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25.02.2010
Eine aussterbende Spezies in den USA
New York: Geraucht werden darf nur noch vor dem Restaurant.
New York: Geraucht werden darf nur noch vor dem Restaurant. (© Harald Weiss)
In den USA gilt seit Jahren ein generelles Rauchverbot. Aber nicht einheitlich: Jeder Landkreis hat sein eigenes Gesetz – New York das schärfste.
Harald Weiss

Seitdem die US-Tabakindustrie vor knapp zehn Jahren die milliardenschwere Sammelklage von krebskranken Rauchern verloren hat, ist die persönliche Freiheit beim Genuss des blauen Dunstes weit eingeschränkt. Inzwischen hat jede Stadt und jeder Landkreis Rauchverbote erlassen. Schätzungsweise sind über 10000 verschiedene Gesetze entstanden, denn das Rauchverbot ist eine Angelegenheit der Kommunen. Allgemein gelten die Einschränkungen in New York am schärfsten. Dort gibt es seit 2003 ein totales Rauchverbot in allen Einrichtungen, in denen sich Menschen versammeln: Büros, Geschäfte, Shoppingcenter, Restaurants, Bars, Hotellobbys – sogar in einigen Apartmenthäusern darf man nicht in der eigenen Wohnung rauchen. Basis dafür ist der zweite Punkt der Urteilsbegründung aus den Tabakprozessen. Er berührt ein wesentliches Fundament des amerikanischen Freiheitsverständnisses: Jedem sei erlaubt, mit sich selbst zu machen, was er wolle – solange er nicht andere gefährde. Das heisst, die US-Rauchverbote zielen nicht darauf ab, den Raucher vor sich selbst zu schützen, sondern es geht darum, den Nichtraucher vor dem Sekundärrauch zu schützen. Damit erklärt sich auch das Rauchverbot in der eigenen Wohnung, denn das sind ältere Apartmenthäuser, in denen es nur eine zentrale Klimaanlage für alle Wohnungen gibt – und damit zieht der Rauch auch durch die Wohnungen der Nachbarn.

Im Gastgewerbe ist mit diesem Schutz vor allem das Personal gemeint. New Yorks Bürgermeister stellte die Gastronomie vor die Wahl: «Entweder muss das Personal Gasmasken tragen oder es gibt ein totales Rauchverbot», so Michael Bloomberg.

Das generelle Rauchverbot führte zu Ausschreitungen
Das anschliessende Generalverbot, das auch für Gartenwirtschaften und Strassencafés gilt, führte zu Ausschreitungen: In einer Bar wurde ein Barkeeper erstochen, weil er einen Gast aufforderte, seine Zigarette auszulöschen, und Hunderte von Barbesitzern wurden zu Bussgeldern verurteilt, weil die Inspektoren einen Aschenbecher entdeckt hatten. Geraucht werden darf nur noch auf der Strasse, wo die Firmen abseits vom Eingang kleine Aschbecher aufgestellt haben, oder zu Hause, sofern man nicht in einem der alten Apartmenthäuser wohnt. Rauchen ist in den USA auch teuer geworden: Bei der Einführung des Rauchverbots wurde der Preis einer Schachtel auf 7.50 Dollar angehoben, nun liegt er bei über 11 Dollar.

Die wirtschaftliche Einbusse bleibt nach sechs Jahren aus
Nach nunmehr sechs Jahren zeigt das Rauchverbot Auswirkungen: Nach Angaben der Stadt New York ist die Zahl der Raucher um 350000 zurückgegangen. Auch das Argument der wirtschaftlichen Nachteile für die Bierkneipen hat sich erledigt, denn inzwischen sind in der Gastronomie mehr Personen beschäftigt als vor dem Rauchverbot. Bürgermeister Bloomberg führt diesen Erfolg allein darauf zurück, dass es keine Ausnahmen gab und dass die Anordnung sehr streng kontrolliert wurde.

 

  
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