Der Nachwuchs aus den Hochschulen muss sich anstrengen, wenn er sich im Schweizer Tourismus einen Namen machen will, denn oft fehlt es ihm an Berufserfahrung und damit an Anknüpfungspunkten. Diese vermittelt die Hochschule Luzern (HSLU) Studenten des Fachs Tourismus und Mobilität erfolgreich - mit einem Patenprogramm, das sie vor einigen Jahren lanciert hat. «Die Studenten sollen früh in Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern kommen, das Gelernte anwenden», sagt Martin Barth, Leiter Weiterbildung am Institut für Tourismuswirtschaft an der HSLU und Verantwortlicher für das Patenprogramm. «Wir wollen damit die Berufsbefähigung unserer Absolventen sicherstellen. Mit einem Arbeitszeugnis sind die Chancen auf dem Markt viel besser.»
Rund 300 Betriebe schreibt Barth jeweils zu Jahresbeginn an, fragt, ob sie bereit wären, jungen Nachwuchskräften ab Sommer einen vertieften Blick in die Branche zu bieten. «Unternehmen, die einmal mitmachen, kommen meist wieder auf uns zu», sagt er. Die SBB gehören dazu, Tourismusorganisationen, Bergbahnen, Reisebüros und Hotels. Gut ein Jahr verbringen die Studenten im Patenbetrieb, in der Anfangsphase einige Wochen am Stück, dann einen Arbeitstag pro Woche. Entlöhnt wird zu Praktikumsansätzen, auf 100 Stellenprozente aufgerechnet sind das meist 2000 bis 3000 Franken pro Monat.
Das Bonus-System für die Private-Selection-Gruppe
Darum, Studenten nur ein gutes Plätzli zu suchen, gehe es aber nicht, stellt Barth klar. Man vermittle patente Nachwuchskräfte, die der Patenbetrieb nicht aus Goodwill, sondern aus durchaus eigennützigen Motiven einstelle. «Nicht zum Kaffeemachen und Kopieren, sondern dazu, auf der strategischen Ebene Projekte zu realisieren, die etwas bringen.» Dass der Student für die Unternehmung vielmehr Sparringpartner als nur Praktikant sein kann, zeigt das Beispiel von Stefanie Brüllhardt.
2006, in ihrem letzten Studienjahr an der HSLU, konzipierte sie im Rahmen des Patenprogramms ein Bonussystem für die Private Selection Hotels und gewann dafür den Milestone Nachwuchspreis. «Die Anforderungen waren hoch», sagt Private-Selection-Geschäftsführerin Esther Dysli, «auch, weil das neue System für unsere Mitglieder keinen Mehraufwand bedeutet und praktisch nichts kosten durfte.»
Ein Jahr lang arbeitete Brüllhardt am Programm, dem sie gleichzeitig ihre Bachelorarbeit widmete. Die HSLU bewertete diese mit der Note 6 - aber viel besser noch: Seit 2008 ist auch in Betrieb, was Brüllhardt konzipiert hatte. Der Gast bekommt für jede Buchung Punkte, die er gegen attraktive Geschenke einlösen kann.
Gute Erfahrungen mit den Paten-Kindern
«Ich hatte Freude, dass wirklich funktionierte, was zunächst nur in meinem Kopf existierte», sagt Stefanie Brüllhardt. Kurz nach ihrem Abschluss holte Private Selection sie als Assistentin der Geschäftsleitung definitiv ins Boot. Auch die Zusammenarbeit mit der HSLU pflegt man weiter. Eine weitere Studentin etwa hat einen Leitfaden fürs Qualitätsmanagement erarbeitet und eine andere hat einen neuen Webauftritt konzipiert. «Das sind Ideen, die man nicht nur begleiten, sondern auch verwerten kann», so Esther Dysli. «Die Studenten bereiten uns keinen Aufwand, sie sind eine Bereicherung.»
Auch die Stanserhorn-Bahn hat als «Patin» gute Erfahrungen gemacht. Heuer ist man zum vierten Mal dabei. «Wir schauen jeweils: Was interessiert den Studenten, was nützt uns? So ergibt sich eine fruchtbare Zusammenarbeit», sagt Marketingleiterin Fabienne Huber. Im Gegensatz zu Private Selection Hotels, wo sich die Studentinnen und Studenten ausschliesslich ihrem Projekt widmen, verschont man sie bei der Stanserhorn-Bahn jedoch nicht vom Tagesgeschäft. «Dafür sind wir ein zu kleines Team, zu sehr angewiesen auf jede helfende Hand», sagt Huber. «Wenn das Semesterende naht, können sie sich dann stärker auf ihr Projekt konzentrieren.» Fabienne Huber sagt, sie könne jedem Studenten einen Einsatz im Patenprogramm ans Herz legen. «In unserer Branche sind Kontakte das A und O. Je früher man sie knüpft, desto besser.»


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