Sie in den nächsten Monaten?
Wir haben Projekte in der Umsetzung, weitere stehen noch in den Sternen. Ende Juli wird der Erlebnisweg «Der wilde John» im Nationalpark Gesäuse eröffnet. Die Geschichte handelt von einem Riesen. Dieser steht für einen unberührten Wildbach, der später mit Beton hart verbaut wurde. In der Geschichte wird der Riese John von habgierigen Zwergen gefangen genommen. Auch fünf schräge Prinzessinnen spielen eine Rolle. Später wird John wieder befreit. Wir gingen der Frage nach, wie sich ein Wildbach fühlt, der so eingeengt wurde.
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