fokus
22.12.2011
Er ist der Chef
Elisabeth und Martin Emch haben sich im Berner «Schweizerhof» kennen gelernt.,Elisabeth und Martin Emch haben sich im Berner «Schweizerhof» kennen gelernt.
Elisabeth und Martin Emch haben sich im Berner «Schweizerhof» kennen gelernt.,Elisabeth und Martin Emch haben sich im Berner «Schweizerhof» kennen gelernt. (© Christine Strub)
Elisabeth und Martin Emch gingen beruflich erst getrennte Wege. Heute ist sie Mitarbeiterin ihres Mannes.
Christine Künzler

Sie war Generalgouvernante, er Vizedirektor im Berner Hotel Schweizerhof. Beide, Elisabeth und Martin Emch, hatten fast ein Jahr zusammen gearbeitet, bis sie sich näher kamen. Geheiratet haben sie aber noch während ihrer «Schweizerhof»-Zeit. Dank dem, dass sie Privates und Geschäftliches strikte trennten, gab es unter den anderen Mitarbeitenden kein Getuschel. «Zudem waren wir beide nicht mehr ganz jung», hält Elisabeth Emch fest.

Sechs Monate später wechselte sie zu einem Personalbüro, und ihr Mann nahm seine Stelle bei der Turicum Hotel Management Group in Zürich an. Heute gehört ihm dieses Unternehmen. «Ein eigenes Hotel zu führen, stand ebenfalls zur Diskussion. Wir schauten uns auch einige Betriebe an, der passende war jedoch nicht dabei», erzählt Elisabeth Emch.

Als die beiden Kinder kamen, blieb Elisabeth Emch zu Hause -erst in Bern, dann in Zürich. Während dieser Zeit engagierte sie sich in der Lehrlingsaufsicht, als Prüfungsexpertin und erteilte Einführungskurse für Lehrlinge. Alles Standbeine aus ihrem angestammten Beruf. Zuletzt amtete sie während drei Amtsperioden als Präsidentin der Schulpflege Hedingen - ein Fulltime-Job. «Ich konnte mir die Zeit frei einteilen und war zu Hause, wenn die Kinder da waren.»

Dass sie und er in der Hotellerie heimisch sind, sei ein Vorteil, zieht Elisabeth Emch Bilanz. «Das hilft, zu verstehen, dass der Partner lange Arbeitszeiten hat.» Das sieht auch ihr Mann so. «Wäre es anders, müsste sehr viel Aufwand betrieben werden, um verständlich zu machen, was hinter einem Engagement in der Hotellerie steht».

Sachdiskussionen werden im Büro und nicht zu Hause geführt

Seit letztem Jahr ist sie nun mit einem 70-Prozent-Pensum bei der Firma ihres Mannes tätig. Sie ist zuständig für die Hauswirtschaft und den Gruppeneinkauf der Turicum-Hotels. Die Gefahr, dass das Geschäft rund um die Uhr Gesprächsthema ist, ist gross. «Wir mussten einen Weg finden, Privates und Geschäftliches zu trennen. Dieser Schnitt ist uns gelungen», hält Elisabeth Emch fest. «Wenn der eine genug hat von geschäftlichen Diskussionen, sagt er es dem andern.» Fachliches oder Meinungsverschiedenheiten würden meist im Büro besprochen. Ein Privatleben jenseits des Betriebs führen zu können, ist auch für Martin Emch sehr wichtig.

Die Zusammenarbeit im Betrieb funktioniere gut, bestätigt er. Elisabeth Emch ist nicht einfach die Frau vom Chef. «Sie nimmt eine Stelle ein, die vorher eine Angestellte innehatte und wird auch wie eine Angestellte behandelt. Das wissen unsere Mitarbeitenden.» Eine wichtige Spielregel, findet er. «Wir können, wenn es sein muss, uns gegenseitig konstruktiv kritisieren, weil jeder seinen eigenen Arbeitsbereich hat.»

Emchs können ihre Gastgeberrolle in ihren Betrieben ausleben

Für Elisabeth Emch hat die Zusammenarbeit mit ihrem Mann ihre Beziehung verstärkt. Vielleicht spielt mit, dass ihre beiden Mädchen langsam flügge werden. Auf jedenfall sei sie, sagt sie, «happy» mit ihrer beruflichen und persönlichen Situation.

«Wir ergänzen uns gut. Wir haben beide unsere Stärken, die wir ausleben können», freut sich auch Martin Emch. Für sie ist der «gegenseitige Respekt und der Umgang auf gleicher Augenhöhe» Voraussetzung für eine gute Beziehung. «Wichtig ist auch Toleranz, Vertrauen, Transparenz, Offenheit sowie, sich gegenseitig einen Freiraum zu gewähren», ergänzt ihr Ehemann.

«Wir hätten auch ein gutes Hoteldirektionspaar abgegeben», ist Martin Emch überzeugt. «Wir sind beide Gastgeber, wir fühlen uns in dieser Rolle wohl, das liegt uns im Blut.» Er bedaure jedoch nicht, einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen zu haben. «Wir können unsere Fähigkeiten in unsere Betriebe einbringen.»

  
Werbung
ihr kommentar zum artikel
Was denken Sie zu diesem Thema? Schreiben Sie einen kurzen Kommentar, Ihre Meinung interessiert uns!


Betreff
Text
Hinweis: Es sind max. 400 Zeichen erlaubt.
   
Name
Email
   
Code
   * Bitte obenstehenden Code eingeben
   
   Ich bin mit den Spielregeln einverstanden


Weitere Artikel aus diesem Ressort