In einem Schulaufsatz zu seinem Berufswunsch schrieb der kleine Franz-Xaver Leonhardt, er werde einmal ein Hotel an einem See oder Fluss führen, ein Kochbuch schreiben, einen Stern in einem Guide erkochen - und allen, die zu ihm kommen, seine Spezialität, ein Stück Fleisch mit Gemüse, kostenlos abgeben. Das Hotel hat er inzwischen gefunden, und Grosszügigkeit gehört zu den Werten des Hotels Krafft am Basler Rhein. Bleiben noch das Kochbuch und der Stern. Dafür bleibt Franz-Xaver Leonhardt ja noch Zeit…
Vom Traum zur Realität dauerte es allerdings einige Jahre. Mit 20 betrieb er mit einem Partner zusammen ein kleines Restaurant in Basel. «Da begann ich mich umzusehen nach Hotels, die am Wasser liegen», erzählt Leonhardt. Einige waren ihm zu gross, andere gefielen ihm nicht.
Mit 22 dann entdeckte er das Hotel Krafft an der Basler Rheingasse. Er verliebte sich in das Haus «an der wunderschönen Lage am Rhein. Ich wusste sofort, dass ich dieses Hotel haben wollte.» Also knüpfte er erste Kontakte mit der Besitzerfamilie. Die war einem Verkauf nicht ganz abgeneigt, konnte sich dann doch nicht vom Hotel trennen. «Auch ich war damals noch zu jung und zu unerfahren», blickt Leonhardt zurück.
Es brauchte neun Jahre Geduld
Im Laufe der nächsten Jahre joggte er immer wieder am Objekt seiner Begierde vorbei, beobachtete, was sich so tat und dachte sich Konzepte aus. Leonhardt liess sich vom schlechten Zustand des Hotels und dem schlechten Ruf der Rheingasse nicht entmutigen. Er hielt an seiner Vision fest. Acht Jahre später, nach dem Tod der Besitzerin, bekam er die Mitteilung, das Hotel werde verkauft. «Ich erstellte einen Businessplan und machte mich auf die Suche nach Geld.» Es gab einige Interessenten, die das Hotel wollten. «Ich bekam den Zuschlag, obwohl ich damals das nötige Geld noch nicht zusammen hatte.» Ein Jahr später, am 18. Dezember 2012, unterschrieb er, 31-jährig, den Kaufvertrag. Neun Jahre also hat Franz-Xaver Leonhardt gewartet, «bis ich und das Projekt reif waren».
Gleich lange Spiesse für das ganze Leitungsteam
Er übernahm das Hotel mit seinem Partner, mit dem er sein Restaurant führte - der dann bald wieder ausstieg, weil ihm das Projekt doch zu gross war. Leonhardt stellte sich ein neues Leitungsteam zusammen und suchte sich eine Stiftung, weil er gleich lange Spiesse schaffen wollte: «Es ist schwierig, mit anderen Menschen partnerschaftlich ein Unternehmen zu führen, wenn einer der Partner viel Geld in das Geschäft investiert hat.» In der Stiftung Edith Maryon, einer Basler Stiftung zur Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten, wurde er fündig. Sie kaufte das Hotel im Jahr 2003 und schloss mit den Betreibern einen langjährigen Mietvertrag ab. «Wir investieren also nur, was wir erwirtschaften.»
Dank dem «Krafft» ist Franz- Xaver Leonhardt zu einer weiteren Liebe gekommen: Zu seiner Frau Catherine und seinen beiden Kindern. Sie kam ursprünglich als Chef de Service ins «Krafft» und ist geblieben - als Geschäftspartnerin, Ehefrau und Mutter der beiden Mädchen.
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