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9.12.2010
Elektromobil: ein rechteckiger Luxus
Umweltfreundlich, etwas unbequem und ziemlich teuer: Das massgeschneiderte Elektromobil im autofreien Zermatt.
Simone Leitner

Wir produzieren im Boden», scherzt Bruno Imboden und spielt auf seinen Walliser Namen an. In der Tat: Eine steile Treppe führt weit nach unten in die exklusive Autogarage. Wer nun aber an Luxusautos im herkömmlichen Sinn denkt, liegt falsch. Bruno Imboden produziert mit seinem Bruder Stefan Elektromobile. «Alles auf Wunsch, alles Handarbeit, alles individuell», präzisiert der Konstrukteur. Er ist bescheiden. Seine Preise sind es aber nicht: Mit 70000 Franken müsse ein Käufer rechnen für das Wunschgefährt. Wer aber extravagantere Wünsche hat, wie beispielsweise den Bau eines Tankwagens, muss mit 200000 Franken rechnen. Über diese Zahlen zu sprechen, bereitet Bruno Imboden keine Mühe. «Die Zermatter, die ein Elektromobil wollen, wissen genau, wie viel es kostet.» Die Legende hingegen, die Lieferzeit betrage mehrere Jahre, sei nicht wahr. Imboden lacht verschmitzt: «Wir liefern innerhalb von zwei bis acht Monaten.» An Bestellungen fehlt es nie, das Geschäft läuft gut. Sollte aber ein ausländischer Gast bei Bruno Imboden ordern wollen, stösst er auf Granit. «Wir bauen nur für Zermatt, Saas-Fee, Rieder- und Bettmeralp.» Da bleibt er stur. «Wir wollen ein kleiner Betrieb bleiben», so Imboden.

Umzug in eine grössere Garage
Doch dem Fortschritt will er sich dennoch nicht verschliessen. Die unterirdische Werkstatt mit den engen Platzverhältnissen sei nicht mehr zeitgemäss. Eine neue Räumlichkeit wird im Sommer 2011 bezogen. Und auch das Internet hält in der Zermatter Firma Stimbo Elektrofahrzeuge Einzug. «Mein Sohn steigt mit ins Geschäft ein und wird bestimmt auch den Internet-Bereich modernisieren.» In der Familie Imboden ist die Nachfolge geregelt. Für Vater Bruno Imboden ein Glück. «Für meinen Sohn aber auch.» Der Fahrzeugbauer zeigt Humor und Berufsstolz.

Gut 500 Elektromobile sind im Ort zugelassen, darunter rund 40 Taxifahrzeuge. Kastenform und Masse von 1,40 mal 4 mal 2 Meter Höhe sind von der Gemeinde vorgegeben und tragen dazu bei, dass das dörfliche Fortbewegungsmittel als Markenzeichen erkannt wird. Eine Herausforderung für die Konstrukteure, wenn ein Abrollkipper oder eben ein Heizöltransporter mit bis zu 3000 Kilogramm Nutzlast in die Grundkonstruktion von gut 11 Kubikmeter eingebaut werden müssen.

Ein Lehrberuf ist Elektromobilbauer nicht. Dennoch: Bruno Imboden deckt den Bedarf in Zermatt nicht alleine ab. «Ich habe einen Mitbewerber», wie er betont. Das sei aber absolut in Ordnung.

Elekromobile fahren seit über 30 Jahren auf Zermatts Stassen
Die Wagen der ersten Stunde, gebaut im Jahr 1977, fahren immer noch. Die Technik ist ausgefeilt, die Karosserie aus Aluminium. «Das verhindert Korrosion und spart Gewicht». Mit 2000 Kilogramm liegen Elektromobile gut auf den winterlichen Strassen. Ihre Lebenserwartung beträgt 30 bis 40 Jahre. Das Herzstück ist die Batterie. Strom wird aus dem Hausnetz eingespiesen. Je nach Alter der Batterie, Ladegewicht, Fahrweise, Jahreszeit und dem Steigungswinkel des Untergrunds muss sie täglich aufgeladen werden. Pro Ladung fallen zwischen drei und fünf Franken für Strom an. «Wer viel fährt, sollte eine Ersatzbatterie kaufen», empfiehlt Imboden. Doch auch diese sind kostspielig: Zwischen 6000 und 7000 Franken. «Dann kommt noch dazu, dass diese Batterie sehr schwer ist und nicht von Hand ausgewechselt werden kann.» Bruno Imboden beschönigt nichts. Die Elektromobile sind seine Leidenschaft. Er konzipiert, konstruiert und repariert sie.

Sogar zu Weltruhm gelangte das Zermattmobil: 1981 drehte Charles Jarrott, britisch-kanadischer Golden-Globe-Preisträger, in Zermatt den Film «Condorman»: Eine Disney-Actionkomödie mit Michael Crawford. In dieser James-Bond-Parodie kämpft der Superheld mit verrückten Fahrzeugen gegen das Böse.

  
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