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2.02.2012
Entscheidend ist die Absicht
Thomas Allemann, verantwortlich für die Hotelklassifikation bei hotelleriesuisse, sieht Vor- und Nachteile in ausländischen Käufern. Die Frage ist, ob ins Hotel reinvestiert wird.
Christine Künzler

Thomas Allemann, immer mehr Investoren aus Fernmärkten kaufen Schweizer Hotels. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Einerseits werte ich das positiv, weil es zeigt, dass die Schweiz nicht nur politisch als sicheres Land angesehen ist, sondern dass sie auch attraktiv ist bezüglich Investitionen. Es zeigt, dass Hotelprojekte in der Schweiz als sichere Anlage gelten können, damit sind auch künftige Investitionen sichergestellt. Andererseits ist für mich beängstigend, dass im Moment nur ausländische Investoren eine solche Sicht auf die Schweizer Hotellerie haben.

Nicht alle ausländischen Geldgeber investieren nach dem Kauf auch später in ihr Hotel, wie Beispiele zeigen…

Die Absicht von solchen Investoren ist möglicherweise eine andere als die von Schweizer Investoren. Einigen dieser ausländischen Investoren geht es wohl darum, ihr Geld sicher parkieren zu können. Sie setzen weniger auf eine Rendite und nehmen in Kauf, dass das Pendel auf beide Seiten, Gewinn oder Verlust, ausschlagen kann. Ihre längerfristige Perspektive ist die Mehrwertgenerierung über die Zunahme des Landwerts und des Ertragswerts der Liegenschaft. Ein Hotelobjekt, das seinen Wert erhalten soll, muss ständig unterhalten und reinvestiert werden. Ausländische Investoren, die ihr Engagement ernst nehmen, sind indes sichere Partner - auch für den Verkäufer.

Macht Ihnen diese Entwicklung auf dem Hotelmarkt Angst?

Wenn ein ausländischer Investor nur ein Hotel kauft, ist es meistens, weil er sich in das Hotel oder den Ort verliebt hat. Er macht dann das Hotel zu seiner Perle. Angst macht mir diese Entwicklung dort, wo dubiose Investoren Hotels im grossen Stil aufkaufen und dann nicht investieren. Dadurch entsteht ein Klumpenrisiko auch für die Destination, nicht nur für den Hotelbetrieb. Möglicherweise auch für die Region, falls der Investor dort weitere Häuser kauft. Die Frage stellt sich hier, ob der Investor Betreiber oder Immobiliengesellschaft ist. Sicher ist: Ein Betreiber muss sich sehr gut überlegen, mit welchem Investor er ins Bett steigt.

Stichwort Ausverkauf der Heimat: Wie wirkt sich das längerfristig auf den Schweizer Hotelmarkt aus?

Es gilt, klar zwischen Immobilie und Betrieb zu unterscheiden. Es wird kaum einen Unterschied machen, ob die Mehrheit einer Hotelimmobilie in schweizerischem oder ausländischem Besitz ist. Solange dies mit einem langfristigen Investment verbunden ist, spielt das keine Rolle, entscheidend ist die Betreibergesellschaft. Natürlich ist auch sie vom Besitzer beeinflusst, doch es gibt Fonds, die investieren und schliessen dann einen Vertrag mit einer Betreibergesellschaft ab. Diese kann die Identifikation mit der Region sicherstellen. Ich erhoffe mir, dass auch zunehmend mehr inländische Investoren die Hotelliegenschaft als sichere Investition betrachten.

Lassen die indischen, chinesischen oder russischen Hotelbesitzer ihre Häuser bei hotelleriesuisse klassieren?

Das ist unterschiedlich. Gerade jene Investoren mit einem längerfristigen Engagement und einem Interesse, ihre Betriebe am Markt zu positionieren, fragen vor oder kurz nach dem Kauf bei uns, wie viel sie investieren müssen, um entsprechend klassiert zu werden.

Welches sind Ihrer Ansicht nach die Gründe, dass Schweizer ihre langjährigen Familienbetriebe an Investoren aus Fernmärkten verkaufen?,

Wenn der Betrieb familienintern nicht weitergeführt werden kann oder der Investitionsbedarf nicht mit Eigenmitteln gedeckt werden kann, bleibt nur der Weg des Verkaufs an einen Investor. Angebot und Nachfrage entscheiden hier. Es ist naheliegend, das Hotel jenem zu verkaufen, der am meisten dafür bezahlt.

Hotels sind für Schweizer Investoren zurzeit keine begehrten Kaufobjekte…

Es gibt noch zu wenig Investorengruppen, die Hotels als interessante Investition sehen. Hierzulande kennt man vor allem das Mäzenatentum. Oder kleinere Investoren, die sich aus Freude ein Hotel kaufen. Wir haben jedoch Fonds, die Hotel- liegenschaften kaufen würden. Es fehlt aber an Betreibergesellschaften, die Hotels in Miete oder Pacht übernehmen.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Hotellerie in 30 Jahren?

Die internationale Kettenhotellerie nimmt zu. Dadurch entsteht eine Globalisierung und ein Verlust der Identität der Schweizer Hotellerie. Es kann auch ein Branding über eine Hotelgruppierung sein. Ich kann mir vorstellen, dass gewisse Hotelgruppierungen, die heute auf Softbranding setzen, ein Hardbranding anstreben.

Mehr zum Schwerpunkt-Thema «Asiatische Investoren» siehe unten

  
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